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Full text of "Festgabe an Karl Weinhold"

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► 



BEQUEATHED By 

t^eov&e ^llUton Settch 

PROFESSOR OF 

Oennantc Xanouages and Xiteratures 

IN THE 



^30 

0:37 



FESTSCHRIFT 

DER 

GESELLSCHAFT FÜR DEUTSCHE 

PHILOLOGIE 

ZUM. ZWANZIGSTEN JAHRE 
IHRES BESTEHENS. 



DEE FESTSCHRIFTEN ZWÖLFTE 



FESTGABE 

KARL WEINHOLD 



IHREM EHRENMITGLIEDE 
ZU SEINEM 

FÜNFZIGJÄHRIGEN DOKTOßJUBILÄüM 

DARGEBRACHT 

VON DER 

GESELLSCHAFT FUß DEUTSCHE 
^ PHILOLOGIE 

IN 

BERLIN 



m***^ 



LEIPZIG 
O. R. REISLAND 

1896. 



V 

* 




!^ 



l 



Inhaltsverzeichnis. 



^ Seite 



L Die altgermanische hundertschaft. Von Dr. Richard 

Bethge 1—19 

n. 1. Zur handschrift des Hildebrandsliedes 20 — 27 

2. Zum dialekt des Hildebrandsliedes. Von Dr. Wil- 
helm Luft 27— 30 

ITT. Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. Von 

Dr. Willy Scheel 31— 90 

IV. In dulci iubilo. Von JohannesBolte 91 — 129 

V. Schillers schrift vom ästhetischen umgang. Von Paul 

Kaiser 130-135 



I. 



Die altgermanische hundertschaft. 



Von 

Rleliard Betligre. 



Unter den befugnissen des grofsen landdinges (condlium 
civitatis) nennt Tacitus Germ. c. 12 auch die wähl von fiirsten 
zu gaurichtern: eliguntur in isdem conciliis et principes, gut 
iura per pagos vicosque reddunt; in Übereinstimmung hiermit 
weifs schon Cäsar B. Gr. 6, 23 zu melden, dafs es in den germa- 
nischen Staaten in friedenszeit keine staatliche oberbehörde gebe 
aufser den fiirsten der nach territorium und bevölkerung ge- 
schlossenen gaue, die unter den gaugenossen die rechtspflege 
zu besorgen haben: in pace nullus est communis magistraius^ 
sed principes regionum atque pagorum inter suos ius dicunt 
coniroversiasque minuunt. „Zur raterteilung und als stütze 
seines ansehens," fährt Tacitus fort, „stehen jedem gaurichter 
hundert aus der gaugemeinde bestellte begleiter zur seite" : 
centeni singulis ex plebe comites consilium simul et auctoritas adsunt 
Die Verteilung der kompetenz zwischen dieser richterlichen 
hundertschaft und dem gaufürsten ist, namentlich wenn wir 
die aus den späteren nationalen rechtsquellen bekannte ge- 
richtsverfassung zur veranschaulichung herbeiziehen, in den 
Worten des Tacitus im ganzen klar genug ausgedrückt: die 
Stellung des gaurichters ist von formaler bedeutung, er vertritt 

nach aufsen hin das gericht, leitet die Verhandlung und ver- 
Festschrift. X 



2 Kichard Bethge. 

kündet das urteil; insofern kann Tacitus mit recht von ihm 
sagen ^iura reddit^ oder Cäsar ^ius dicit^ ; die wirkliche ur- 
teilsfindung aber ruht bei den hundert „begleitern", aus deren 
mitte nach anhörung der parteien Urteilsvorschläge gemacht 
werden (consilium)j deren einer durch Zustimmung aller oder 
der mehrheit zum endgiltigen urteil erhoben wird (auctoritcLs) 
und alsdann, um in kraft zu treten, vom gaurichter ohne 
rücksicht auf etwaige eigene abweichende meinung verkündet 
werden mufs. Ist somit die thätigkeit der hundertschaft im 
wesentlichen durchsichtig, so ist dagegen die form ihrer be- 
stellung, die art ihrer Zusammensetzung um so dunkler; ging 
sie aus freier wähl der gaugenossen hervor? übte der gaufürst 
auf ihre Zusammensetzung einen einflufs? gab es einen durch 
die geburt erworbenen rechtstitel auf die mitgliedschaft? Man 
könnte der fragen noch mehr aufwerfen ; aber bei dem mangel 
einerseits an jeder nachricht über die richterliche hundert- 
schaft aufser in der angeführten Tacitusstelle, andererseits an 
jeder analogie zu diesem gebilde in der späteren gerichts- 
verfassung müssen all diese fragen für unbeantwortbar gelten. 
So einzig anscheinend steht die taciteische nachricht da, so 
unvereinbar mit dem „grundgedanken der germanischen ge- 
richtsverfassung", dafs die modernen systematiker des ger- 
jnanischen Staatsrechtes, Juristen und historiker, um die wette 
sich bemüht haben, die klaren werte des Tacitus als mifs- 
verstandene auffassung und wiedergäbe eines ganz anderen that- 
bestandes darzustellen. Welcher art freilich der letztere gewesen 
sei, darüber gehen die meinungen weit auseinander ; dafs aber 
überhaupt bei Tacitus ein mifsverständnis vorliege, darin 
weifs man sich so ziemlich einig. Am meisten Verbreitung 
hat die Waitzsche auffassung^) gefunden, dafs die territoriale 
centene der fränkischen zeit bereits der urzeit angehört habe 
und mit dem gau (pagus) identisch sei, der nichts sei als das 
bei der ersten landnahme von einer heeresabteilung von 



') Waitz, Verfassungsgesch. I^ 211 ff. 



Die altgermanische hundertscbaft. g 

hundert mann besetzte gebiet und eben daher den namen 
„hundertscbaft" behalten habe; durch den ihm zu obren ge- 
kommenen Zahlausdruck irregeleitet, habe Tacitus die gesamt- 
heit der männer einer solchen hundertscbaft, d. h. eines gaues, 
die an den gerichtstagen um den gaufürsten sich sammelte, 
als einen hunderterausschufs aus der gaugemeinde aufgefafst. 
Die haltlosigkeit der Waitzschen auft'assung hat Brunner ^) 
mit inneren und äufseren gründen kurz und bündig nach- 
gewiesen; besonders einleuchtend und fruchtbar ist seine an- 
nähme, dafs ein „gau" das ursprüngliche niederlassungsgebiet 
einer grofsen, geschlossenen heeresabteilung von 1000 mann 
war, einer tausendschaft, wie wir sie — im gegensatze zu 
den blofs angenommenen abteilungen von hundert mann — 
bei Ost- und Westgermanen thatsächlich kennen. Uns erscheint 
diese annähme als unabweisbar angesichts der thatsache, dafs 
nach ursprünglich ohne zweifei gemeingermanischer Verfassung, 
wie sie Cäsar B. G. 4, 1 bei den Sueben schildert, jeder gau 
jährlich eine tausendschaft — aufser einer hernach zu behan- 
delnden elitetruppe von hundert mann — unter den waffen 
hielt. Diesen grofsen und geschlossenen heeresabteilungen 
gegenüber, die wir bei den Ostgermanen auch noch aus späterer 
zeit kennen, stehen die militärischen hundertschaften als 
durchaus unselbständige und untergeordnete verbände da, 
denen wir schon aus diesem gründe — anderer, der alt- 
germanischen agrarverfassung entnommener gründe hier zu 
geschweigen — nicht die fähigkeit zuschreiben können, bei 
der landnahme ein gröfseres geschlossenes gebiet, einen gau, 
zu dauerndem anbau zu okkupieren. In den gerichtlichen 
hundertschaften nun sieht Brunner rein persönliche, ohne jede 
rücksicht auf lokale Zusammengehörigkeit der mitglieder ge- 
schaffene verbände, deren es in jedem gau eine gröfsere anzahl 
gegeben habe; jeder dieser verbände habe seine eigenen ge- 
richtstage gehabt, an denen sich die gesamte gerichtsgemeinde, 



^) Deutsche rechtsgeschichte I § 16, anm. 13. 

1 



4 Richard Bethge. 

eben die hundertschaft , um den ganrichter versammelt habe. 
Aber dieser auffassung, die späteren einrichtungen zu Hebe 
erdacht ist, fehlt in den werten des Tacitus jeder boden. Von 
anderen minder bedeutenden versuchen, das angebliche „mifs- 
verständnis" des Tacitus aufzuklären, sehen wir hier ab; den 
ausweg aus der Verlegenheit, den der neueste darsteller der 
deutschen urzeit^) gefunden hat, die angäbe des Tacitus ein- 
fach als keine beachtung verdienend zu ignorieren, mit aus- 
drücklicher ablehnung der versuche, sie aus einem mifs- 
verständnis zu erklären, erwähnen wir nur als kuriosum. Den 
ausgangspunkt für das urteil dieser rechtssystematiker bildet 
stets die Wahrnehmung, dafs ein solcher „gerichtsrat" innerhalb 
der einzelnen gaue, wie ihn Tacitus behauptet, unvereinbar 
sei mit dem grundgedanken der germanischen gerichts- 
verfassung, welcher gebieterisch den zusammentritt der ganzen 
gerichtsgemeinde zum gerichtshofe erheische. Uns läfst diese 
behauptete Unvereinbarkeit der taciteischen hundertschaft mit 
dem grundgedanken der germanischen gerichtsverf assung völlig 
kalt ; es läge ja nahe, diesen als das ergebnis einer entwicklung 
in den Jahrhunderten zwischen Tacitus und den ältesten auf- 
zeichnungen germanischer volksrechte aufzufassen, aber wir 
verzichten auf diese ausflucht, erkennen vielmehr bereitwillig 
die mitwirkung der, gesamten gerichtsgemeinde bei der recht- 
sprechung bereits der taciteischen zeit zu; das landding als 
träger der hohen gerichtsbarkeit (Germ. c. 12) ist ja der hand- 
greifliche beweis dafür. Das irrt uns nicht. Eine historisch 
gewordene Verfassung ist in keinem Zeitpunkte ihres bestehens 
ein widerspruchslos aus einem „grundgedanken" abgeleitetes 
System, wie es als ideal lediglich in den köpfen der rechts- 
theoretiker lebt, sondern enthält stets einander widersprechende 
demente vergangener und keime zukünftiger entwieklungsstufen. 
Die demütigen formen, unter denen in England die bestellung 



^) W. Schnitze in Grutsche u. Schultze, Deutsche geschichte 
von der urzeit bis zu den Karolingern I 332. 



Die altgermanische hundertschaft. 5 

zu dem wichtigen amte des Sprechers vollzogen wird, stehen 
auch mit dem grundgedanken der heutigen englischen Ver- 
fassung in schroffem Widerspruch, bestehen aber thatsächlich 
als Überreste aus einer zeit, in der die machtverteilung zwischen 
kröne und parlament ganz anders war als heute. Die Ver- 
fassung der preufsischen militärgerichte ist längst unvereinbar 
befunden mit dem grundgedanken der modernen rechtspflege ; 
hebt das die realität dieser militärgerichte auf? Wir erkennen 
die so anstöfsig befundene gerichtsbarkeit der hundertschaft 
als eines ausschusses aus der gaugemeinde in Übereinstimmung 
namentlich mit dem nüchternen philologischen bearbeiter der 
^ urdeutschen Staatsaltertümer", Baumstark, rückhaltlos an. 
Sie steht im Widerspruch zu der sonstigen geriehtsverfassung ; 
schön, folglich mufs sie aus den bedürfnissen einer früheren 
■entwicklungsperiode begriffen werden. Wir sehen ihren Ur- 
sprung in der wanderverfassung. Als noch jährlich innerhalb 
der einzelnen gaue der allgemeine flurwechsel, verbunden mit 
allgemeinem umzug der geschlechtsverbände, stattfand, bedurfte 
«s zur leitung der ackerverteilung einer dem gauoberhaupt 
(princeps) bei- oder untergeordneten behörde, deren Cäsar 
B. G. 6, 22 ausdrücklich gedenkt: neque quisquam agri modum 
^ertum aut fines habet proprios; sed magistratus ac prm' 
dpes in annos singuhs geniibus cognationibusgue hominum^ qui 
una caiertmtj quantum et quo loco visum est agri attribmmt 
atque anno post alio transire cogunt. Diese behörde mufs, da 
die ackerverteilung und der allgemeine umzug natürlich 
zahlreiche Streitigkeiten mit sich brachte, die nicht erst vor 
dem nächsten ungebotenen oder gebotenen ding verhandelt 
werden konnten, sondern eine sofortige — wenigstens vor- 
läufige — erledigung erheischten, notwendigerweise gewisse 
polizeiliche und richterliche befugnisse gehabt haben. Es scheint 
uns ganz selbstverständlich, dafs sie dem princeps, wenn er 
als gaurichter gerichtstage abhielt und Streitsachen beilegte — 
wie das Cäsar ein paar zeilen weiter in der oben s. 1 aus- 
gehobenen stelle schildert — , in genau derselben weise ak 



6 Eichard Bethge. 

consilium simül et auctoriias beistand wie die centeni bei Tacitus. 
Kurz und gut, die richterliche hundertschaft des Tacitus ist 
nichts anderes als die den jährlichen flurwechsel leitende „be- 
hörde" (mdgistratus) Cäsars; dafs bei ihr die richterliche 
thätigkeit in den Vordergrund gertickt ist, während die leitung 
des flur- und Wohnungswechsels bei Tacitus unerwähnt bleibt^ 
ist eine natürliche folge des grofsen fortschritts , den die 
agrarische Verfassung der Germanen zwischen Cäsar und Tacitua 
' gemacht hatte, infolgedessen der jährliche flurwechsel auf die 
dorfgenossen beschränkt und nicht mehr mit einem Wohnungs- 
wechsel verbunden war. Seinen Ursprung aber wird dieser 
ausschufs aus der gaugemeinde in viel frühere zeit zurück- 
führen, in die Jahrhunderte, während welcher germanische 
Stämme allmählich die norddeutsche tiefebene in ihrer ganzen 
ausdehnung besetzt haben. Aus den bedürfnissen des auf 
kriegerischen landerwerb ausziehenden volksheeres war die 
institution erwachsen, dass jede grofse, in sippenverbände ge- 
schlossene heeresabteilung (tausendschaft), die nach eroberung 
eines ausreichenden gebietes einen bestimmt abgegrenzten teil 
(einen gau) zu dauerndem anbau übernehmen sollte, einen aus- 
schufs von hundert mann irgendwie kreierte, der bei der Wan- 
derung die Ordnung im zuge aufrecht erhielt, bei der landnahme 
die aufteilung der feldflur leitete und in beiden lagen die not- 
wendigerweise zahlreichen Streitigkeiten entschied , schliefslich 
auch diese polizeilichen und richterlichen befugnisse in fried- 
liche Zeiten hinübernahm. 

Ist der gedanke, der uns bei dieser ausführung geleitet 
hat, richtig, so führt er uns noch weiter. In der germani- 
schen Urzeit ist zwischen volk und beer kein unterschied; ein 
auf landerwerb ausziehendes volk ist nichts als ein marschie- 
rendes beer mit grofsem trofs ; seine Organisation ist militärisch ; 
dem mit polizeih'ch-richterlichen befugnissen ausgestatteten 
hunderterausschufs mufs, das erfordert die logik der thatsachen 
unabweislich , ein hervorragend militärischer Charakter bei- 
gewohnt haben, auf dem ihre in friedliche Verhältnisse mitüber- 



Die altgermanische hundertschaft. 7 

nommene polizeilich-richterliche gewalt beruhte und aus dem 
die Sonderstellung der richterlichen hundertschaft gegenüber 
der sonstigen gerichtsverfassung verständlich wird. Kurz, von 
diesem gesichtspunkt aus erscheint die identität der richter- 
lichen hundertschaft mit der militärischen hundertschaft der 
gemischten elitetruppe (TacT. Germ. c. 6, Cäs. B. G. 1, 48) un- 
abweisbar. Der gedanke ist nicht neu: Gaupp^) hat ihn 
zuerst ausgesprochen, Gemeiner^) und Nitzsch^) haben ihn, 
indem sie noch ganz unzulässigerweise den comitatm (Germ, 
c, 13) mit der hundertschaft zusammenwarfen, weiter aus- 
geführt, ohne ihn jedoch fruchtbar machen zu können, weil 
sie nicht in dem cäsarischen magistratus die richterliche 
hundertschaft wiedererkannten und demgemäfs nicht von der 
thätigkeit dieser behörde bei der ackerverteilung ausgingen, 
sondern den princeps als den lebendigen mittelpunkt der in- 
stitution auffafsten und in den Vordergrund der betrachtung 
stellten. Baumstark*) lehnte die Identifikation der beiden 
institute sehr energisch ab, vom Standpunkte einer blofs 
„schützenden erläuterung der Germania" mit recht: weder 
Cäsar noch Tacitus denken auch nur im träum an die iden- 
tität der richterlichen behörde und der elitetruppe. Wir 
kommen darauf noch zurück, fassen aber zunächst diese ge- 
mischte elitetruppe etwas schärfer ins äuge. 

Von der Verwendung der aus reitern und fufsgängern kom- 
binierten truppe in der schlacht giebt uns Cäsar B. G. 1, 48 ein 
anschauliches bild : „Ariovist hielt die ganze zeit über" — d. h. 
fünf tage hindurch, an deren jedem Cäsar sein beer in schlacht- 



') Die germ. ansiedlungen etc. in den provinzen des röm. west- 
reichs s. 145 f. Das alte gesetz der Thüringer s. 106. 

2) Verfassung der centenen s. 78 ff. 

^) Geschichte des deutschen Volkes 1, 68. — Die anmerkung, mit 
welcher der herausgeber der Nitzschschen Vorlesungen seines meisters 
meinung stützen will (s. 74 ff), hätte dem schönen buche erspart bleiben 
können. 

*) Urdeutsche Staatsaltertümer s. 517. Ausführl. erläut, s. 499. 



g Richard Bethge. 

Ordnung den Germanen gegenüber aufstellte — „sein beer im lager 
zurück, lieferte jedoch täglich reitertreffen. Die kampfesart, auf 
die sich die Germanen eingeübt hatten, war folgende. Es waren 
6000 reiter und ebenso viele besonders behende und tapfere fufs- 
gänger, von denen sich jeder reiter seinen mann zu seiner per- 
sönlichen deckung aus der ganzen heeresmasse ausgewählt hatte. 
Sie gingen mit den reitern zusammen vor; auf sie zogen sich 
die reiter zurück ; sie traten geschlossen vor, wenn der kämpf 
ernster wurde; war der reiter öchwer verwundet und stürzte 
vom pferde, so bildeten sie einen kreis um ihn. Galt es 
weiter vorzurücken oder etwas eilig zurückzuweichen, so war 
ihre durch übung erworbene Schnelligkeit so grofs, dafs sie, 
sich leichthin an den mahnen der pferde haltend, gleichen 
schritt mit ihnen hielten." Besonders heben wir die nicht 
immer beachtete angäbe hervor, dafs die elitefufsgänger von 
den reitern selbst aus der gesamtmasse des heeres ausgewählt 
worden; als selbstverständlich betrachten wir es dabei, dafs 
jeder reiter sich seinen begleiter aus dem aufgebet des gaues, 
dem er selbst angehörte, auszusuchen hatte. Denn, wie uns 
Tacitus (Germ. c. 6) meldet, stellte jeder gau eine abteilung, 
und zwar von hundert mann, zur kombinierten truppe: m 
Universum aestimanti plus penes pediiem roboris; eoque mixii 
proelianiur apta et congruente ad equcsirem pugnam velocitaie 
peditumj quos ex omni iuventute delectos ante aciem locant. de- 
finitur et numerus : centeni ex singulis pagis sunt^ idque 
ipsum inter mos vocamtur, et quodprimo numerus fuit^ iam nomen 
et honor est. Hundert mann stark also ist die zur elitetruppe 
gestellte abteilung jedes gaues; denn nur dies, man mag sagen 
was man will, kann der sinn der vielbesprochenen worte 
^centeni ex singulis pagis sunt^ idque ipsum inter suos vocantur^ 
sein. Gegen die auffassung J. Grimms^) und anderer, dafs 
nur die mit den reitern kombinierten fussgänger „hundert- 



^) Geschichte der deutschen spräche s. 491 (2. aufl. s. 343). 



Die altgermanische hundertschaft. 9 

Schaft" genannt worden seien, machte MüllenhofF^) mit vollem 
recht geltend, dafs ja dann die so eigentümlich zusammen* 
gesetzte truppe als ganzes und in ihr der vornehmere teil, 
die reiter, ohne benennung bleiben würden. Gegen die letztere, 
ganz selbstverständliche, behauptung, dafs die reiter der vor- 
nehmere teil der mischtruppe seien, hat sich Baumstark ^) un- 
gemein ereifert: die reiter seien eben nichts als „gewöhnliche 
reiter" gewesen, und die so eigentümlich ausgebildeten fufs- 
ganger vielmehr der vornehmete, angesehenere teil, der des- 
wegen einen besonderen, allmählich zum ehrentitel gewordenen 
namen erhielt; leider übersah nur Baumstark in blindem 
eifer, seinen autor vor vermeintlicher Vergewaltigung zu 
schützen, gänzlich Cäsars wichtige nachricht, dafs jeder dieser 
reiter sich seinen begleiter selbst aus der ganzen heeresmasse 
aussuchte, und dafs, wenn die mischtruppe in fremde dienste 
trat, der reiter doppelt so hohen sold als sein begleiter er- 
hielt®), in der heimat also wohl durch doppelt so hohes wer- 
geld geschützt war. Auch wenn wir, ohne rücksicht auf das 
sachlich notwendige, nur die satzfiigung betrachten, ist es 
keineswegs, wie selbst MüUenhoff meinte, natürlicher, cenient 
nur auf pedites zu beziehen. Allerdings beziehen sich ja die un- 
mittelbar voraufgehenden worte quos ex omni iuventute delectos 
ante ädern locant grammatisch a.xi{ peditum, aber thatsächlich 
schwebt bei ihnen doch dem autor die ganze gemischte truppe vor: 
nicht für sich allein, sondern eben mit ihren reitern zusammen 
werden die fufsgäpger vor dem keil aufgestellt. Müllenhofis 



') In Haupts zeitschr. 10, 552 f. 

2) Ausführl. erläut. s. 341 f. 

^) Liv. 44, 26 fährt, nachdem er die gemischte fechtweise der 
Bastemen, die er nach ungenauem Sprachgebrauch Gallier nennt, ge- 
schildert, fort : hi pacti erantj eques denos praesentes aureoSj pedes quinos, 
müle dux eorum, vgl. s. 14 anm. 1. Über den sold berichtet dasselbe Appian 
Maced. 18 (ed. Mendelssohn 1, 344): ^66xh . . . t^ riyefiovi So&rjvai /t- 
Xlovs XQvaovg OTarrJQas, inner d * ixdoTq) (T^xa, xal ra rifxCow ne^^. (Plut. 
Aem. c. 12 erwähnt nur den sold des fuhrers.) — Die wertvolle notiz 
scheint niemand beachtet zu haben. 



10 Richard Bethge. 

versuch, aus den zahlenverhältnissen in Ariovists beer — 
6000 reiter und 6000 fufsgänger der mischtruppe aus den 
hundert Suebengauen — durch die annähme, dafs bei den 
100 gauen an das germanische grofshundert (120) zu denken 
sei, die elitetruppe des gaues als aus 50 reitem und 50 fufs- 
gangem bestehend nachzuweisen, beruht offenbar auf unsicherer 
grundlage; denn was hindert uns, bei der zahl der gaue an 
das decimale hundert, bei der hundertschaft dagegen an das 
grofshundert zu denken? Eher darf man daran erinnern, 
worauf Scherer ^) gelegentlich hingewiesen hat, dafs bei den 
Goten anscheinend ein besonderer ausdruck für eine abteilung 
von 50 menschen hestSLuditewi; das wort heifst an sich nur „schar, 
Ordnung" (vgl. teua gaUt4)jan) und kann schlechterdings nur aus 
der militärischen terminologie herstammen; wo aber könnte 
es im beer aufser in der gemischten truppe abteilungen von 
50 mann gegeben haben? Auch daran mag erinnert werden, 
dafs die kopfzahl der gemischten truppe der Basternen — darüber 
nachher — , 20000 mann, nicht durch 120 teilbar ist. Dennoch 
scheint es uns zweckmäfsiger , die frage offen zu lassen, ob 
die militärische hundertschaft aus je fünfzig oder je sechzig 
fufsgängern und reitern bestand. 

Wichtiger ist die frage nach dem Ursprung dieser eigen- 
tümlichen institution. Wenn Cäsar bei der belagerung von 
Alesia (B. Gr. 7, 80) die erfahrung macht, dafs die Gallier 
zwischen ihre reiterei hier und da pfeilschützen {raros sagittarios) 
und leichtbewaffnete einreihen und wenn auch sonst von keltischen 
und anderen stammen ähnliches berichtet wird ^), so kann eine 
solche gelegentliche truppenmischung allerdings die grundlage 
der germanischen einrichtung gewesen sein, nicht aber ohne 
weiteres mit ihr identifiziert werden. Eher vergleichen läfst 
sich eine kampfweise, die Strabo^) bei den Iberern erwähnt, 

') Zur gesch. d. deutschen spräche ^ s. 591; doch vgl. J. Schmidt, 
Urheimat der Indogermanen s. 28 ff. 

2) Hehn, Kulturpflanzen und haustiere ^ 46 ff. 

^) Geogr. 3, 4, 18 (p. 165): Oifx Miov di t(ov ^IßriQmv ov^h tovto ai)vdvo 
iq) Vtitkov xofA^C^atftti, xara J^ raff (xa^ag rov €T€qov nsCov ayonfC^aoB-ai, 



Die altgermanische hundertschaft. U 

dafs auf jedem pferde zwei leute ritten, von denen der eine 
im kämpfe absafs und zu fufs kämpfte; eine ähnliche fecht- 
weise hätte Alexander der grofse nach Curtius Rufus^) bei 
den Dahern kennen gelernt. Immer aber bleibt zwischen dieser 
Sitte und der germanischen ein tiefer unterschied bestehen. 
Nichts deutet darauf hin, dafs wir es bei jenen misch truppen 
anderer Völker mit einem vor der schlachtreihe aufgestellten 
elitekorps wie bei den Germanen zu thun haben, nichts 
darauf, dafs die mischtruppe zu dem gesamtaufgebot in einem 
festen Zahlenverhältnis stand wie die germanische hundert- 
schaft. Dieser charakter einer elitetruppe, die auswahl der 
fussgänger durch die reiter selbst, ferner die thatsache, dafs 
in der hundertschaft die sonst in der germanischen heeres- 
ordnung geltende Zusammenordnung der versippten und ver- 
schwägerten aufgehoben ist, zeigen, dafs die militärische 
hundertschaft kein blofs naturwüchsiges gebilde, sondern das 
ergebnis militärischer Überlegung war. Wir dürfen und müssen 
nach dem besonderen entstehungsgrunde der germanischen 
einrichtung fragen; er erscheint uns nicht un erforschbar. Um 
es kurz zu sagen, das Verhältnis zwischen reiter und fufs- 
gänger in der hundertschaft entspricht ganz genau dem zwischen 
Wagenlenker und wagenkämpfer , wie wir es auf den reliefs 
und Wandgemälden der assyrischen und ägyptischen könige, 
im homerischen epos und bei den Kelten finden. Hier wie 
dort haben wir eine vor der grofsen heeresmasse aufgestellte 
vornehme spezialtruppe , hier wie dort die kunstmäfsige Ver- 
bindung des fufskämpfes mit dem gebrauch des streitrosses^ 
hier wie dort die ständige kooperation eines vornehmen kriegers 
mit einem von ihm ausgewählten minder vornehmen, 
aber vor der grofsen masse ausgezeichneten begleiter. Leicht 
würde sich die germanische mischtruppe als naturgemäfse ent- 



^) 7, 32: Equi hinos armatos vehunty quorum invicem singuli repente 
desiUunt, equestris ptignae ordinem tv/rbant: equorum velocüati par [est 
hominum pemicüas. 



12 Richard Bethge. 

Wicklung aus einer früheren kriegführung mit Streitwagen 
herleiten lassen, wenn diese je bei den Germanen bestanden 
hätte. Dafs zu der feier des angeblichen sieges, den üaligula 
^ber die Germanen davongetragen, unter der germanischen 
beute auch Streitwagen ausgestellt wurden *) , wird niemand 
fUr ein ernsthaftes zeugnis halten; es beweist wie die ganze 
lächerliche inscenierung des germanensieges lediglich, was für 
frechen Schwindel man dem römischen pöbel offiziell bieten 
durfte und wie wenig klare begriffe von der Verschiedenheit 
der Germanen und Kelten man damals noch, trotz Cäsar, in 
Rom hatte; die „germanischen kriegs wagen** waren natürlich 
gallischen Ursprungs. Hätten die Germanen jemals diese 
imposante, durchaus aristokratische waffe in ihrem heerwesen 
geführt, sie würden sie nicht in einer zeit aufgegeben haben, 
welche gerade die anfange einer aristokratie in leben und 
Verfassung entwickelte ; ihre kriegskunst stand nicht auf solcher 
höhe, dafs sie den Streitwagen, wenn sie ihn je geführt, nur 
•deswegen abgeschafft hätten, weil er der römischen kriegs- 
kunst gegenüber nur ein inane ludibrium^) war. So 
kann denn die germanische mischtruppe nicht ein in der ein- 
heimischen heeresverfassung entwickelter ersatz für den ehe- 
maligen kriegswagen sein; wir glauben daher, dafs das Vor- 
bild des gallischen kriegswagens für die Schöpfung oder aus- 
bildung der germanischen spezialwaffe mafsgebend war. Bei 
den Kelten war der kriegswagen lange in gebrauch gewesen, 
Cäsar hat mit ihm in Britannien zu schaffen gehabt und noch 
mehr als 100 jähre nach ihm des Tacitus Schwiegervater 
Agricola. Die Germanen haben dasjenige dement der kel- 



1) Pers. sat. 6, 43 ff. : 

missa est a Caesare laurus 

insignem oh cladem Germanae pubis, et aris 
frigidus excutüu/r cinis, ac iam postihus cmna, 
iam chlamydes regum, iam lutea gauaapa captis 
essedaque ingentesque locat Caesonia Bhenos. 

«) Livius 37, 41. 



Die altgermanische hundertsehaft. X3 

tischen kriegführung , das ihnen bei ihren beständigen zu- 
sammenstöfsen mit den Kelten besonders furchtbar wurde^ 
ihren einfacheren Verhältnissen gemäfs in der parabatenreiterei 
nachgebildet. Die enge berührung zwischen der keltischen 
Wagentruppe und der germanischen mischtruppe wird am 
augenscheinlichsten, wenn man die unterschiede des keltischen 
Wagenkampfes von dem orientalischen und homerischen ins 
äuge fafst. Hier steht der wagenlenker dem parabaten, der 
wie die gefilhrlichere so auch die vornehmere Stellung von 
beiden einnimmt, als diener gegenüber, bei den Kelten aber 
ist es nach dem zeugnis des gerade hierüber authentisch — 
aus dem munde seines Schwiegervaters — unterrichteten Tacitus 
umgekehrt: honestior auriga^ cUentes propugnant^). Ganz so 
ist es bei den Germanen: der vornehme reiter erhält nach 
eigener wähl und im wesentlichen zu seiner deckung (sucie 
salutis causa bei Cäsar B. G. 1, 48!) einen fufsgänger als 
parabaten überwiesen. Aber auch die weise des keltischen 
Wagenkampfes, wie sie Cäsar (B. G. 4, 33. 5, 16) anschaulich 
beschreibt, weicht doch von der uns aus Homer bekannten 
orientalisch-griechischen art merklich ab, zeigt dagegen die 
allergröfste Übereinstimmung mit der gemischten fechtweise 
der Germanen ; man vergleiche Cäsars Schilderung der letzteren 
(s. oben s. 7 f.) mit seiner Schilderung des britischen wagen- 
kampfes B. G. 4, 33 : Genus hoc est ex essedis pugnae. Primo 
per omnes partes perequitant et tela coniciunt atque ipso terrore 
equorum ei strepitu rotamm ordines plerumque perturbant, et 
cum se inter equitum turmas insinuaverunt, ex essedis desiliunt 
et pedibus proeliantur. Äurigae interim ex proelio exceduni 
atque ita currus collocant^ ut si Uli a multitudine hostium 



1) Tac. Agric. c. 12. — Diesem zeugnis gegenüber kann die mei- 
dung Diodors 5, 29, dafs die Gallier „sich aus den unbemittelten freie 
diener gegen sold aussuchten, die ihnen als wagenlenker und Schild- 
träger in der schlacht dienten^, nur als unpassende Übertragung home- 
rischer Verhältnisse auf die andersgearteten gallischen betrachtet werden. 



14 Richard Bethge. 

premantur^ expeditum ad suos recepium habeant Ita mobili' 
tatem equitum^ stabilitatem pedttum in proeliis praestantj ac 
tantum usu cotidiano et exercitatione efficiuntj uti in dedivi ac 
praecipiti loco incitaios equos sustinere et hrevi moderari (zc 
flectere et per temonem percurrere et in iugo insistere et se inde 
in currus citissime recipere consuerint. Ist demnach die kunst- 
mäfsige ausbildung der gemischten fechtweise bei den Q-er- 
manen auf den einfiufs der gallischen kriegskunst zurückzu- 
führen , so wird doch dadurch die frühere existenz eines be- 
rittenen elitekorps nicht geleugnet, sondern vielmehr als not- 
wendige geschichtliche Voraussetzung und grundlage der 
neuerung erwiesen ; die alte berittene hundertschaft wurde 
unter konsequenter erweiterung der unzweifelhaft seit ältester 
zeit geübten sitte gelegentlicher beimischung von fiifsgängern 
zu der aus Cäsar und Tacitus bekannten gemischten hundert- 
schaft umgebildet Auch die zeit dieser wichtigen militärischen 
neuerung können wir noch ziemlich genau bestimmen: sie 
wurde etwa um die mitte des dritten Jahrhunderts v. Chr. 
eingeführt Wir finden diese institution bereits im jähre 168 
bei dem ans schwarze meer vorgedrungenen ostgermanischen 
stamm der Basternen ausgebildet, als ihr heerkönig Clondicus 
mit könig Perseus von Makedonien über die gestellung eines 
bastemischen hilfskorps von 10000 reitern mit ihren parabaten 
— diesen dem wagenkampf entlehnten ausdruck wendet 
Plutarch^) hierbei an — verhandelte^). Die Basternen müssen 
diese institution aus der heimat bereits mitgebracht haben, 
mithin war sie um 200 v. Chr. bei den Germanen bereits 
verbreitet. Es kommt nun zunächst darauf an, das alter der 
keltischen kriegswagen festzustellen. Die öfter ausgesprochene 
meinung, die Kelten hätten erst infolge ihrer grofsen Wanderung 



1) Aem. Paul. c. 12. Ihre fechtweise schildert Livius 44, 26, der 
jedoch nach verwirrtem Sprachgebrauch die Basternen Gallier nennt, 
vgl. s. 9, anm. 2. 

2) Müllenhoff in Haupts Zeitschr. 10 , 552 f. Deutsche altertums- 
kunde 2, 105. 



Die altgennanische hundertschaft. 15 

in den osten von den orientalischen Völkern die sitte des 
Wagenkampfes angenommenj*) , ist zu verwerfen; denn un- 
verdächtige Zeugnisse beweisen, dafs die Gallier gerade des 
alpengebietes und der alpenvorlande den kriegswagen schon 
einige Jahrzehnte früher kannten. Die annalistische Über- 
lieferung^) hielt die erinnerung fest, dafs die Gallier, die in 
der Schlacht bei Sentinum (295 v. Chr.) mitfochten, auch 
kriegswagen führten, während bei den früheren einfkllen 
der Gallier nichts von kriegswagen verlautet. Denmach darf 
das aufkommen der kriegswagen bei den Galliern in die 
letzten Jahrzehnte des vierten Jahrhunderts gesetzt werden. 
Hierzu stimmt es aufs beste, dafs in den fundstätten der La 
Tene-periode , in La Tfene selbst, aber auch in der Tiefenau 
im kanten Bern reste von Streitwagen gefunden sind^). Der 
Streitwagen mufs geradezu als eins der charakteristischen 
stücke der La Tene-kultur gelten; woher er den Kelten zu- 
gekommen ist oder ob sie ihn, was einstweilen am wahr- 
scheinlichsten dünkt, selbst erfunden haben, bleibe dahin- 
gestellt. Orientalische einflüsse sind nicht erkennbar: zu den 
oben (s. 13) bemerkten unterschieden des keltischen und 
orientalisch - griechischen wagenkampfes kommt noch der 
wesentlich abweichende bau des gallischen Streitwagens, wie 
wir ihn auf römischen münzen abgebildet sehen*), hinzu: es 
fehlt jede brüst ung, so dafs sich der kämpf er vom hinteren 
wagenende bis zur deichselspitze vorwärts und rückwärts 
bewegen kann (vgl. dazu Cäsars werte „per iemonem percurrere 
et in it4go insistere'* oben s. 13). Daneben kommen allerdings 
auch wagen mit brüstungen vor: so sehen wir auf einer 
münze ^) den wagenkämpfer dargestellt, wie er, mit dem 



^) z. B. Hehn, Kulturpflanzen und haustiere ^ s. 49. 

2) Bei Livius 10, 28. 30. 

3) Hoernes, Urgeschichte des menschen s. 637. 639. 

*) Babelon, Description historique etc. des monnaies de la r^publique 
Romaine 1, p. 243. 436. 

^) Bei Babelon a. a. o. s. 552. 



X6 Richard Bethge. 

rücken to die brüstung gelehnt^ sich gegen verfolgende feinde 
verteidigt, während der wagenlenker die pferde zu schleunigem 
laufe antreibt; auf diese Verschiedenheit der wagenformen 
mögen wohl die verschiedenen keltischen namen esseda und 
covinus hinweisen ^). — Ist die gemischte elitetruppe der Ger- 
manen eine nachbildung der keltischen wagentruppe, so kann 
nach den eben gemachten ausführ ungen ihre ausbildung nicht 
wohl erheblich vor 250 v. Chr. fallen, mufs sich dann aber, 
wie militärische neuerungen oft, schnell verbreitet haben. 
Eben in diese zeit aber fällt, wie Kossinna schön gezeigt hat ^) 
und noch weiter auszuführen gedenkt, die germanische be- 
setzung des tieflandes von der Weser bis zum Rhein; in den 
fortgesetzten kämpfen mit den keltischen stammen, die bis 
dahin auf diesem boden gesessen hatten, hat die neue ein- 
richtung ihre feuerprobe bestanden. Sie ist ein eckpfeiler der 
altgermanischen heeresorganisation und taktik geworden; ihre 
brauchbarkeit wird durch nichts besser illustriert als durch 
die ihr widerfahrene ehre, von römischen feldherren seit Cäsar®) 
wiederholt nachgeahmt zu werden. Die ältere form des elite- 
korps aber war die berittene hundertschaft gewesen; ihr 
Ursprung mag in die ferne vorzeit fallen, als von den Ger- 
manen die reitkunst zuerst ausgeübt und in den dienst des 
krieges gestellt wurde. 

Wir kehren von dem militärischen elitekorps der hundert- 
schaft zu der polizeilich- richterlichen behörde der hundert- 
schaft zurück. In ihr erkannten wir ein organ der wander- 
verfassung, erwachsen aus den bedürfnissen eines auf land- 



1) Nützliche bemerkungen über alter, bau und Verbreitung der 
gallischen Streitwagen bei Mazard, Revue arch^ol. 33 (1877) 154 ff. 
217 ff. Nicaise, L*^poque gauloise dans le d^part. de la Marne (1884) 
s. 7 ff. 53 ff. Daremberg et Saglio, Dictionnaire des antiquitds etc. 
I 2, s. 1551 b (s. V. covinus) und II 1, s. 815 b ff. (s. v. esseda). 

2) Beitr. z. gesch. d. deutsch, spräche u. litteratur XX, 297. 
8) B. C. 3, 75. 84. 



Die altgermanische hundertschaft. 17 

erwerb ausziehenden und nach geschehener landnahme zu 
dauernder ansässigkeit tibergehenden volksheeres, mufsten ihr 
somit einen eminent militärischen charakter als ursprünghch 
zuerkennen. Zwei militärische ausschüsse von je 100 (resp. 120) 
mann aus der gesamtheit der in der tausendschaft militärisch 
organisierten gaugenossen (ev. künftigen gaugenossen) sind 
unmöglich; die berittene hundertschaft oder in jüngerer Um- 
bildung das parabatenreiterkorps und die richterliche hundert- 
schaft sind ursprünglich ein und dieselbe körperschaft, die im 
kriege als elitetruppe, im frieden als richterkoUegium fungiert, 
bei einem wandernden stamme aber in einer eigentümlichen 
doppelnatur erscheint. Von dieser doppelnatur sowie von der 
ganzen art, wie sich die Wanderung eines auf landerwerb aus- 
ziehenden Stammes gestaltete, gewinnen wir, wenn wir uns 
unsere auffassung in all ihren folgen zu veranschaulichen 
suchen, ein höchst lebendiges bild. Der ganze stamm ist in 
grofse, durch Verwandtschaft zusammengehaltene abteilungen 
gegliedert, deren jede bei der späteren landnahme ein ge- 
schlossenes gebiet, einen gau, einnehmen soll und rund tausend 
kampffähige männer mit ihren familien umfafst ; die bewaffneten 
männer ziehen in geschlossenem zuge voran, hinter ihnen die 
herden und die von rindern gezogenen wagen mit der habe 
und den nichtkombattanten ; jede dieser abteilungen ist um- 
geben von einer hundertschaft auserlesener männer, die zu 
rofs den zug umschwärmend die gegend erkunden, vor ge- 
fahren auf der hut sind, etwaigen überfallen eine erste ab- 
wehr leisten, zugleich als polizei in dem zuge selbst mit 
seinen unvermeidlichen Stockungen und Streitigkeiten die 
Ordnung aufrecht erhalten, im falle dauernder niederlassung 
aber innerhalb des gaues bei der landnahme und dem jähr- 
lichen flurwechsel die ackerverlosung an die sippenverbände 
leiten und bei den kleineren rechtsstreitigkeiten als richtende 
behörde entscheiden. Man mag sich denken, dafs schon 
diese älteste hundertschaft in zwei, sich — etwa zu tag- und 

Festschrift. 2 



18 Richard Bethge, 

nachtdienst — ablösende abteilungen von je fünfzig (oder 
sechzig) mann eingeteilt war. 

Es ist nun nicht notwendig, anzunehmen, die einrichtung, 
dafs die mitglieder der elitetruppe im frieden ein richter- 
koUegium bildeten, habe sich tiberall und dauernd erhalten. 
Die anforderungen, welche dauernde niederlassung und feste 
sefshaftigkeit an die richter stellen liefs, konnten, ja mufsten 
andere sein als in der wanderzeit; gereiftes alter, erfahrung 
und besonnenheit mufsten für das amt schätzbarer sein als 
die kriegerischen tugenden, die zur aufnähme in die elite- 
truppe befähigten. Die Verfassung der Sueben, wie sie Cäsar 
schildert, gewährt einen einblick in veränderte Verhältnisse. 
Die agrarische Verfassung und die heeresorganisation er- 
scheinen hier in engster beziehung; jährlich hält jeder gau 
eine tausendschaft aufser landes unter den waffen, um sie im 
nächsten jähre an den pflüg zurückzurufen und eine andere 
tausendschaft zum kriegsdienste zu entsenden. Das im felde 
stehende aufgebet des gaues hat seine elitetruppe bei sich, 
während doch der gau daheim um des flurwechsels und der 
regelmäfsigen feldbestellung willen die richterliche behörde 
nicht entbehren kann; eine Verdoppelung, wenn nicht Ver- 
dreifachung oder vervierfachung der ursprünglichen hundert- 
Schaft — je nach der zahl der Jahrgänge des gauaufgebots — 
scheint also vorzuliegen. Nun ist es ja möglich, dafs bei der 
richterlichen hundertschaft der militärische charakter nur 
latent geworden war, aber wieder aktuell wurde, wenn beim 
Jahreswechsel ein neuer Jahrgang ins feld rückte und sie 
diesen als elitekorps begleitete, während das mit dem früheren 
jahrgange heimkehrende elitekorps richterliche funktionen 
antrat. So könnte es vielleicht gewesen sein; es ist aber 
auch denkbar, dafs die ehedem in der einen hundertschaft 
vereinigten militärischen und richterlichen funktionen nun- 
mehr unter zwei verschiedene körperschaften verteilt waren. 
Es lassen sich noch mancherlei möglichkeiten ausdenken, über 
die es jedoch eine sichere entscheidung nicht giebt Das aber 



Die altgermanische hundertschaft. 19 

erscheint uns unabweislich, dafs in der gesteigerten sefshaftig- 
keit, die uns in der agrarischen Verfassung der taciteischen 
zeit entgegentritt, die hundertschaft in ihrem ursprünglichen 
Charakter nicht mehr bewahrt gewesen sein kann, sondern 
einer Spaltung platz gemacht hatte, wie wir sie eben an- 
deuteten. Die auseinanderhaltung der richterlichen und der 
militärischen centeni bei Tacitus beruht also nicht auf mangel- 
hafter kenntnis oder mifsverständnis , sondern entspricht der 
Wirklichkeit einer aus der wanderverfassung doch schon weit 
herausgewachsenen zeit. 



2* 



II. 
i. Zur handschrift des Hildebrandsliedes. 

Von 

^Vilhelm Luft. 



Über die art, in welcher sich die Schreiber unseres liedes 
ihrer aufgäbe entledigt haben, herrscht unter den gelehrten 
kein zweifei, so sehr sie auch sonst in der interpretation dieses 
fragments uneinig sind. Das verfahren der Schreiber war 
höchst mechanisch und sie haben mit grofser nachlässigkeit 
und unsorgfältigkeit das gedieht auf der Vorderseite des ersten 
und rücksei te des letzten blattes des Casseler codex einge- 
tragen. 

Vielleicht geht man aber in dem tadel doch zu weit, und 
ich kann mich dem Verdammungsurteil, das Otto Schroeder 
(symbolae joachimicae 1880) über das mechanische verfahren 
der beiden Schreiber ausspricht, nur zum teil anschliefsen. Zu 
einem sichern und völlig befriedigenden Schlüsse über die art 
der entstehung und niederschrift unseres liedes werden wir 
nie gelangen, und es sollen daher hier nur kurz einige be- 
obachtungen angeführt werden, die sich mir aus der betrachtung 
der handschrift, wie sie Sievers in seinem photographischen 
facsimile (das Hildebrandslied etc. in photogr. facs. von Ed. 
Sievers, Halle 1872) bietet, ergeben haben. Untersucht man 
genau die buchstaben, so scheint mir aus denselben nicht 
hervorzugehen, dafs wir unser lied wirklich zwei Schreibern 



1. Zur handschrift des Hildebrandsliedes. 21 

zu verdanken haben. Über den allgemeinen eindruck der 
schriftzüge wird später gehandelt werden, hier sei nur darauf 
hingewiesen, dafs auch Schroeder auf diesen als beweismittel 
verzichtet. Im einzelnen sind nun auf beiden Seiten die buch- 
fitaben nicht so verschieden, dafs wir zwei Schreiber annehmen 
mtifsten. Schroeder a. a. o. führt als besonders deutlich für 
zwei Schreiber beweisend folgendes an: 

1. (Nach dem vorgange von Sievers.) Bei dem ags. 
zekhen für w ziehe der erste Schreiber den oberen querstrich 
nach aufwärts, der zweite nach abwärts. Es soll zugegeben 
werden, dafs das zeichen mit abwärts gezogenem querstrich 
nur in dem teile vorkommt, der dem zweiten Schreiber zuge- 
wiesen wird. In demselben teile kommt aber auch die form 
mit aufwärts gezogenem Strich in etvin und inwit vor, 
d. h. in dem dritt- und vorletzten werte der zeile 8 des 
l)lattes n. Ich halte es nun für ganz unwahrscheinlich, dafs 
die kraft des zweiten Schreibers so plötzlich erlahmt sein soll, 
d.afs er nicht mehr die drei worte, die zur füUung der zeile 
gehörten, hätte schreiben können. Die übrigen buchstaben 
in diesen Wörtern zeigen auch nicht die geringste Verschieden- 
heit von den übrigen der zeilen 1 — 8 des zweiten blattes. 
Beiden Schreibern ist aber die form mit wagerechtem quer- 
strich gemeinsam. Nun wechselt auch in dem teile, der dem 
ersten Schreiber zugewiesen wird, die form der buchstaben, 
wofür besonders lehrreich das ^a*^ (fast wie ^ti*' geschrieben) 
in zeile 6 ist. Daher scheint mir eine verschiedene form des 
ags. w noch nicht zwei Schreiber zu bedingen. Ebenso wie 
der Schreiber in seinem ersten teile mit den formen der buch- 
staben wechselt und einmal eine singulare form des a schreibt, 
kann er auch in der ganzen handschrift mit den buchstaben- 
formen gewechselt und zweimal (öfter kommt es in dem teile 
des zweiten Schreibers nicht vor) das w mit abwärts gezogenem 
querstrich angewendet haben. Man mufs- hierbei bedenken, 
dafs der erste Schreiber für 34 w?, sieben, oder wenn man das 
fehlen der häkchen über dem zeichen als nachlässigkeit auf- 



22 Wilhelm Luft. 

fassen will, fünf verschiedene formen gebraucht, wobei ich das 
p, das zeile 22 für ags. to verschrieben sein soll, als ein 
solches ags. w auffasse, dessen querstriche nicht gerade, sondern 
rund geraten sind. Der zweite Schreiber hat für sechs to drei 
(zwei) verschiedene formen. 

2. Der zweite Schreiber soll eine verliebe für die runde 
form des d haben. Beide formen, das gerade und runde d 
wechseln aber regellos in beiden teilen. Und dafs zufällig 
das d mit geradem strich bei Schreiber A verhältnismäfsig 
mehr vorkommt als bei £, daraus kann man doch unmöglich 
schliefsen wollen, dafs B für das runde und Ä für das gerade 
d Vorliebe gehabt habe. Die beiden d-formen beweisen nicht 
zwei Schreiber. 

3. Der zweite Schreiber mache das g mit kleinem köpf 
und grofsem geschweiften schwänze. Auch hier weise ich 
eine Verschiedenheit der ersten acht zeilen des zweiten blattes 
von den übrigen ab. Die unterschiede zwischen dem g mit 
kleinem köpf und grofsem schwänz und dem g mit gröfserem 
köpf und kleinerem schwänze sind gar nicht zu fixieren, beide 
formen gehen ineinander über, die grenzen sind fliefsend, und B 
gebraucht ebenso wie A die beiden formen. 

Über den allgemeinen eindruck, den die schriftzüge machen, 
ist folgendes zu bemerken. Augenfällig ist, dafs auf dem 
zweiten blatt die linien enger gezogen sind, und dafs die 
Schrift infolgedessen kleiner und enger wird. Sie gewinnt 
dadurch an Rundung und sie ist auch in den ersten 10 — 12 
Zeilen viel feiner und dünner, als auf dem ersten blatt. Aber 
— und das ist hervorzuheben — sie wird auch nicht nach 
zeile 8 des zweiten blattes, wo der zweite Schreiber aufgehört 
haben soll, plötzlich breiter imd dicker, etwa wie auf blatt I, 
sondern ganz allmählich werden die buchstaben dicker gemalt, 
und erst in den letzten zeilen sind die buchstaben so dick 
geschrieben, wie auf blatt I. Auch dieses bedingt nun nicht 
zwei Schreiber, sondern die erklärung, die Mafsmann ange^ 
deutet hat, besteht mit eben demselben rechte. Der Schreiber 



1. Zur bandschrift des Hildebrandsliedes. 23 

schätzte nach dem letzten wort quad auf blatt I ab, wie 
viel er noch zu schreiben hätte, und bemerkte, dafs er die 
linien enger ziehen müfste, sollte der rest des liedes auf das 
zweite blatt gehen. Der augenschein lehrt, dafs er sich dennoch 
verrechnet hat. Indessen liefert uns dieses gerade den beweis, 
dafs das lied nicht viel länger sein konnte, höchstens vielleicht 
4 — 5 verse. Wäre seine vorläge, falls er eine abschrieb, um 
so viel länger gewesen, dafs er gar nicht daran denken konnte, 
sie auf zwei seiten niederzuschreiben, so hätte er wohl 
schwerlich die linien enger gezogen. Dasselbe gilt natürlich 
auch, wenn er das lied aus dem gedächtnis niederschrieb. 
Jedesfalls mufste er, nachdem er die linien enger gezogen 
hatte, auch die schriftzüge kleiner, mithin feiner und enger 
ziehen. Dabei erlahmte schliefslich seine kraft, und er schrieb 
zum schlufs wieder so dick und fast ebenso grofs wie auf dem 
ersten blatte. 

Ich halte es also durchaus nicht für erwiesen, dafs zwei 
Schreiber unser lied niederschrieben, sondern lasse das gedieht 
von einem Schreiber, und zwar, wie ich glaube, aus dem 
gedächtnis niedergeschrieben werden^). Diesen einen Schreiber 
mufs ich nun auch vor dem Vorwurf allzu grofser nachlässig- 
keit und unsorgfältigkeit in schütz nehmen. Freilich war er 
nicht einer der gebildetsten seiner zeit und in der Orthographie 
war er nicht sehr bewandert. Da er das lied in einem ihm 
fremden dialekt gehört hatte, müssen sich die werte dieses 
dialekts eine seltsame transscription gefallen lassen. Ferner 
mufste ihm das lied aus längst verschollenen zeiten in den 



^) Die annähme einer vorläge ist völlig unnötig zur erklärung der 
Schreibfehler, der metrischen und textlichen Schwierigkeiten. Sie häuft 
zu den vielen Schwierigkeiten, die schon der lösung harren, noch un- 
nötigerweise die, in welchem Verhältnis unsere Abschrift zur vorläge 
steht. Es erhebt sich ja doch gleich die frage, wie diese entstanden 
ist, welchen dialekt sie hatte, ob sich in ihr dieselben lücken befanden 
und andere fragen derart. Wir kommen ebenso weit, wenn wir das uns 
überlieferte als erste aufzeichnung gelten lassen und von einer vorläge 
absehen. 



24 Wilhelm Luft. 

ohren klingen und von der stabreimenden metrik wufste er 
wenig mehr oder nichts. So weit es ihm aber möglich war, 
ging er sorgfältig zu werke. Die schrift erscheint durchaus 
nicht allzu flüchtig und schlecht, und die häufigen korrekturen 
lassen auch nicht gerade auf mangel an Sorgfalt schliefsen. 
Von letzteren will ich zwei lehrreiche hervorheben. Auf blatt 11 
zeile 24 steht: hwerdar sih dero hiuiu hregilo ruomen muotti. 
Hier befindet sich nun zwischen sih und dero oberhalb der 
linie ein wagerechter strich mit einem punkt darüber (— ), 
und ebenso zwischen hiutu und hregilo. Dies soll natürlich 
andeuten, dafs hiutu zwischen sih und dero stehen soll, und 
dafs dies so sein mufs, lehrt uns das metrum und die not- 
wendige Wortfolge. Eine zweite Verbesserung lehrt uns, dafs 
der Schreiber die Wörter auch nicht sinnlos trennte, oder 
zusammenzog. Ich kann hier dem diplomatischen abdruck 
in MüUenhofis sprachproben den Vorwurf nicht ersparen, dafs 
er bei den trennungen und zusammenrückungen der buch; 
Stäben ziemlich willkührlich verfahren ist. Meine Unter- 
suchungen, namentlich die messungen der zwischenstände, 
haben mich dahin geführt, dafs nirgend die zusammengehörigen 
buchstaben ungebührlich getrennt und umgekehrt nicht zu- 
sammengehörige vereint sind. Im einzelnen dies nachzuweisen, 
würde hier zu weit führen. Wenn wir von dem nicht ganz 
aufgeklärten unmettirrij das wohl doch in unmet tirri zu 
trennen ist, absehen, so hat unser Schreiber nur einmal die 
Wörter wirklich sinnlos getrennt, nämlich zeile 10, ik mideo 
drewet Hier hat er aber korrigiert, denn über der zeile 
steht zwischen e und o ein schräger strich, der doch wohl 
andeuten soll, dafs o zu dre gehört. Einen unterschied 
übrigens in den Worttrennungen bei dem angeblichen ersten 
und zweiten Schreiber zu konstatieren, was Schroeder a. a. o. 
thut, ist mir nicht gelungen. Als dritter beweis für eine ge- 
wisse Sorgfalt des Schreibers könnten nun noch folgende Ver- 
mutungen gelten, falls sie eine berechtigung für sich in an- 
spruch nehmen dürfen. Es sind in unserm gedichte verschiedene 



1. Zur handschriffc des Hildebrandsliedes. 25 

lücken anzunehmen (vgl. des verf. dissert. „Die entwickelung 
des dialogs im alten Hildebrandsliede**, Berlin 1895, seite 21, 
22, 33 — 35). Nun ist durchaus nicht gesagt, dafs der Schreiber 
die lücken nicht gefühlt hat, und man braucht nur anzunehmen, 
dafs er deshalb weiter schrieb, weil er nicht mehr wufste, wie 
sie auszufüllen waren. Solche kleine lücken natürlich, die 
nur ein wort oder einen halbvers ausmachen und den sinn 
nicht gerade empfindlich schädigen, mag er, da er keine 
ahnung mehr von rhythmik und metrik hatte, nicht be- 
merkt haben. Einige gröfsere aber scheint er gefühlt zu 
haben, und ich glaube aus der handschrift schliefsen zu können, 
dafs er sie auch andeuten wollte. Es ist nämlich noch keine 
erklärung gefunden für die eigentümlichen zeichen und punkte 
am rechten rande des zweiten blattes. Dieselben nur als 
schreibversuche aufzufassen, wäre wohl angängig bei den buch- 
staben am rande des ersten blattes; aber die zeichen am 
rande des zweiten kann ich nicht, wie Schroeder, als solche 
schreibversuche ansehen. Kein geringerer als Lachmann (abh. 
der berl. akad. 1833 p. 134; kl. Schriften 419) lehrt uns, die 
punkte in unserer handschrift mit oflfenem äuge zu betrachten. 
Er begründet darauf sogar eine metrische konjektur zu vers 4 
^^^ g4i¥^tun sih iro stiert ana: y^iro steht zwischen zwei punkten 
und der erste punkt näher als sonst an dem vorhergehenden 
Worte, also wohl nachgetragen, woraus ich schliefse, dafs iro 
nur aus versehen geschrieben war und durch die punkte als ver- 
werflich sollte bezeichnet werden." Auch Grein (das Hildebrands- 
lied p. 33) vermutet, dafs die punkte am rechten rande des 
zweiten blattes etwas andeuten sollen, er meint eine Umstellung. 
Nun scheint es mir auffällig, dafs diese punkte gerade da 
stehen, wo wir eine lücke empfinden, oder eine solche von 
auslegem angenommen wird. Es sind dies folgende stellen: 
1. Braune, MüUenhoff u* a. nehmen vor den werten des 
alten toelaga nu toaltant got (vers 49 Braune) eine lücke an, 
und zweifellos mufs Hadubrand dem alten gelegenheit gegeben 
haben, eine solche klage auszustofsen (vgl. verf. diss. p. 21 



26 Wilhelm Luft. 

und 33). Diese stelle nun befindet sich auf blatt IE zeile 18 
und 14. Am rande dieser beiden zeilen befindet sich nun je 
ein grofser, kräftiger punkt. 

2. Roediger H. Z. 33 und 35, und ihm beistimmend 
O. Schroeder H. Z. 34, nehmen an, die verse 55—^57 (Braune) 
spreche Hadubrand, und sie ergänzen davor ein Haduhrant 
gimähdlta etc. Mag es nun richtig oder falsch seiii, die 
Worte 55 — 57 Hadubrand in den mund zu legen und dem 
entsprechend zu ergänzen, jedenfalls kann diese rede Hilde- 
brands nicht vollständig so gelautet haben, wie wir sie vor 
uns haben (vgl. verf. diss. p. 22 und 34). Wiederum stehen 
nun am rande der handschrift an betreffender stelle, es ist 
blatt n zeile 19, zwei dreieckartige zeichen. 

3. Ferner steht ein grofser punkt zwischen zeile 21 und 
22 von blatt H, der im Sieversschen facsimile allerdings schon 
etwas erloschen aussieht, in dem abdruck aber in Könneckes 
bilderaüas noch deutlich und kräftig zu bemerken ist. Dies 
ist aber die stelle, wo die meisten ausleger die lücke an- 
nehmen, in welcher Hadubrand seinem vater den Vorwurf der 
feigheit macht (vgl. verf. Diss. p. 35). 

Aufser diesen lücken wird keine gröfsere mehr anerkannt. 
Ich vermute also, dafs der Schreiber diese zeichen machte, 
um anzudeuten, dafs ihn an der betreffenden stelle sein ge- 
dächtnis im stiche gelassen habe. Dies ist um so glaublicher, 
als auf dem ersten blatte, in welchem teile des gedichts auch 
wir weniger auszusetzen haben und auch keine gröfsere lücke 
anerkennen, sich kein punkt oder sonstiges zeichen am rande 
befindet*). Dabei bleibt aber eins befremdend. Wenn der 
Schreiber die punkte machte, um lücken seines gedächtnisses 
anzuzeigen, warum kennzeichnete er nicht die wichtigste und 
für die ganze erklärung des gedichts vielleicht die ent- 
scheidendste, nämlich die stelle, in welcher sich Hildebrand zu 



') Ich sehe ab von den buchstaben, die Schroeder richtig ids 
schreibversuqhe deutet. 



J 



2. Zum dialekt des Hildebrandsliedes. 27 

erkennen giebt? Es ist bekannt, dafs über die stelle, wo 
solche Worte gestanden haben könnten, der gröfste streit 
geführt wird (vgl. verf. Diss. passim). Der Schreiber hat 
die lücke nicht angedeutet. Dafs er sie gefühlt hat, glaube 
ich wohl, aber einen plausiblen grund anzugeben, weshalb er 
sie unbezeichnet liefs, vermag ich nicht. Wenn man aber 
bedenkt, dafs diese lücke sich jedenfalls vor vers 46 (Braune) 
befinden mufs, also mindestens 3 — 4 zeilen vor unsern ersten 
Itickenpunkten , so ist vielleicht die Vermutung nicht allzu 
kühn, dafs der Schreiber erst die absieht hatte, die Iticken 
deutlicher anzuzeigen; nachher aber fiel ihm ein, das be- 
quemste hierfür wären punkte, und so zeigte er sie an. Dabei 
hatte er aber schon vergessen, dafs er etwas ausgelassen hatte. 
Letzteres ist nicht unwahrscheinlich, da er alle seine gedanken 
zusammennehmen mufste, um den störrischen, ihm fremden 
dialekt in seine mundart umzugiefsen. 



2. Zum dialekt des Hildebrandsliedes. 

Die ansieht, dafs sich der mischdialekt schon in der 
vorläge befunden habe und dafs der oder die Schreiber, ohne 
sich irgend etwas dabei zu denken, diese unverständlichen 
lautkomplexe abgeschrieben hätten, weise ich entschieden 
zurück ; dafür fehlt jeder erklärungsgrund und jedes analogen. 
Es kann sich nur darum handeln, ob der Schreiber einobd. 
war und eine nd. vorläge abschrieb, oder umgekehrt. Da 
ich nun die vorläge leugne, so stelle ich die frage so: hat 
ein obd. Schreiber ein gehörtes nd. gedieht, oder ein nd. ein 
obd. gedieht niedergeschrieben. Nun haben beide ansichten 
ihre Verteidiger gefunden. Holzmann (Germ. 9, 292) meint, 
unser gedieht sei die abschrift einer bayrischen vorläge, die 
ihrerseits die abschrift einer fränkischen vorläge ist. Soll 



28 Wilhelm Luft. 

hiermit aDgedeutet werden, dafs die Schreiber schon den 
frk.-bayr. dialekt in der vorläge fanden, so scheint mir dies, 
wie oben angedeutet, unglaublich. Grewöhnlich wird Holz- 
manns meinung in der modifizierten form vorgetragen, dafs 
ein nd. Schreiber eine obd. vorläge abschrieb. Kögel hin- 
gegen nimmt (P. G. II 1, 175) MüUenhoffs ansieht aus der 
vorrede zu den denkmälem wieder auf und sucht nachzu- 
weisen, dafs zwei obd. Schreiber eine nd. vorläge abschrieben. 
Die gründe, mit welchen beide ansichten verfochten werden, 
sind im wesentlichen die folgenden: 

Für obd. vorläge und nd. Schreiber sprechen: 

1. Die tt fiir zz^ cc für Kh. Diese U kommen asächs. 
überhaupt nicht vor und der nd. Schreiber schrieb U^ nicht 
wie er gewohnt war, nur ein ^, weil er durch die ze^ hh des 
ahd. veranlafst wurde. 

2. Die endung des nom. neutr. des starken adj. auf -at 
in suasat Solche endung at kennt das as. gar nicht, hier 
ist das neutr. im nom. endungslos. Obd. hingegen heifst es 
suasaz und der sächsische Schreiber schrieb diese form nieder 
nach der gleichung ahd. z = as. t. 

3. Der acc. des reflexivums: sth. Diesen kennt das as. 
nicht und diese form mufs also aus dem obd. stammen. 

4. Die allitteration von rieche zu reecheo. Diese mufs 
aus dem obd. stammen, da das as. noch tir im anlaut er- 
halten hat. 

5. Die kurze und knappe form der darstellung. Dies 
ist nicht as. art. 

[6. Schroeder a. a. o. meint, der reim in vers 15, tni 
zu liuti sei nur obd. möglich, da nur hier die endung des 
nom. pl. i sei. Das ist nicht beweisend, denn obd. konnte 
gar kein reim eintreten, da es hier wifV, nicht tni heifst] 

Dagegen führt nun Koegel für eine nd. vorläge folgen- 
des an: 

1. tt für zZy ce für AA. Ein des Schreibens kundiger 
Sachse hätte nie auf den gedanken kommen können, für ahd 



2. Zum dialekt des Hildebrandsliedes. 29 

gZj hhy tt und cc zu schreiben, da ihm die formen ja auB 
seiner mundart mit einem t resp. c geläufig waren. Einem 
obd. Schreiber hingegen wäre es nicht zu verargen, wenn er 
geglaubt hätte, was in seiner eigenen mundart eg^ hh ge- 
schrieben werde, werde im nd. ttj cc geschrieben. 

2. su(isat Diese form entstand wegen der mechanischen 
gleichsetzung as. t = ahd. 0-^ und das sucls der vorläge ver- 
unstaltete der Schreiber nach dem hd. suasaa zu suctöat. 

3. Der Wortschatz und die phraseologie. Nachdem Lach- 
mann schon gelehrt hatte, dafs die syntax unseres gedichtes 
dem as. näher stehe, als den südlicheren gegenden, sucht 
Kögel nachzuweisen, dafs auch der Wortschatz und die 
phraseologie mehr zum as., weniger zum obd. stimme. Dies 
hat Kögel im einzelnen näher ausgeführt und dies ist für ihn 
der durchschlagende beweis. 

Prüfen wir nun diese gründe. Die erklärung der #, cc 
durch die anhänger der Holzmannschen ansieht hat nichts 
unwahrscheinliches und pafst stets, ob man nun niederschrift 
nach vorläge oder aus dem gedächtnis annimmt. Kögels 
ansieht scheint zwar noch ungezwungener, ist aber meinem 
erachten nach nur möglich bei einer niederschrift aus dem 
gedächtnis. (Letztere leugnet aber Kögel.) Denn hat die 
nd. vorläge ein des Schreibens kundiger Sachse verfafst, so 
hat er doch sicher nur ein t und c geschrieben. Wie kommen 
nun die obd. Schreiber, die doch mechanisch abschrieben, 
dazu, ihre vorläge in dieser weise zu korrigieren? Kögels 
ansieht wäre in diesem punkte einleuchtend, wenn die obd. 
Schreiber diese einfachen t und c in ihren dialekt um- 
geschrieben hätten und dafür js und h gesetzt hätten. Da sie 
aber diese as. formen hatten stehen lassen, so sehe ich keinen 
grund, weshalb sie nicht die einfachen t stehen liefsen. Auch 
bei suasat scheint mir Kögels ansieht bedenklich zu sein. 
Man sieht nicht recht ein, weshalb der schreiber suas zu 
suasat erweitern sollte, da er doch sonst as. formen abschrieb. 
Bei beiden punkten mutet Kögel den schreiben! eine über- 



30 Wilhelm Luft. 2. Zum dialekt des Hildebrandsliedes. 

legung und Sorgfalt zu, die er ihnen sonst abspricht Ich 
halte nun auch den dritten grund der Kögeischen ansieht 
nicht filr beweisend. Kögel hat nachgewiesen^ daüs der wert- 
schätz, syntax und Sprachgebrauch sich eng anschliefst an die 
as. denkmäler. Aber dies beweist doch nichts, da es ein 
schluTs ex süentio ist. Während wir nämlich im as. ein 
grofses stabreimendes epos haben (vom Beowulf sehe ich so- 
gar ab) mit durchgebildeter sjntax, metrik und Wortschatz, 
fehlt uns für das ahd. ein solches. Hier sind wir nur an- 
gewiesen auf unser gedieht und das muspilli, beides nur 
trümmerhafte fragmente. Die ahd. gedichte mit endreim, 
also namentlich Otfrid, und die ahd. prosa dtlrfen doch nicht 
zu einer vergleichung herangezogen werden. Namentlich die 
reimenden gedichte erfordern eine ganz andere behandlung des 
Sprachgebrauchs, und daher darf man eine Übereinstimmung 
zwischen einem agerm. heldenlied in stabreimender form und 
einem christlichen reimepos, das gerade die demente des 
kriegerischen heldenliedes zu meiden sucht, nicht durchaus 
fordern. Kögels ausfiihrungen hätten gewicht, wenn wir auch 
gröfsere ahd. stabreimende epen hätten. 

Ich glaube daher, dafs wir wieder zu der alten ansieht 
zurückkehren müssen, dafs nämlich ein nd. Schreiber ein obd. 
gedieht — wie ich meine, aus dem gedächtnis — nieder- 
geschrieben hat. Die punkte 1 — 4, die ich seite 27 als 
stütze der Holzmannschen auffassung angeführt habe, sind für 
mich beweisend. 



III. 

Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 

(Ms. Genn. fol. 923.) 
Von 

Willy Scheel. 



Die Sammelmappe deutscher fragmente auf der kgl. biblio- 
thek zu Berlin (Ms. Germ. fol. 923), in der im vorigen jähre 
E. Steinmeyer das Wigaloisbruchstück e entdeckte, soll der 
gegenständ der folgenden Zusammenstellung sein. Bietet auch 
eine derartige Sammelstelle vom bibliothekarischen Standpunkte 
aus grofse vorteile, so ist doch der benutzer, der den bestand 
der mappe kontrollieren will, gezwungen, sämtliche fragmente 
der in frage kommenden Schriftsteller durchzuarbeiten, ehe er 
das bekannt- oder nichtbekanntsein auch nur eines einzigen 
behaupten kann, zumal wenn nur die wenigsten bruchstücke 
genau bezeichnet sind ; ja die benutzung wird nun noch dadurch 
erschwert, dafs diejenigen, die äufserlich bestimmt sind, des 
öfteren irrtümlich falschen autoren zugewiesen wurden: so ist 
z. b. ein blatt aus Konrad von Wtirzburg dem Heinrich von 
Freiberg, eins aus dem Passional dem Wolfram von Eschen- 
bach, eins aus Rudolf von Ems dem Jans Enenkel beigelegt; 
andere trugen überhaupt keine bezeichnung, so eins aus dem 
Garel, eins aus dem Wilhelm von Osterreich des Johann von 
Würzburg, mehrere aus dem Parzival, das lang vermifste bruch- 



32 Willy Scheel. 

stück der kröne, auf das schon Steinmeyer, Z.d.A. 37, 235 anm., 
aufmerksam gemacht hat, sowie noch viele andere, die ich 
nicht alle aufzählen will. Es war also ein gang durch die 
ganze mhd. litteratur, den ich habe anstellen müssen, um alle 
diese gröfseren und kleineren stücke genau nachzuweisen und 
festzulegen. - War aber auch der weg mühsam, so wurde ich 
durch die freude belohnt, werte und sätze der blätter und 
blättchen, die zuerst in die seele des lesers fallen, wie verlorne 
noten einer fernen musik, die der wind heranträgt (um mit 
Freytag zu reden), mit glücklichem griff dann dem richtigen 
autor zugewiesen zu sehen. 

VervoUkonminet ja doch jedes, auch das kleinste bruch- 
stück einer unbekannten hs. das bild, das wir uns von der 
Verbreitung und beliebtheit der alten Schriftsteller zu machen 
haben. — Die leser der nachfolgenden katalogisierung werden 
nun freilich viele alte bekannte wiederfinden; doch habe ich 
auch diese neben den noch unbekannten bruchstücken ^) des- 
halb wiederholt, um eine übersieht über den ganzen inhalt 
der mappe, wie er jetzt vorliegt, zu geben: so wird die be- 
nutzung wesentlich vereinfacht werden und die in zukunft neu 
hinzukommenden stücke leicht aufzufinden sein. Den schlufs 
soll der abdruck einiger der noch unbekannten fragmente 
bilden. 

1. Lehren des Aristoteles. 

Zwei pergamentblätter des 13. Jahrhunderts in fol., dreispaltig 
mit 40 Zeilen auf der kolumne; oben und unten beschnitten 



^) Ich habe im folgenden bei den unbekannten bruchstücken oder 
denen, die bis jetzt ungedruckten gedieh ten angehören, jedesmal 
anfangs- und schlufsverse der spalte angegeben, um ein genaues bild 
des uns erhaltenen zu bieten. Mit A, ß, C bezeichne ich die selten, 
a, b, c die spalten, mit 1, 2, 3 die blätter; .... zeigen an, dafs der text 
vollständig unlesbar ist, : bezeichnet den räum für einen nicht erkenn- 
baren buchstaben. Initialen nenne ich der kürze wegen die anfangs- 
buchstaben eines abschnittes, anfangsbuchstaben schlechthin die einer 
zeile. Die übrigen kürzungen sind an sich verständlich. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 33 

und durch umknicken beschädigt. Über andere hss. vgl. 
V. d. Hagen, Lit. grundrifs zur geschichte der deutschen 
poesie (1812), s. 395, und Hoffmann von Fallersleben , Ver- 
zeichnis der Wiener altdeutschen hss., s. 205. Ermittelt durch 
Moritz Haupt. 

Erhalten sind: 

Blatt 1 A a beg. uch ist al dor cm gelegen 

sohl, lon des hemils :mme vart 
b beg. Hie ml ich äbe hrechin 

schl. adif^: sin der vromeit tut 
c beg. Das hlut sich denne tzu guset 

schl. Wen in des heisin svmirs vrist 
B a beg. Dor nach trit der wintir vn 

schl. vnde swigende cibir gen 
b beg. Idoch ml ich sagen hie 

sohl. Das sie die lute machin wo 
c beg. Noch is virmangirhande craft 

schl. Das die prophetin wurden ge 

Blatt 2 C a beg. An alle artzedien 

schl. Das ouch das hertze wirt vro 
b beg. Dor nach ein des 

schl. [unleserlich] 
c beg. Die da tzusamene quamen 

schl. Die ir der hoeste erhere got gi.... 
Da beg. Wen man vindet manigen man 

schl. Die wile is lehit einen tag 
b beg. Ein andirn lichte er geberit 

schl. An alle 

c beg. Der pr:: e w::: 

schl. Als ich schrihe dinen gewalden. 



2. Barlaam und Josafat. 

Ein pergamentstreifen aus einem doppelblatte aus der mitte 
des 13. Jahrhunderts in 8**, zweispaltig, 12 reihen jeder spalte 
nur erhalfen ; beide selten sind stark abgerieben ; die initialen 
sind rot, die anfangsbuchstaben jeder zeile auffälllig weit ab- 
gerückt. Das blatt stammt aus Pfeiffers besitz, der es auch 
in den sitzungs - berichten der Wiener akademie 41 (1863), 
s. 313 ff. (in forschung und kritik auf dem gebiete des deut- 

Festschrift. 3 



34 Wülj ScheeL 

sehen altertums) abgedruckt hat. Es gehört zu der dritten 
bearbeitung der erzählung von Barlaam und Josaphat, die 
neben dem gedieht von Rudolf von Ems und dem sogenannten 
Laubacher ^) Barlaam des bischofs Otto und zwar noch im 
13. Jahrhundert in Bayern entstanden ist Nicht nur zu der- 
selben bearbeitung, sondern sogar, wie Pfeiffer a. a. o. s. 313 
bis 314 an der Schreibung der eigennamen und handhabung 
des circumflexes nachweist, zu derselben hs. gehört auch das 
fragment der wasserkirchbibliothek zu Zürich, c. 79c, das eben- 
falls Pfeiffer in der Z.f.d.a. 1, 127—135 mitgeteilt hat. 
Erhalten sind: 

Blatt 1 
Aa heg. Daz wizee chtmic Avennir :^Rud.v.Ems 223, 31 (Pfeifer). 

schl. Doch zoch in dwgewofiheittcider= „ „ „ 223, 6. 

b heg. Diz ist mines herzen rat = ^ ^ ^ 223, 32. 

schl. Wan ich an in gdvbet hon = ^ „ „ 224, 2— 4(?). 

B a heg. Nv wart dem hvnige bereit = „ „ „ 225, 9. 

schl. : : ^) lat noch hivte tcisen sich = ^ ^ ^ 225, 34 (?). 

b beg. Josafat verirret sin = ^ ^ ^ 226, 1. 

scU. Vn aUe die iv möge sini = ^ ^ ^ 226, 16. 

Blatt 2 
C a beg. Den voglin vn dem wilde 

schl. Dar in daz er wände daz der eilt 
b beg. Die alle gerne wolden sehen = „ ^ ^ 229, 36. 
schl. Geswachet vn Josafat 
T> SL beg. Den sin ivnger verriet = ^ ^ „ 231, 21. 

schl. [Si h\egvnden michd frevd han 
b beg. Vil gar svnders aUe were = ^ ^ ^ vor 236, 27. 
schl. Wan wir wol se: en^) vmbe gan= „ „ „ nach 236, 37. 



^) Benecke in den Gott. gel. anz. 1820 stück 34; wieder abgedruckt 
Z. f. d. a. 2, 361 — 362 ; L. Diefenbach , Mitteilungen über eine noch un- 
gedruckte mhd. bearbeitung des Barlaam und Josaphat aus einer hs. 
der gräfl. bibliothek zu Solms-Laubach. Giefsen 1836 (sehr unvoll- 
ständiger bericht). Vgl. auch E. Kuhn, Abh. der Bayer, akademie 
XX, 1 (1893) s. 1 ff. 

2) Er Pfeiffer. 

') sehen Pfeiffer. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 35 

3. Kleine Erzätalungren. 

Ein verstümmeltes doppelblatt des 14. Jahrhunderts in 4®, 
zweispaltig, die spalte zu 28 zeilen. Seite C D ist um eine 
spalte beschnitten , die eine seite ist mit roter färbe überzogen ; 
eine über das ganze fragment laufende blinde Unie zeigt, 
dass es als einband eines 8 ^-bandes gedient hat. — J. Zacher 
hat es 1858 von einem antiquar erhalten; es soll aus einer, 
im 17. Jahrhundert gedruckten Eislebischen chronik abgelöst 
sein. Zacher hat es in der Z. f. d. a. 13, 1 — 7 diplomatisch ge- 
treu abgedruckt. 

Der text behandelt: 

1. Christi ritterschaft (?) = spalte 1 . 2. 3 (Zacher). 

2. Das wachtelmaere = „ 8. 4. 

8. Das rädlein v. Johannes v. Freiberg = „ 5. 6. (7. 8). 

4. Gottfried von Stpafsburg:, Tristan. 

Ein pergamentdoppelblatt des 18. Jahrhunderts in 4^, je 41, 
nicht 42 zeilen (Docen) auf zwei spalten. Der rücken des ehe- 
maligen bucheinbandes zeigt heftlöcher, auf der Innenseite steht 
Hirtz I wyl | Anger oder Unger. Die initialen sind rot, 
die anfangsbuchstaben kleinerer abschnitte herausgerückt, 
doch ohne rot&rbung. Das bruchstück ist bei Docen, Mis- 
cellaneen 2 (1807), s. 110 bis 111, und Mafsmann (ausgäbe 
s. 591) besprochen. Mafsmann nennt es D (Oberlinsches 
bruchstück). Zwischen den beiden blättern sind 657 verse, 
also 4 X 164 -f- 1 vers ausgefallen, was dem Inhalt von zwei 
doppelblättern entsprechen würde. 

Erhalten sind: 

Blatt 1 Aa 10 614—10 653 (Bechstein) 
b 10 654—10 694 
Ba 10 695—10 735 
b 10 736—10 776. 

3* 



36 Willy Scheel. 

Blatt 2 Ca 11434-11473 

b 11474--11514 

Da 11515—11555 

b 11556—11596. 



6. Gottfried von Strafsburg:, Tristan. 

Ein fragment eines pergamentblattes des 13. Jahrhunderts 
in 8 ^, ursprünglich zweispaltig, 28 — 29 zeilen auf der spalte er- 
halten; schönes, zierliches Exemplar mit reichen zweifarbigen 
initialen auf seite A b und B b. Abgedruckt mit der vers- 
bezeichnung aus v. d. Hagens ausgäbe (1, 115) von Büsching 
in der Leipziger litteraturzeitung 1826, nr. 98 (april), s. 779 
bis 781 (nicht ganz genau); in Goedekes mittelalter, s. 818 
mit nr. 11 bezeichnet. 
Erhalten sind: 

Aa 8327—8354 (Bechstein) 

b 8359—8387 
Ba 8391—8424 
b 8429—8456. 
Vers 8355—58, 8388—90, 8425—28 sind fortgeschnitten, 
8457 nicht mehr zu lesen. Es fehlen 8397—8400 und 8413 
bis 14 (Bechstein). 

6. Gregrorius Magrnus, Dialogrl. 

Zwei pergamentblätter , nicht zusammenhängend, des 
15. Jahrhunderts in 8^; zweispaltig mit c. 26 zeilen auf der 
kolumne, am inneren rande beschädigt, daher vielfach unlesbar ; 
die blätter waren als bucheinband benutzt; es sind spuren 
eines rückentitels M zu sehen. Die grofsen anfangsbuchstaben 
sind rot getupft. Die spräche ist niederrheinisch, gegend von 
Köln, und weist ebenfalls ins 15. Jahrhundert. Der text ist 
eine verkürzende Übersetzung der dialoge Gregors des Grofsen, 
vielleicht auch eine aus den dialogen schöpfende reihe geist- 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 37 

lieber erzählungen mit dogmatiseher tendenz gewesen, die um 
die mitte des 15. Jahrhunderts in der gegend von Köln auf- 
gezeichnet worden sind. Die eigenartigkeit der Übersetzung 
ist bei einem vergleich mit der ersten ausgäbe einer voll- 
fitändigen Verdeutschung der dialoge (Augsburg 1473), die 
allem anschein nach jünger ist, deutlich zu sehen. Erhalten 
sind stücke aus den dialogi 4, 36 und 38 (Migne 77, s. 382 
und 394). Der text soll unten abgedruckt werden. Bisher 
unbekannt. 

7. Hartmann von Aue, Der arme Heinpicli. 

Vier pergamentstreifen des 13./14. Jahrhunderts; die hs. 
war ursprünglich in klein 8^ — nach Pfeiffer standen 21 — 22 
Zeilen mit 29 — 30 versen auf der seite — und einspaltig. Die 
verse waren nicht abgesetzt. Die beiden gröfseren streifen 
(1 und 3) sind aus der mitte zweier verschiedener blätter ge- 
schnitten, die kleineren (2 und 4) gehören dem unteren rande 
derselben blätter an. Sie sind von Jodok Stülz zu St. Florian 
von einem hsdeckel abgelöst und an Pfeiffer übersandt worden, 
der die an sich schon nicht gut erhaltenen Stückchen mit rea- 
gentien- behandelte, so dass sie jetzt einen traurigen anblick 
gewähren. Sie sind abgedruckt und eingehend behandelt von 
Pfeiffer in der Germ. 3, 347—350 und von F. Kocian, Die 
bedeutung der überarbeiteten hss. B a und B b und der 
St. Florianer bruchstücke für den text des armen Heinrich 
(1878). 

1 * beg. vn lerne lip vf & erde ... 7 zeil. = Haupt-Marlia v. 646 — 662 ff. 

2 * „ ioesen gvt . so scholt dv rede 

vn den mvt 1 zeile= „ „ nach 662 

1^ „ sele vn einen sehonen lip,.. 7 zQil.= „ „ 671 — 680 

2^ „ in minen ivngen tagen,.. 1 zeile= „ „ 694 — 695 

8* „ wen sie ich ee vil... 7 zeil. = „ „ 827—838 

4* „ d' tot geschiht.... 2 „ = „ „ 850— 852 fg. 

8^ \ nur einzelne werte jetzt noch 7 „ = „ „ 860 — 871 

4^/ lesbar 2 „ = „ „ 885—888 

In demselben couvert liegen noch traurige, arg verstümmelte 

reste, soviel ich sehe, von zwei verschiedenen hss.: 



38 Willy Scheel. 

1) aus einer hs. geistlichen Inhalts: ein gespräch zwischen 
Jesus und Petrus ist zu erkennen, 

2) aus einer zweiten hs., die zum t^il gar nicht oder sehr 
schwer lesbar sind. 

Ich konnte ihre Zugehörigkeit nicht feststellen. 



8. Heinrich Hesler, OfiTenbarungr Johannis. 

Ein pergamentdoppelblatt aus dem anfange des 14. Jahr- 
hunderts in fol. zu 36 (— 37) + 2 ( — 4) zeilen auf der spalte, 
zweispaltig. Blatt 1 ist an der rechten seite beschnitten und 
hat die untere rechte ecke verloren, blatt 2 hat einige löcher. 
Seite B oben stehen die worte Sbeicus (?) q' nö sedetur i morte 

secüda; auf seite C lesen wir das wort: Akten ; die 

blätter sind also als aktendeckel verwandt worden. An den 
rand von seite C hat eine band des 17. Jahrhunderts ge- 
schrieben: Beati qui in Domino omnesque . .; 

darunter steht die Rechnung: 9—26 

3—26 



6—0 

Die anfangsbuchstaben jeder zeile sind etwas heraus- 
gerückt und stehen zwischen senkrechten linien ; die abschnitts- 
initialen wechseln mit rot und blau und reichen über zwei 
Zeilen fort. Fast nach jeder zeile steht ein punkt. 

Das firagment stammt aus Pfeiffers nachlafs und ist in 
unserer mappe, wie eine bleistiftnotiz zeigt, durch Edward 
Schroeder erkannt worden. Es ist abgedruckt in Pfeiffer» 
Altdeutschem Übungsbuch (1866), s. 23 ff. Dort ist nach er- 
neuter koUation folgendes zu lesen: bl. 1* (Pfeiffer) [seite A]^ 
1 (mticriste; 31 nuwet\ blatt 2* (seite C), 24 von vns, 

9. Helnpleti v. d. Tüplln, Der Abenteuer Krone. 

Ein pergamentblatt des ausgehenden 13. Jahrhunderts — 
Scholl setzt es in seiner ausgäbe s. IX ins 14. oder 15. jähr- 



Die Berliner Sammelmappe deutscher Fragmente. 39 

hundert — in 8® mit ungefähr 34 zeilen, zweispaltig. Der 
text ist oben und unten durch beschneiden um 6 — 8 zeilen 
gekürzt. Trotzdem ist das blatt sonst vorzüglich erhalten; 
die hs. gehörte, wie auch Hoflfmann sagt, zu niedlichen oder 
mittleren, nicht zu den kostbaren. Die initiale ist zweifarbig 
sehr kunstvoll ausgemalt (Aa); kleinere initialen Ab undBa 
wechseln mit rot und blau ab; die anfangsbuchstaben der 
zeile sind etwas abgerückt. Das fragment ist, wie der jetzt 
geglättete knick zeigt, als büchereinband eines 8 **-bandes ver- 
wandt gewesen. — Auf seite A unten findet sich die notiz: 
Fried. Karl Köpke. Ex bibliotheca avunculi dedum defuncti 
V. M. Rev. Dietr. Bonhöferi Pastoris Xenodoch. 1813. 

Unser fragment G ist bereits von Gräter in den litterarischen 
beilagen zu Idunna und Hermode, nr. 12 — 13, dann aufs neue 
von Hoffmann in den Altdeutschen blättern 2, 155, jedoch 
ohne angäbe des auf bewahrungsortes, abgedruckt worden ; auch 
Scholl in seiner ausgäbe, s. IX, und Reissenberger, Zur kröne 
Heinrichs v. d. Türlln (1879), s. 3 kennen ihn nicht; erst 
Steinmeyer hat 1893 in der Z. f. d. a. 37, 235 anm. auf unsere 
mappe hingewiesen. 

Erhalten sind: Aa 3122— 3148 (Scholl) 

Ab 3155—3186 
Ba 3193—3224 
Bb 3232—3262. 

Das bruchstück stammt ebenso wie ein in der Germ. 31, 
116 — 117 abgedrucktes aus Schwäbisch-Hall , woher wir viel- 
leicht noch mehr reste dieser reizenden hs. erwarten dürfen. 



lO. Hugro von Tplmbepgr, Der Renner. 

Zwei einzelne blätter einer papierhs. des 15. Jahrhunderts, 
die in 91 abschnitten, und zwar abweichend von den in der 
Bamberger ausgäbe von 1832 mitgeteilten, eine inhaltsangabe 
des „Renners** enthalten. Daneben stehen in roter färbe die 
zahlen von I bis CCCLXXXXVI. Die einteilung der hs. ist 



40 WiUy Scheel. 

insofern sehr interessant, als sie nach distinctiones gegeben 
ist: damit tritt sie zu der Berliner papierhs. (15. jahrh. foL 
398 bll.) in ein nahes Verhältnis (vgl. Wölfel, Untersuchungen 
über Hugo vonTrimberg und seinen Renner, Z. f. d. a. 28, 145 flF., 
bes. 188 f.), die die hauptrepräsentantin der hss.-gruppe ist, 
welche die distinktionenzählung anwendet. Ob unser fragment 
in irgend einer beziehung zu der papierhs. des 15. Jahrhunderts 
steht, aus der V. E. Mourek in den Sitzungsberichten der k. 
böhmischen gesellschaft der wiss. in Prag 1893 639 verse ab- 
gedruckt hat, vermag ich nicht zu sagen, da mir Moureks ab- 
handlung nicht zugänglich war. 

Die blätter waren bis jetzt unbenutzt; ich gebe daher 
unten einen abdruck. 



11. Johann von VTüpzbupg", Wilhelm von Österreich. 

Ein doppelblatt und ein pergamentblatt des 13./14. Jahr- 
hunderts in 8®, zweispaltig mit 34 Zeilen auf der spalte; 
initialen und anfangsbuchstaben sind rot getupft; ein rotes cX 
bezeichnet den beginn eines abschnittes; keine kapitelüber- 
Schriften (wie sie z. b. die Liegnitzer hs. hat). Ab ist unten 
fast ganz verlöscht und abgerieben, daher nur teilweise lesbar. 
C b zeigt ein loch und einrisse am unteren rande. Die Innen- 
seiten sind vorzüglich zu lesen ; dagegen sind D a und b zur 
hälfte vollständig abgerieben und unlesbar. Das einzelblatt 
zeigt auf beiden Seiten grofse braune flecken, die oft die schrift 
tiberdecken. Zu bemerken ist, dafs die buchstaben t und c 
sehr ähnlich aussehen. — Die spräche der blätter ist nieder- 
rheinisch: dafür sprechen formen wie wdl, van; hait; sag 
(= sach); niemenj lieben (= e); magit, genesin; die, de (= der^ 
die); tce = wer; is = ist; der suzeer schin u. a. m. — Zur 
beurteilung der hs. und ihres wertes dienen vers 336. 339. 
385. — Die blätter sind bis jetzt unbekannt; unten folgt ein 
abdruck. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 41 

12. Kalserchronik. 

Ein pergamentblatt des 18. Jahrhunderts in gr. 4^, zwei- 
spaltig mit 29 Zeilen auf der kolumne, zusammen 116 verse, 
gedruckt von Heinze in Gräters Idunna und Hermode 1812, 
nr. 36, s. 143 — 144, von Schroeder (Monum. Germ. hist. 
Deutsche Chroniken 1, 1. 1892, s. 21) als nr. 20 angeführt 
Der text bietet manche selbständige abweichungen (11480. 81); 
er gehört zur redaktion B; die spräche ist oberdeutsch, ohne 
jüngere diphthongierungen. Das fragment stammt aus der 
bibliothek der Annenkirche zu Neifse. 

Erhalten sind : A a 1 1 895— 1 1 428 

b 11424r-11452 
Ba 11458—11485 
b 11486—11514. 
V. 11468. 469 fehlen. 

Die Schrift ist ungemein deutlich ; der platz für gröfsere, 
über zwei zeilen reichende initialen ist freigelassen und der 
jedesmal auf die initiale folgende vers infolgedessen etwas 
eingerückt. 

13. Konrad von Fufsesbriinnen, Kindheit Jesu. 

Ein pergamentblatt des angehenden 14. Jahrhunderts in 
fol., ursprünglich zweispaltig zu 52 zeilen ; auf seite A ist die 
zweite spalte vollständig fortgeschnitten, auf seite B sind die 
initialen derselben sowie spärliche reste der anfangsbuchstaben 
noch zu erkennen. Die initialen sind bei jedem zweiten verse 
ausgemalt, die grofsen anfangsbuchstaben abwechselnd rot und 
blau. Die zweiten verse sind eingerückt. 

Erhalten sind : Vers 2227—2840 (nicht 2880, wie gewöhn- 
lich angegeben ist) ; sie wurden von Dronke in Mones anzeiger 
8, 200 — 208 ohne angäbe der Zugehörigkeit veröflFentlicht. In 
Kochendörflfers ausgäbe [Quellen und forschungen 48 (1881)] 
ist das fragment mit E bezeichnet. 

Es fallen auf seite A vers 2227—2278 

B vers 2279—2840. 



42 Willy Scheel. 

14. Konrad von 'Wüpzbupg', Trojanerkriegr. 

Ein kleiner pergamentstreifen, aus einem doppelblatt 
herausgeschnitten, aus dem 14. Jahrhundert, ursprünglich in 4 ®, 
zweispaltig ; auf dem ersten blatt sind sieben zeilen jeder spalte^ 
auf dem angebogenen blattrestchen nur drei bis vier zeilen 
einer spalte erhalten ; die hs. hatte 40 zeilen auf der kolumne. 
Die anfangsbuchstaben jeder zeile sind rot getupft. Das frag- 
ment stammt aus dem Cisterzienserkloster Camenz in Schlesien 
und ist von Gräter in Idunna und Hermode 1813^ s. 22 f. 
ohne Verfasserangabe veröffentlicht und erst von Bartsch in 
der Germ. 27, 127 als Konrads dichtung angesprochen worden. 
Merkwürdig ist, dafs weder er noch Gräter das angebogene 
restchen von drei bis vier zeilen (wir würden es mit C a und 
Db bezeichnen) mit keinem werte erwähnt hat; sie scheinen 
also beide das fragment nicht selbst gesehen zu haben. Für 
Bartsch geht dies übrigens schon daraus hervor, dafs er Gräters 
sehr fehlerhaft geschriebenen text mit konjekturen zu bessern 
versucht, die, wie sich bei der nachprüfung ergab, fast immer 
das richtige getroffen hatten. 
Erhalten sind: 
1. Blatt Aa 22 356—362 (Bartsch) 
b 22 396—402 
Ba 22 435—442 
b 22 476—482 

C a beg. im 

ob ir durh ivwers z . . . . 
D b beg. . . n I . . tan | . . . cÄ mit sfce wem 
Die reste von C und D haben* nicht nachgewiesen werden 
können. 

15. Passlonal. 

Ein pergamentdoppelblatt des 14. Jahrhunderts in fol., 
dreispaltig, mit 50 zeilen auf der spalte, als bucheinband be- 
nutzt, wie an der mit weifser färbe geschriebenen 421 auf dem 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 43^ 

rücken zu erkennen ist. Die initialen sind kräftig geformt^ 
abwechselnd rot und blau; die vorgezogenen linien sind deut- 
lich zu sehen. Das fragment ist durch M. Haupt erkannt 
und bestimmt worden. 
Es enthält: 

Blatt 1 A a 507, 9—12 + 36 verse; 507, 13—22 (Köpke) 
b 507, 23. 24 + 2 verse; 507, 25—70 
c 507, 71—508, 22 
Ba 508, 23—508, 72 
b 508, 73—509, 26 
c 509, 27—509, 76. 
Blatt 2 Ca 516, 1 —516, 50 
b 516, 51—517, 4 
c 517, 5 —517, 54 
Da 517, 55-518, 6 
b 518, 7 -518, 56 
c 518, 57—519, 10. 
Vielleicht aus derselben hs. stammt das bei Köpke (aus- 
gäbe 1852, 8. XIV) erwähnte pergamentblatt , das s. 509, 89 
bis 512, 3 entspricht, also das eine blatt des zwischen unserem 
509, 76 und 516, 1 fehlenden doppelblattes sein könnte. Unser 
fragment ist bis jetzt noch nicht benutzt worden; ich gebe 
daher eine koUation: 

507, 11 in hie; nach 12 

13* daz in eu^) leide steiget sich 

m wol weiz ouch ich 
15* wi daz selbe smecket 

Swi ez mich dicke recket 

Leider vf ein vngeduU 

Idoch ist di sdhe schvlt 

von vnvollenkvmenhcit. 
20* Ich weiz des eine warheit 

daz beide stein vn hoUz 

Behidde manige blum stoUz 

vnder in . di svs verwett 
als sich dar in ein wint sehnt 

^) Vor zu ist ein l schattenhaft sichtbar; vielleicht wollte der 
Schreiber erst zum folgenden leide ansetzen. 



44 Willy Scheel. 

25* Oh mich gemein di lute 

wolden loben hüte 

Ich dechte ouch licht es ist alwar 

Nv sol mich goteldb her vn dar 

Drucken mit vnvugen 
30* Der haz an vil genvgen 

Ez si mir leit oder lieb 

Ich sal doch svmelichen dieb 

haben . der min ere 

Mir Stele vollen sere 
35* rf daz ich so bekenne 

Durch waz vn wenne 

Ich mich v^heben svle an mir 

Durch got erveUet vwer gir 

vn setzet mir dran manigs kegel 
40* m reiniget daz körn ei vlegel 

vn daz gadem ein rute 

daz golt in vuw's glute 

daz sieche ouch &i puluer stoub 

Svs nimt ouch w'lich vrhub 
45* Genvger seien vnvlat 

Di man mit itemze twat^) 

vn wil mit after&prache widen 

wol si di ez hant geliden 

vn dran di räche vermiden 

14 ouch geniden. Nach 24 vn er des nicht v'mochte Stva zv er nicht 
iochte 80 hie gienc im abe 43 tvgenthafler 52 in 59 sie fehlt 70 dit 
71 erdacht 75 gestvnt 79 dachte 80 zv der 508, 7 danne 31 irrat (?) 

42 in nu 4A nicht da vät 53 Immer slu^ er 61 vf blozer 63 Dem heiligen 
dem 87 v^spreit 89 Dit machte 509, 7 dit 8 dit 22 an 70 mochte schrien 
75 dit 516, 11 eteliche 13. 14 sind umgestellt 63 an Worten 68 dit 
50 blozlich di wort 90 sl gut 517, 7 wil 21 fehlt er 31 fehlt im 

43 dit 44 eime semftem 48 dit; an tm fehlt; im nach er ist ausradiert — 
vntz im also 50 wart do 65 offenlich sin 66 schände (!) 67 dit 75 woMe 
ot Sl in gcmtze 51S, 11 warmem 20 dit schimpfen gutlich er (^^^ S) 21 vn- 
betrvbetem 26 do er ein teil hete 30 seihest 62 vf der straze 11, 79 du 
"94 mit den wart 519, 2 vf der erden 3 in nicht 5 vn so 

Nach den bei Köpke angeführten lesarten läfst sich eine 
nähere zugehörigkeitsbestimmung unserer hs. zu K oder S 
mit gewifsheit nicht geben. 



*) t steht in Basur; lies vat. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 45 

16. Passlonal. 

Ein pergamentblatt aus derselben hs.*) wie das vorher- 
gehende, an der rechten seite etwas und unten um 7 — 8 verse 
beschnitten. Es hat zum einband eines 8^-bandes gedient; 
auf dem mehr vergilbten rtickenteil des ehemaligen einbandes 
steht : Stultifera navis, davon seitlich mit rotstift die zahl 397» 
Erhalten sind : A a 419, 12—419, 53 (Köpke) 

b 419, 61—420, 5 
c 420, 14-420, 54 
Ba 420, 63—421, 4 
b 421, 13—421, 53 
c 421, 62—422, 6. 

Auch dies fragment kannte Köpke noch nicht. 

Kollation: 419, 23 swanne S2 der 4S hin 49 dan 62 wasbesit 
63 toas fehlt 66 volgete [er]; er ist ausradiert. 81 diewint mit Sturmes 
vlagen 83 in grozer vorchte 84 worchte 93 irm (m darübergeschrieben) 

420, 2 dit 23 vil hohgeloheten 24 dit 38 er fehlt 53 Sit 420, 64 ist 
zweimal geschrieben 76 sint es 83 sach corrig. sprach 94 hcUde sich 

421, 21 kante 51 sin fehlt 63 wand sie 64 Di g, 69 da 73. 74 straze : 
saze 86 wisete 95 an miW hat 422, 5 augustines. 

17. Passlonal. 

Ein pergamentdoppelblatt des 14. Jahrhunderts in fol., 
zweispaltig (!) mit 41 zeilen in starker schrift auf der kolumne, 
sodafs auch da, wo die färbe der buchstaben geschwunden 
ist, die lesbarkeit nicht gelitten hat. Es war einbanddecke 
einer biblia s. Sixti Sinensis. Auf dem rücken stehen die 
zahlen 393. 957; ausgestrichen 347. Die blätter sind nach 
aufsen umgeknickt, sodafs blatt 1 das jetzige hinterblatt ist; 
sie bildeten das äufsere blatt eines quaternio. Ihr früherer 
besitzer war Köpke. Die initialen sind zierlich rot und blau 
ausgemalt, die anfangsbuchstaben rot getupft. Der text fällt 
in die geschichte der heiligen Elisabeth und Cäcilie. 



^) Aus der gleichen hs. befinden sich noch andere blätter, wie Edw. 
Schroeder auf dem ümschlagblatte bemerkt hat, in Ms. Germ. fol. 737 
nr. 11 (bruchstück aus Hofimann von Fallerslebens besitz). 



46 Willy Scheel. 

Erhalten sind: 

Blatt 1 A a 625, 29—625, 69 

b 625, 70-626, 13 [625, 84 fehlt] 
Ba 626, 14—626, 54 
b 626, 55-626, 95. 
Blatt 2 C a 637, 23—637, 62 (3) 
b 637, 64—638, 5 (6) 
D a 638, 7 —638, 47 
b 638, 48—638, 88. 
Das fragment ist nicht bekannt; es ist nach einer blei- 
fitiftnotiz fälschlich als Parzival bezeichnet worden. 

Kollation: 625, 35 so fehlt 37 vil vbler .. mü fehlt 39 daz 
ir zu geluckch verschrieben für gelücke doch 45 Vnd .... von domne 46 
auf sey 84 fehlt 86 wie 93 vnd auch 626, 1 die vil 8 auz dem 9 
besülgt 11 chleit 16 Dauon 18 Dei' lovt., do fehlt 59 fwrwa/r 71 
gepete 88 gevienc 91 so groz 92 Do lag 637, 23 vnd ew sein v'weget 
25 nvust 58 gespotter 83 si fehlt 85 Nvrhiew^ der tugend rat 91 dir 
wöl 638, 1 ligestu 4 furwar 20 des wir 26 hesulget (?) 44 hiez 49 
man in da v'zdde. 

18. Der Pleiep, Garel von dem blüenden Tal. 

Von der hs. M(eran) — der Garel ist sonst nur noch in 
einer Linzer papierhs. erhalten — sind acht pergamentdoppel- 
blätter bekannt, von denen Zingerle in den Wiener Sitzungs- 
berichten 1865 1, 449—558 14 blätter, A. Goldbacher in der 
Germ. 8, 89 — 97 zwei diplomatisch beschrieben und abgedruckt 
hat. Letzere beiden befinden sich jetzt in unserer Sammlung; 
es sind nach Walz' benennung die zusammenhängenden blätter 
IX !> und XIII ^ 

Sie stammen aus dem angehenden 14. Jahrhundert^) und 
sind in gr. fol. dreispaltig mit 44—47 zeilen auf der kolumne. 
Die Schrift ist an einigen stellön abgerieben; die gro&en 
initialen sind nur angedeutet, nicht ausgemalt; immer der 
!B weite vers ist eingerückt. 

^) Zingerle und auch Walz (ausgäbe s. XII — XIII), der aber wohl 
die hs. nicht im originale sah, wollen sie eventuell noch ins 13. Jahr- 
hundert rücken. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 47 

Es sind enthalten: 

Blatt 1 Aa 15659—706 (Walz) = 1—48 (GoHludwr) 

b 15707—753 = 49-95 

c 15754-801 = 96—142 

Ba 15801 (!w«imiü g«idiri«l)«i) —846 = 143—188 

b 15847-892 = 189—234 

c 15893—938 = 235—280. 

Blatt 2 Ca 17051—096 = 1—46 

b 17097—142 = 47—92 

c 17143-188 = 93—138 

Da 17189—232 = 139—182 

b 17233—276 = 183—226 

c 17277—320 = 227—270. 



19. Relnmar von Zweter. 

Zwei zusammenhängende pergamentblätter des 14. Jahr- 
hunderts in gr. 4", zweispaltig mit 35 zeilen auf der spalte. 
Nur die Strophen sind abgesetzt; fUr gröfsere initialen ist 
platz gelassen. Von einer band des 16. Jahrhunderts steht in 
grolsen lettern auf seite A : Walshausen vnnd geismar de armo 
1544, Berechennt teu Casseü denn 16. Jftly anno 1545. Der 
bogen stammt vielleicht aus M. Haupts besitz, da er auf dem 
umschlage den Verfasser angemerkt hat. Von Roethe, Die 
gedichte Reinmars von Zweter (1887) s. 142 — 143 als U be- 
zeichnet. 

Erhalten sind: Blatt 1 Aa 21*— 23* (Roethe) 

b 23*— 25* 
Ba 25*-27* 
b 27*— 29*. 

Blatt 2 C a 79*-81* 

b 81*— 83* 

Da 83*— 85* 

b 85*— 87*. 



48 WiUy Scheel. 

20. König Rother. 

Ein blattfragment (oberer teil des blattes) einer pracht- 
vollen hs. des 15. Jahrhunderts in 4®, zweispaltig, mit ur- 
sprünglich 27 Zeilen auf der seite, wovon jetzt nur 18 er- 
halten sind. Die initialen sind rot und blau; längere verse 
sind abgebrochen und durch rote und blaue CK Verweisungen 
hergestellt; solche cX stehen auch am versende. Auf seite A 
steht rechts am rande: Heinrich Glediensis Eüerds(?). Auf 
Seite B ist die spalte b ganz freigelassen ; darauf ist oben von 
einer band des 17. Jahrhunderts ein farbenrezept und im 
19. Jahrhundert die adresse des freiherrn von Arnswaldt in 
Hannover, nach dem das fragment genannt ist und aus dessen 
besitz es stammt, unten notiert worden. Beigelegt ist der 
Originalbrief Beneckes vom 25. Januar 1821 an den freiherrn 
von Arnswaldt. 

Erhalten ist: Aa 5140—5152 (v. Bahder) 

b 5163—5178 
Ba 5187—5201. 



21. Rudolf von Ems, Weltehponlk. 

Ein pergamentblatt des 13./14. Jahrhunderts in 4®, zwei- 
spaltig, mit 39 Zeilen auf der spalte. Die schrift ist sehr gut 
erhalten; auf seite B sind die Knien auffallig hervortretend 
und über den rand hinausgezogen. Initialen sind zweifarbig, 
auch rot und blau wechselnd. — Das fragment ist von Zingerle 
1856 im kloster Stams aufgefunden und vom deckel einer hs. 
des Egidius Romanus von 1350 abgelöst worden. 1867 konnte 
es in Stams nicht mehr gefunden werden; Zingerle hat es 
daher nach seiner abschrift, die nur bis vers 278 reichte, in 
den Wiener Sitzungsberichten bd. 55, s. 640 — 643 publiziert. 
Wie das blatt schliefslich nach Berlin gekommen ist, kann ich 
nicht angeben. Der text entspricht bei Vilmar, Die zwei 
recensionen .... der weltchronik Rudolfs von Ems 1839 : 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 49 

Aa = Vilmar s. 62^ 149—187 
b = 188—226 

B a = 227—265 

b = 266—304. 

Femer ist auch die probe bei Mafsmann, Kaiserchronik 
3, 115* ff., heranzuziehen. 



22. Rudolf von Ems, AVeltchponik. 

Vier pergamentblätter (1, 2 und 3, 4 zusammenhängend) 
des 14. Jahrhunderts in gr. 4®, zweispaltig, mit 39 zeilen in 
der spalte. Seite A und H zeigen leimreste; blatt 1 und 2 
ist stark, 3 weniger durchlöchert. Das fragment stammt aus 
Pfeiffers besitz und ist von ihm in seinem Altdeutschen Übungs- 
buch (1866) s. 52 ff. vollständig abgedruckt. Der text stimmt 
im allgemeinen zu Schütze, Die historischen bücher des alten 
testaments 1. 2. (1779), der die Hamburger hs. abdruckt, hat 
jedoch bisweilen zusatzverse; kapitelüberschriften fehlen unserer 
hs. durchaus. Die blätter sind in der aufschrift des Umschlages 
Jans Enenkel zugewiesen. 



Erhalten sind: 




Blatt 1 


Aa — 


Schütze 1, 81, 32— 82 unten 




b 


83, 1 84, 3 




Ba 


84, 4 85, 9 




b 


85, 10 86, 12. 


Blatt 2 


Ca 


101, 7—105, 17») 




b 


105, 18—106, 24 (i. 2 Zusatnem) 




Da 


106, 25-107, 27 




b 


107, 28 108, 31. 


Blatt 3 


Ea 


169, 1 170, 3 




b 


170, 4 171, 4 



1) Zu 105, 13 — 18 vgl. Vilmar, Die zwei recensioneu . . . der welt- 
chronik Eudolfs von Ems s. 66 V; Mafsmann, Kaiserchronik 3, 184» und 
Z. f. d. phil. 9, 466. 

Festschrift. 4 



50 Willy Scheel. 

Fa 171, 5—172, 9 

b 172, 10-173, 16 

Blatt 4 Ga 180, 1—181, 7 

b 181, 8—182, 10 

Ha 182, 11-183, 13 

b 183, 14—184, 16. 

23. Rudolf von Ems, Weltdiponlk. 

Ein pergamentdoppelblatt des 13. Jahrhunderts in 8^, 
zweispaltig, mit 34 zeilen auf der spalte. Der bogen ist vor- 
züglich erhalten. Die initialen sind rot, die anfangsbuchstaben 
stehen zwischen senkrechten linien und sind nicht gefärbt. 
Der text ist aus 3. Kön. 6 — 10 := 1 Chron. 3 — 9 genommen 
und behandelt Salomos tempelbau, befestigung Jerusalems und 
des landes, sowie die weitere regierung. — Unbekannt. 

Erhalten sind: 

Blatt 1 A a beg. Wie si si machen solden 

schl. Die crone hi den selhB tagen 
b beg. In si/nem lande getragen 
schl. vn nach de willen gottes 
B a beg. an d* lere gottes gehottes 

schl. Mit grozen scharn mit livtB vil 
b beg. Do hiez an dB selben zil 
schl. Gesehen wed^ wip noch man 
Blatt 2 C a beg. Deme an tvisheit man noch wip 

schl. Eine stat div hiez g atzer 
b beg. veste vn riche irkant die er 
schl. Die in sinen iaren 
D a beg. Sin vn an im waren 
schl. Do hat hescheidB alsm 
b beg. D' Mnsteriche Josephus 
schl. äffen vn hei fände. 



24. Rudolf von Ems, Weltcliponik. 

Zwei einzelne pergamentblätter des 14. Jahrhunderts in 
fol. max., zweispaltig, 43 — 44 verse auf der spalte, zusammen 
329 verse. Beide blätter sind oben um 1 — 4 verse beschnitten. 



Die Berliner aammelmappe deutscher fragmente. 51 

Die initialen sind rot und blau, die anfangsbuchstaben in 

senkrechten linien rot getupft. 

Erhalten sind: 

Blatt 1 A a beg. Di kunst h' ym asu lere gap 

sohl. Dctö Kanaan wart genant 
b beg. Von sydon an geararam 

sohl. Das was phcUech vnd iedan (?) 
Ba beg. Als ich ttch bescheiden wü 

schl. DB cewein gesiechte waa ey wicht 

b beg. Iedan (?) wart czu tz 

schl. Kome vn\i::: äüc ,. 

Blatt 2 A a beg. Wen di was di erste (= Zingerle v. 23) 
seid. Lute namen vnde lant (= Zingerle v. 63) 
b beg. G:e: ir nid* grozvn (?) asya (= Zingerle v. 70) 
schl. Nymat dor ynne mag genest/n (== Zingerle v. 1 1 1) 
B a beg. V :::: sv:: ie ins sint gelegen 

schl m vn sehinczig ecke wag 

b beg. Das vumfczene kvnne schar 
schl. Woren di gesiechte gar 

Unbekannt. — Der text behandelt den turmbau zu Babel 
und die diesem voraufgehende geographische stelle, und ist 
weder bei Schütze noch bei Vilmar benutzt; Blatt 2 (Aa u. b) 
stimmt zusammen mit Zingerle, Eine geographie aus dem 
13. Jahrhundert (1865) vers 23 S. 



26. Rudolf von Ems, AViUieliii von Orlens. 

Ein pergamentblatt des 14. Jahrhunderts in foL max. in 
zwei spalten zu je 56 versen mit sehr deutlicher schrift (nach 
Knebel prachtexemplar). Die initialen wechseln in roter und 
blauer färbe, die anfangsbuchstaben halten zwischen zwei 
senkrechten linien gerade die mitte und sind rot getupft. Auf 
Seite A steht von einer band des 16. Jahrhunderts das wort 
Choliniana und die buchstaben A. H. Das fragment stammt 
aus dem besitz des Kölnischen gymnasialdirektors Dr. H. Knebel, 
der es im programm des Friedrich- Wilhelms-gymnasiums zu 
Köln 1852 genau abgedruckt und beschrieben hat; Selbst 

noch bei Piper, Höfische epik 3, s. 633 (Kürschners Deutsche 

4* 



52 Willy Scheel. 

nationallitteratur 4, 1, 3 [1895]) wird das fragment (X) als in 
Köln befindlich bezeichnet. 

Erhalten sind: Aa 1 — 56 (Kiiebel) 

b 57—112 
Ba 113—168 
b 169—224. 
Vergleiche neuerdings V. Zeidler, Untersuchungen des 
Verhältnisses der Hss. von Rudolfs von Ems Wilhelm von 
Orlens. Progr. KaroHnenthal bei Prag 1894, das ich jedoch 
nicht habe benutzen können. 

26. Der Stricker, Karl der Grofse. 

Zwei pergamentstreifen des 14. oder des beginnenden 
15. Jahrhunderts, die zu demselben doppelblatte gehören; die 
hs. war in gr. 4^, zweispaltig mit ursprünglich 36 versen auf 
der kolumne. Die initialen sind rot, auf C b finden sich spuren 
einer hübschen Ausmalung; die anfangsbuchstaben, sowie die 
grofsen buchstaben im text und auch einige h sind rot getupft. 
Erhalten sind: 

Aa 8177—8183. 8199—8209 (Bartsch) 

b 8213—8220. 8 plusverse 
B a 8233—8238. 8257—8266 
b 8271—8277, 8293—8303 
Ca 9157—9163. 9179-9189 
b 9193—9199. 9215—9225 
Da 9229—9235. 9251—9261 
b 9265—9271. 9287—9297. 
Bisher unbekannt Eine Würdigung und genaue be- 
sprechung dieser verlorenen hs. , sowie eine kollation unseres 
fragments wird von mir in der Z. f. d. a. gegeben. 

27. Der jüngrere Titurel. 

Zwei und zehn pergamentstückchen einer oder zweier 
Hss. in 8^ oder 4^ des 13./14. Jahrhunderts, die in unab- 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 53 

gesetzten versen in mindestens zwei spalten je 6—8 Strophen 
enthalten haben. Bis jetzt habe ich davon zwei blättchen 
nachweisen können. Es enthalten: 

Bl. Aa Str. 4931—4934 (Hahn) 
und daran anschliefsend B a „ 4934 — 4938 

ebenso A 1 b „ 4950—4954 
B 1 b „ 4954—4957. 

Wir gewinnen also fast vollständig je eine spalte des ehe- 
maligen blattes. — Unbekannt. 

Die übrigen zehn Stückchen gehören, wie schon angedeutet, 
vielleicht einer zweiten hs. an; die schrift ist vollkommen 
anders, jedoch ist die einrichtung der hs. freilich der ersten 
recht ähnlich. Nähere angaben sollen einer besonderen Be- 
sprechung vorbehalten bleiben. 



28. XJlplcli von Tüpheim, Willehalm. 

Ein pergamentblatt der ersten hälfte des 14. Jahrhunderts 
in 4®, zweispaltig mit 37 versen auf der kolumne; auf der 
linken seite beschnitten. Die initialen sind doppelfarbig aus- 
gemalt, die anfangsbuchstaben der zeile zwischen senkrechten 
linien links herausgerückt. Jeder zweite vers ist eingerückt. 
Die sprachform der hs. ist niederrheinisch. Das blatt stammt aus 
V. d. Hagens besitz und ist abgedruckt von Kinderling in Adelungs 
Magazin für die deutsche spräche 11, st. 1, s. 54 flF. (nicht ge- 
nau), s. Lohmeyer, Die handschriften des Willehalm Ulrichs v. 
Türheim (1883) s. 17 nr. 16. Der inhalt entspricht der Heidel- 
berger hs. G) 148 b 39— 149 a 18 (Lohmeyer s. 12— 13)^). 

Erhalten sind: 

A a heg. . erre bi mir hie hestan 
schl. . z ein michel wnder was 
b heg. Da0 sie geheine mle genas 
schl. älysen totlich reise 



*) Von mir benutzt in der Lachmannschen abschrift Ms. Grerm. 
fol. 401. 



54 Willy Scheel. 

Ba beg. van vrotceden schiet dat herze 
schl. Tot er noch in deme strite 
h beg. So daz ime ze heider sHe 
schl. Daz der weise Malifer 

Dies stück fehlt gerade zynischen blatt 58 und 59 der 

Casseler hs.; eine abschrift Jac. Grimms befindet sich in Ms* 

Germ. 4® 914 (Wigands abschrift der Casseler hs.). 



29. Ulpicli von Tüphelm, AVillehalm. 

Zwei pergamentblätter *) aus derselben hs., wie das vorige^ 

jedoch mit 36 versen auf der spalte, ebenfalls links beschnitten ; 

jeder zweite vers ist eingerückt. Der inhalt entspricht 1 254 a 

bis 255 c. 

Blatt 1 A a beg. . z sie YfoUe kumen her 

schl. . il ich dich dar vmme vughen 
b beg. Svn ich wil dich wizzen lan 
schl. Swe wil de Stange swere plac 
B a beg. Er zucte sie vp als einen stap 
schl. jch ghetruwe vnser heider hüde 
b beg. Daz vnser pris sich mere 
schl. do er die ritter vor ime sach. 
Blatt 2 C a beg. . ol hereit mit strite 

schl. . . vlohen hin vph daz mer 
b beg. Swer sich da versvmde 
schl. svn mir ist an dir hetaghet 
Da beg. Yil gar mines h'rzen wunne 
schl. vn werde ich iummer ein mä 
b beg. So muz ichz v'diene haz 
schl. so histu Stare vn ellens hält. 



SO. Ulpich von Türheim, AVillehalm. 

Ein pergamentd oppelblatt derselben Manderscheidtschen 
Hs., aus der Haag in der Z. f. d. phil. 3, 95—105 ein stück 
aus Türlins anteil (? bei Singer) veröflFentlichte , 13. oder 
14. Jahrhundert, in fol., dreispaltig mit 43 zeilen auf der 
kolumne; es ist der innerste bogen einer läge und diente ala 

') Signatur Ms. Germ. fol. 697, doch in unsere Mappe gelegt. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 55 

aktenumschlag : Extract Kerperischer Gelt vnd fmclitt Oefefl 
1582. (Vgl. nr. 82.) Von G. Leue ermittelt. Die initialen 
sind schön in gold und färben ausgemalt. — Der inhalt ent- 
spricht der Heidelberger hs. (1) 140 b 37 — 142 c 49 ; vgl. 
E. Lohmeyer, Die handschriften des Willehalms Ulrichs von 
Ttirheim (1883) s. 9 nr. 4 a. 
Erhalten sind: 

Blatt 1 A a beg. Sv gat gan Portipaliart 

schl. Man da ee mvUevne sach 
b beg. In leide dv kvneginne sp'ach 

schl. Mvt' nv gehabe dich haz 
c beg. Denne dich din leit tivinge 

schl. Ich ml niht sprechen fvrhae 
B a beg. Ich fvrhte gvV wibe haz 

schl. Oh ich gar die kost Seite 
b beg. Dez dvhte iv me denne gnvh 

schl. Ich hin gern* ein landdez frowe 
c beg. Denne icJi din* gnaden warten 

schl. ToM SV hat dich erzogen 
Blatt 2 C a beg. Sit de dv hast volle sogen 

schl. Manig lichtes wäge sich hegoz 
b beg. Mit wasserlichen gissen 

schl. WC sin h'tze beladen 
c beg. Dez veste wangS m^zB baden 

schl. Dar an nieman missetvt 
Da beg. Jehent die bescheiden toisen 

schl. Da vö er sich vö ir schiet 
b beg. Sin h'tze sang dez ianCs liet 

schl. Got alysen gar bescherte 
c beg. Vil gvt weW bitz de sv harn 

schl. Swc wir vf der l erde han. 

81. Ulpieh von dem Tüplln, Willehalm. 

Die bis jetzt unbekannten Berliner fragmente, die ich 
zum unterschiede von den in Ms. Germ. Berol. fol. 746 auf- 
bewahrten mit j^i bezeichnen will, sind drei zu aktenumschlägen 
verwandte und von solchen losgelöste stücke derselben hs., 
von denen das zweite und dritte bruchstück zu einem doppel- 
blatte gehören. 

Fragment 1 ist ein pergamentdoppelblatt aus dem ende 



56 Willy Scheel. 

des 13. oder beginn des 14. Jahrhunderts in 4 ^^ dessen zweites 
blatt (seite C, D) am rande stark beschnitten ist, zweispaltig, 
mit 39 Zeilen auf der spalte. Die initialen sind rot, die aü- 
fangsbuchstaben rot getupft. Die zwei bilder tragen rote 
prosaüberschriften. Seite A und D sind dergestalt abgerieben, 
dafs nur einzelne buchstaben durchscheinen; seite B, C sind 
gut erhalten. 

Fragment 2 ist weniger gut erhalten; es sind oben acht 
bis neun verse abgeschnitten und die seiten stark am rande 
beschädigt; seite A b ist in der bruchfalte des ehemaligen 
Umschlags stark durchlöchert; auch Ba ist abgerieben und 
z. t. unlesbar ; die spalte ist z. t. mit einem andern pergament- 
stück überklebt worden, auf dem jedoch schriftzüge nicht 
mehr zu erkennen sind. Die schrift ist etwas verblafst. 

Fragment 3 ist ein vom fragment 2 (seite C, D) oben 
abgeschnittenes, jedoch genau an den schnitt passendes perga- 
mentstückchen mit acht bis neun erhaltenen versen auf der spalte. 

Nach längerer Überlegung bin ich zu dem ergebnis ge- 
kommen, dafs unser ßi nicht derselben hs. angehören kann, 
wie ß. Sind allerdings auf den ersten blick die bilder von 
ähnlicher technik, die in ß wie in ßi rote prosaische Über- 
schriften zeigen, so stimmt doch anderseits erstlich die Zeilen- 
zahl nicht 0^ = 39; /?! = 45), zweitens sind — und das 
wiegt gewifs schwer — in /9 die Anfangsbuchstaben in senk- 
rechte Hnien eingeschlossen, in /?i jedoch nicht! Ferner ist 
der beschriebene Raum in beiden fragmenten auch nicht an- 
nähernd gleich. Endlich erscheint auch die schrift selbst in 
ß i durchweg dicker und weitläuftiger, als in ß, was ja freilich 
leicht durch annähme zweier Schreiber zu erklären wäre. 

Was die spräche von ß i angeht, so ist nicht zu entscheiden, 
woher die hs. stammt. Die alten monophthonge sind zum 
gröfsten teil noch als e, w, tu gewahrt: nur ganz wenige aus- 
nahmen zeigen ei und ou (speise, flovmes, pflovm); uo und ie 
erscheinen zusammengezogen als ü und i in gvt^ UpUchen. 
Überhaupt ist v ein universallaut für ü, iu, üe, w, u in Ivteme, 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 



57 



gvhet, grvegen, slvesele, gebvrt; mhd. oü ist immer eu: frevde. 
Ebenso wie die monophthonge ü und t weisen auch die massen- 
haften e am Wortende : eineme, gvte, rede, State, tröste .... auf 
Mitteldeutschland. Ganz im gegensatz dazu steht die an Ober- 
deutsches erinnernde Vertretung des h durch ch in ehert, 
ehomen, dmsse; chliebe, chraft; starcheme; kercher (neben Jcerher). 
Bemerkenswert ist endlich noch das schwanken zwischen h 
und eh im auslaut: eoh, höh, geschah neben leck, sowie das neben- 
einander von b und p in fremd wo rten: borten, boyer; perlen. 
Die erhaltenen verse verteilen sich auf die einzelnen selten 
in folgender weise: 

Fragment 1, 
Blatt 1 A a = LXXXIV, 20— LXXXV, 27 1 

b = LXXXV, 28 - LXXXVn, 4 J ^*^* ««leserlich 

B a = LXXXVII, 5-LXXXVm, 12 

b = LXXXVin, 13— LXXXIX, 20-1-2 

Blatt 2 C a = XCVn, 26— XCIX, 1 (2) 

b = XCIX, 3— C, 10 

Da) 
A= C, 11 (12) ff. - Cn, 14 unleserUch 



XLVIII, 10— L, 21 (?) unleserlich 

L, 29- LI, 28 
LH, 7- LH, 24 
LXII, 9— LXni, 8 
LXIII, 17— LXIV, 4 



= (?) LXIV, 5-LXVI, 23 (?) unleserlich 




LXII, 1 
LXIII, 9 

LXIV, 5- 
LXV, 13- 



•8 
■16 
-12 
20. 



58 Willy Scheel. 

Kollation: Fragment 1. 

LXXXIV, 21 daz halt wer vz der mazze «- BD. 23 swie fehlt = 
eD. 24 st fehlt = BDg. 25 die rede = BDg. 29 pris het bezalt vgL 
Tier hezcUt = hnel 31 vurgält LXXXV, 1 hete die rede == hnmop 2 nt? . . die 
10 noch fehlt = D 14 frowe fehlt 18 ouch =« Bg 22 er so hmopL 
Das nächste, sowie die folgende spalte sind unkoUationierbar bis 
LXXXVII, 4. 

LXXXVII, 8 8i dc« = BD 12 er sprach zv = hnmop; holde =^0 
\^ do = BDg 16 sprach er vrowe fvr daz ich ez ham, = B 18 heiden- 
Schaft =*= Bg-, die aMer beste = B 19 erliden =« B 20. 21 der dar torfe 
mit hliden vgl. B; so ofte si ze fvre = hnmop 22 iw fehlt = B 23 
wizzet fehlt = Bg; vil reine = B 24 ich leider = Bg 31 und fehlt 
= Bg. 

LXXXVIII, 1 Dem Jcvnige die rede niht geviel = B 2 ovch bereite 
= B 5 Tybaldes wille = B % nu fehlt = Bg 7 was nv chomen = 
Bg 8 tJn = hnmpel; ein == hpel; wol vernomen = B 9 wert 10 vnde 
leid = hmop 15 was hie '= B VI do si nv quamen = nmoe; daa 19 
ich wetz 23 noch fehlt = Bg; sich ir minne= B 24 minne mit liebe 
chliebe = B 26 Minne sus mit gewalte vert = Bg 27 daz 28 kvnegin 
= hnmop; hie fehlt = Bg 29 Ammazvr, 

LXXXIX, 1 Der helde tat dient vrowen willen = B 2 ovch kvnde 
ir chraft die viende stillen == B 3 st = B 5 vrlovbes 6 vrlovp 8 hertze 
im iJit (fehlt in B!) 9. 10 fehlen = B 11 in fehlt = B 12 Arabel 
vgl. B ; in daz an (in dez an A ; im daz an hnl) 14 minne ^ doch = 
hn; frevde verzeh = B 16 man trvc nv an ^= B 11 vn zv dem kiele = 
B; kost vnd fehlt = Bg IS do =^ B flinter 20 hie scheident sich die 
kvnegin vnde der kvnig Tybalt 

XCVn, 28 drvchet = BDg; dicke (darübergeschrieben) = el; oft = 
hmnopD 31 ich wene niht gvter mvt daz mache = BDg, 

XCVni, 1 s. hertzen site = B 3 mir in = Bg 5 stercte = Bg 
6 6ai = hnmopg 7 da tti (Text toie; B daz!); gesähen = Bg 8 kvmber 
= Bg; iahen = Bg 10 den helt = Bg 11 din^e; ir noch bi (B ir nahe 
bi) 12 doch = BD 13 er treit einen so swaren boyen = BDg 14 unen 
= 15 frevde 16 sit er svs liget geletzet = BDg 18 balde gie nv *= 
hml 19 do in Arabel so ofte bat = BDg 21 kleine vnde niht ze höh = 
BDg 22 in lie in = hnop ; vn vz wol zoh = B 24 also (als hmop D ; 
Text alj 25 ihc (verschrieben) 28 des gert = Bg 30 seUde 31 den 
helt lebenes (!) 

XCIX, 1 Der kvnig sin wol plegen hiez = BDg ; 1 nach 2 = BDg 
4 Äräbelen 7 die vmbe in mit stete = Bg 11 der = BD 13 nach 14 
= BD 16 riche = BDg 18 helt tcol = BDg 19 ermelen = O 20 pdlel 
21 wol g, = BDg 29 neic im vn == BDg 31 der 6. 

C, 2 /t?r Äräbelen 4 Arabel hiez eine= BDg 5 hiez fehlt = BDg 
6 nv was 7 (nicht ganz zu lesen) 8 ist = B bis CII, 14 unkoUa- 
tionierbar. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 5^ 

Fragment 2. 

XL VIII, 10 bis L, 21 ist unkoUationierbar. 

L, 29 Sampfole = TgBD 31 da fehlt = xgB Das oberteil der 
äufseren spalte ist stark durchlöchert und zum grofsen teil unleserlich. 

LI, 7 [emeyal hvfi{e]ge alt == BD 15 MarJeys = D 17 vnd enget 
waren=^B 24 alles f ehlt = B 26 streit er fehlt «« BD; zw, riehen = B. 

LII, 7 (darüber sind 9 verse fortgeschnitten) alda fehlt = BD 
8 tn = 10 da^ wan einen slac in wert = BD 11 verswant = BD 
15 do man den margraven = BD 17 hezzer ors wart nie me = TgBD 

18 tete den Heiden wc = TgBD; vor fehlt = TgBD 19 heiser '= BD Nach 

19 in roter schrift hie gesiget man dem marcgraven vnd belieb sin ors tot 
[Büd] 20 siner fehlt = B 21 sit in = B 22 vnd fehlt = BDg. 

LXII, 12 presvn 14 ie vf=B; dieh. = Bg 16 solhel (verschrieben) 
22 keten =Bg 29 Wilhalm (statt markis) = Bg; dolte 30 swaz = B^ 
LXIII, 1 spräche = B 6 lac sus = B 8 stoe er doch lange in 
grozzer hvt. Die folgenden verse sind abgeschnitten. 18 manic geblomete 
=■ B 25 edeler steine vil = Bg 30 mangen starchen walde vnde w[is] = 
B 31 beslvzzet sin fliiz des sit gewis = Bg. 

LXIV, 1 mit snelle = Bg Nach 4 in roter schrift : hie ü* : . . man 
den markys da er am [Bild]. Der Rest bis LXVI, 23 (?) ist wiede- 
rum unkoUationierbar. 

Fragment 3. 

LXII, 1 minnen holde = 2 schone ich = B LXIII, 9 liet ge- 
brechen niht (!) 14 ein ende = hnel. LXIV, 5 ditz = Bg; Bentanar 
vgl. B Sentannr LXV, 20 Tyer, vogel (wnd fehlt) = ghnmop D. 

Aus der beigefügten gleichung mit anderen hss. ersehen 
wir deutlieh, dafs unsere fragmente {ß{) sich BDgr anschliefsen^ 
also wohl zu der bearbeitung des Willehalm zu stellen sind^ 
deren Vertreter Singer in seiner ausgäbe mit B* bezeichnet 
hat. Die wenigen unserem ßi allein eigentümlichen lesarten 
sind durch den druck kenntlich gemacht. 



32. XJlrlcIi von dem Tüplln, AVillehalm. 

Ein pergamentblatt des 13. oder 14. Jahrhunderts in gr. 4®,. 
dreispaltig mit 43 zeilen auf den spalten, die durch längslinien 
eingerahmt sind. Jede zeile hat einen grofsen anfangsbuch- 
Stäben, die initialen sind grofs, rot und blau. Am rande von 
Seite B unten steht die Signatur IUI. Das fragment ist in 
Mühlheim a. M. gefunden und an den herausgeber Haag ge- 



60 Willy Scheel. 

San dt worden, der es in der Z.f.d.phil. 3, 95 — 105 abgedruckt 
und genau gewürdigt hat; in der neuen ausgäbe von Singer 
heifst es Haags fragment (5). — Nach der aufschrift auf 
Seite B: atmoiation buchlein defs haufs Manderscheidt . . . . 
Ton einer hand des 17. Jahrhunderts gehörte die hs. also wohl 
zur Sammlung der Grafen Manderscheidt zu Blankenheim in 
der Eifel, in der bekannte andere hs. des Tristan, Wigalois, 
des Renners und u. a. auch die Nibelungenhs. K (s. Schroeder, 
Z.d.A. 38 [1894] s. 289 ff.), sowie das von G. Leue ermittelte 
fragment aus Türheims Willehalm (s. nr. 30) gewesen sind. 
Erhalten sind: 

Aa CCCXXV, 7 -CCCXX VI, 23 (Singer) 
b CCCXXVI, 24 — CCCXXVm, 15 
c CCCXXVm, 16— CCCXXX, 5 
Ba CCCXXX, 6 — CCCXXXI, 22 
b CCCXXXI, 23 -CCCXXXni, 13 
c CCCXXXIII,14-CCCXXXV, 4. 

33. Vetepbucli. 

Ein pergamentblatt des 14. Jahrhunderts in 4®, dreispaltig, 
27 — 28 verse auf der kolumne erhalten. Das ursprüngliche 
blatt ist ungefähr in der mitte zerschnitten worden ; die obere 
hälfte ist uns erhalten. Die initialen sind rot, die anfangs- 
buchstaben rot getupft. Die spräche zeigt die neuen di- 
phthonge und ei > ai. 
Erhalten sind: 
Aa = 1255—1280 (Veterbüch, hsg. v. C. Franke 1880) 
b = 1307-1333 
c = 1361-1387 
Ba = 1415—1440 
b = 1467-1497 
c = 1525—1551/2. 
Vers 1493 — 1496 fehlen in unserer hs. — Über B b stehen 
die Worte : Erasmus Rock \ dominus in \ Euangel, Marc 



«) 



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» 



l> * 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 61 

Das fragment ist, wie eine bleistiftnotiz verrät, von Edw. 
Schroeder bestimmt worden. 

Nach der angäbe bei Franke s. 45 über das Regensburger 
fragment I läge bei dem genauen zusammenpassen des endes 
von I (v. 1254 s. Franke in der tabelle s. 49) mit dem an- 
fange unseres fragmentes (v. 1255) die Vermutung nahe, dafs 
wir stücke derselben hs. vor uns hätten. I müfste dann also 
den unteren teil des dem Berliner bruchstücke vorausgehenden 
blattes enthalten. Dies wird durch die beschreibung bestätigt, 
die C. Roth in den denkmälem der deutschen spräche s. 77 — 79 
und s. XIV von I giebt: er schildert I als pergament in 4^ 
aus dem anfange des 14. Jahrhunderts, dreispaltig und oben (!) 
beschnitten; die anfangsbuchstaben sind rot getupft. — Die 
schriftvergleichung müfste freilich das endurteil sprechen. 

Das fragment ist unbekannt. 



34. AATeltcliPonik. 

Zwei ineinander zu legende doppelblätter (pergament) des 
14. Jahrhunderts , deren hintere blätter je um eine spalte be- 
schnitten sind, in 4® mit 27 — 29 zeilen auf der spalte, zwei- 
spaltig. Blatt 1 ist oben beschnitten. Die initialen sind rot, 
die anfangsbuchstaben der zeilen jedoch nicht rot getupft. 
Das fragment stammt aus der Annenkirche zu Neifse und ge- 
hört weder zu Rudolf von Ems (Weltchronik), wie aus der 
gänzlichen Verschiedenheit der geschichte von David undBersabe 
hervorgeht^), noch zu Jans Enenkel. Abdruck in Idunna und 
Hermode 1812, nr. 44. 

Blatt 1 A a beg. Do der herre velifas 

schl. Sin liehen hint was erslagen 
b heg. da er den lierren davit vant 
schl. herre daz svlt ir mir vergeben 
Ba heg. vn was erslagen gar sin her 
schl. Mit iamer fvrte man in dan 
b heg. der tot fvrte sin ivngez leben 
schl. vntz daz der herre her davit 

1) S. Schütze, 2, 162 ff. 



€2 Willy Scheel. 

2 C a beg. Nv wiste er die kvnegin 

sohl, jn andern UmdS mvstB Tdagen 
b beg. die von ir tilgenden harten sagen 
schl. Swa er wolte an dehemer stet 
D a beg. Swa er den hm sande 
schl. als er ofte het getan e* 
b beg. nv quam die vrowe bersäbe 
schl. die tvurds ouh alle erslagB gar 
E a beg. ditz weste wol her davit 

schl. Sie hete des hvniges wol enbom 
Fb beg. ee enrat im rat von himd dar 
schl. daz han ich wol hin zim v'sölt 
1 Ga beg. niwan daz in ir hitze dvrh gie 
schl. daz er sin gemvte 
Hb beg. er was aber herlich gestalt 
schl. jn dem kvnicriche 



36. Wipnt von Gravenbergr, W^iiralois. 

Zwei zusammenhängende pergamentblätter des 13. Jahr- 
hunderts in 8 ®, zweispaltig zu 40—41 zeilen. Das doppelblatt 
ist im unteren drittel wagerecht durchschnitten, doch jetzt 
wieder zusammengeklebt; die hälften passen ganz genau an- 
einander; blatt 2 ist mehrfach durchlöchert. Es war als ein- 
banddecke eines druckes der Starhembergischen bibliothek 
benutzt; 1893 fand es Steinmeyer in unserer mappe und gab 
ihm die Signatur e (Z. f. d. a. 37, 235 ff.). Er bemerkt dort noch, 
dafs die beiden blätter nicht von einem Schreiber geschrieben 
sind und auch sonst eigentümliche unterschiede aufweisen. 
Erhalten sind: 

Blatt 1 Aa 58, 8 —59, 8 (Pfeiffer) 
b 59, 9 —60, 9 
B a 60, 10—61, 9 
b 61, 10—62, 9 

Blatt 2 C a 70, 10-71, 9 

b 71, 10—72, 9 

D a 72, 10—73, 9 

b 73, 10—74, 9. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 63 

36. AATlpnt von Gravenbergf, Wigralois. 

Nachbildung des norwegischen Wigaloisfragmentes aus 
dem nachlafs Jacob Qrimms, das K. Mfillenhoflf, Z. f. d. a. 19, 
237 — 239, herausgegeben und behandelt hat. 

Es umfafst: 269, 5 —16 (Pfeiffer) 

269, 39—270, 10 

270, 33-271, 4 

271, 27—271, 38. 

Das original ist Überrest eines pergaraentblattes des H.Jahr- 
hunderts in fol. mit ursprünglich 34 zeilen auf der spalte; es 
war als einband einer vogteirechnung von 1633 aus Ryfylke 
bei Stavanger verwandt. 

37. Wolfram von Esclienbaeli, Papzival. 

Zehn blätter aus der ersten hälfte des 14. Jahrhunderts 
in gr. fol., zweispaltig, zu 42 zeilen die spalte. Blatt 1. 2, 3. 6, 
4. 5 und 9. 10 hängen zusammen. Von blatt 1, 5, 6, 9 ist 
die äufsere spalte fortgeschnitten, 4 und 5 sind oben um je 
sechs Zeilen beschnitten, 10 ist mitten durchschnitten, doch 
passen die teile ganz genau aneinander. Je der erste buch- 
stabe der zeile ist herausgerückt und steht zwischen zwei senk- 
rechten linien. Die initialen sind abwechselnd rot und blau; 
einige sind herausgeschnitten. Pfeiffer kaufte die blätter von 
einem Augsburger antiquar und hat sie im quellenmaterial 
2, 51 ff. abgedruckt und dort auch genauer s. 50 über die hs. 
gehandelt, die eine jüngere band am ende des 14. Jahrhunderts 
durchkorrigiert hat. 



Erhalten sind: 




Blatt 1 Aa 


233, 5 —234, 16 (Lachmann) 


Bb 


237, 11-238, 22 


n 2 Ca 


249, 25 251, 6 


b 


251, 7 -252, 18 


Da 


252, 19—253, 30 


b 


254, 1 255, 12 



64 



V 



n 



» 



» 



» 



n 







Willy Scheel. 




bt 3 


Ea 


316, 


25—317, 30. 818, 1—4. 


9—10 ») 




b 


318, 


11 319, 22 






Fa 


319, 


23—321, 4 






b 


321, 


5 322, 16 




4 


aa 


322, 


23 323, 28 






b 


324, 


5 325, 10 






Ha 


325, 


17—326, 22 






b 


326, 


29-328, 4 




5 


la 


339, 


12-340, 18 






Kb 


343, 


19—344, 24 




6 


La 


344, 


25 346, 6 






Mb 


349, 


1 350, 12 




7 


Na 


539, 


27-541, 8 






b 


541, 


9 542, 20 






Oa 


542, 


21 544, 2 






b 


544, 


3 545, 14 




8 


Pa 


556, 


17—557, 29 






b 


557, 


30—559, 11 






Qa 


559, 


12-560, 23 






b 


560, 


24—562, 5 




9 


Ra 


634, 


22—636, 3 






Sb 


638, 


30 640, 11 




10 


Ta 


651, 


16 652, 27 






b 


652, 


28-654, 9 






Ua 


654, 


10 655, 25 






b 


655, 


26 657, 7. 


. ^ 



38. AVolfpam von Eselienbacli, ParzlvaL 

Ein pergamentdoppelblatt der zweiten hälfte des 14. Jahr- 
hunderts in fol., zweispaltig, auf der spalte 42 zeilen. Der 
untere rand mit acht bis neun zeilen ist abgeschnitten, die 
äufsere ecke des ersten blattes abgerissen. Das fragment 
stammt aus PfeiflFers nachlafs, der es 1865 in Salzburg er- 

*) 318, 5 — 8 fehlen in unserer hs. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 65 

worben hatte. Es hat einer lateinischen hs. kirchen rechtlichen 
Inhalts als vorsetzblatt gedient. Abdruck bei Pfeiffer, Quellen- 
material 2, 66—68 (sogen. Pfeiffersches bruchstück). 

Erhalten sind: 

Blatt 1 Aa 473, 19-474, 21 

b 474, 30-476, 1 

Ba 476, 11—477, 13 

b 477, 22 -478, 24. 

Blatt 2 C a 490, 1 —491, 4 

b 491, 13—492, 15 

D a 492, 24—493, 26 

b 494, 5 —495, 7. 
Die nachkollation hat gegen Pfeiflfer folgendes ergeben: 

474, 5 türütcmb 6 muntschaluahch 475, 14 dez [476, 16 w^r 22 dise 
477, 28 alz 478, 1 Do 16 smftpKr 490, 22 vernUen 24 chünges 27 für 
swanc erst sprach verschrieben, dann annulliert. 491, 16 lampride 492 
7 dar 14 pälaz 493, 4 dem 19 sprach ez doppelt geschrieben 494, 12 
Got 17 Herzenlaude 24 vor kirinals als niri verschrieben. 



39. Wolfi?am von Eschenbach, Papzival. 

Zwei arg verstümmelte pergamentdoppelblätter eines qua- 
ternio aus dem 15. Jahrhundert; blatt 1 ist in 2 hineinzulegen: 
in dieser reihenfolge sind die seiten mit buchstaben benannt; 
dreispaltig in fol. Von seite A B sind je drei spalten zu 
84 Zeilen erhalten, oben sind ca. 12 verse fortgeschnitten, die 
rechte ecke ist stark lädiert. Seite C D hat nur noch eine 
spalte mit 37 versen und ist unten verstümmelt , E F zeigen 
wieder je drei spalten zu 36 (37) zeilen, sind jedoch einge- 
rissen und durchlöchert, G H endlich ist oben beschnitten, es 
ist eine spalte mit 34 versen erhalten. Die seiten A B 6 H 
und C D E F hängen zusammen. Abschnitte werden durch 
zweifarbige, zierlich ausgemalte initialen bezeichnet, die anfangs- 
buchstaben sind nicht rot getupft; immer der zweite vers ist 
etwas eingerückt. 553, 1 (= kap. XI) zeigt die rote Über- 
schrift: Die Äueniivre von schastel marvelle. Über seite E steht 

Festschrift. 5 



6(3 Willy Scheel. 

neben Köpkes namen von einer band des 18. Jahrhunderts: 
Fragment, histor, Gawini ex iegumenio libri Consil, Hieron, 
Schnirpf in hibl August. Die fragmente befanden sich in 
Gräters und dann in Köpkes besitz und sind mit d bezeichnet 
(Lachmann, Ausgabe s. XV; PfeiflFer, Quellenmaterial 2, s. 2, 
der diese blätter fälschlich ins 13. Jahrhundert setzt). 
Erhalten sind: 
Doppelblatt 1 Aa 526, 3 —527, 6 

b 527, 20 (21)-528, 24 
c 529, 8 —530, 12 
Ba 530, 26-531, 30 
b 532, 15—533, 18 
c 534, 3 -535, 6. 

Doppelblatt 2 Ca 544, 29-546, 5 

De 553, 1 —554, 5 

Ea 574, 1 —575, 7 

b 575, 19—576, 25 

c 577, 7 —578, 12 

Fa 578, 25—579, 28 

b 580, 11—581, 17 

c 581, 29—583, 4 (5). 

Doppelblatt 1 Ga 593, 21—594, 24 

Hc 601, 21—602, 25'). 

40. W^olfram von Eschenbacli, Papzival. 

Ein pergamentdoppelblatt des 13. Jahrhunderts in 4 *^, zwei- 
spaltig, mit 33 — 36 zeilen in der kolumne. Die anfangsbuch- 
staben der zeilen stehen zwischen senkrechten linien; längere 
Zeilen setzen das reimwort mittelst zeichen (§) oft an eine ganz 
entfernte stelle. Vom ersten blatt fehlt der äufsere rand. 
Bemerkenswert ist die sehr altertümliche form des e, — Pfeiffer 
erhielt das fragment von Franz Roth und hat es als F r a n k - 



') Von der nebenspalte sind nur wenige buchstaben zu sehen. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 67 

furter bruehstticke in seinem quellenmaterial 2, 42 — 45 mit 

einer sehr genauen beschreibung der hs. abgedruckt. 

Erhalten sind: 

Blatt 1 A a 725, 23— 72ö, 29 

b 726, 30-728, 6 

Ba 728, 7-729, 13 

b 729, 14-730, 20. 

Blatt 2 Ca 730, 21—731, 27 

b 731, 28—733, 4 

Da 733, 5-734, 11 

b 734, 12-735, 18. 

Eine Kollation ergab: 726, 20 hat die hs. geniezzen 29 {daz) 
121, 22 hup sidji) 729, 19 kvnich 730, 80 niemen 731, 22 Jeslicliem 

4L AVolfpain von Eschenbach, Papzival. 

Ein pergamentdoppelblatt des 15 Jahrhunderts in 4^, mit 
30 Zeilen auf der seite, einspaltig. Die anfangsbuchstaben der 
Zeilen sind durchgängig rot getupft, die initialen mit kunst- 
vollen Schnörkeln ausgemalt, die aber jetzt sehr ausgeblafst 
sind. Am rande von seite A stehen von einer band des 
16. Jahrhunderts die worte: Das einkhowen zu S. Jacobs AUar» 
— Am rande sind spuren von heftlöchern. Das fragment 
macht einen • unsauberen eindruck. Es beginnt: „Do tet er 
krancker vorhte schin und schliefst phlihte vier Tauelrund*. '^ 
Die neuen diphthonge sind bereits eingeführt. Seite D ist 
unten mit der zahl XXXXVIII bezeichnet; links am rande 
steht ....XVn. 

Es sind erhalten: 

Blatt 1 A 759, 13—760, 12 

B 760, 13-761, 12. 

Blatt 2 C 775, 1—775, 30 

D 776, 1—776, 30. 

Das blatt stammt aus v. d. Hagens besitz und ist bei 
Lachmann (Ausgabe s. XVIII) und Pfeiffer, Quellenmaterial 2, 
s. 3 nr. 24 mit g bezeichnet. 



68 Willy Scheel. 

42. Wolfram von Eschenbach, Willehalm. 

Ein verstümmeltes pergamentblatt des 15. Jahrhunderts in 
fol., zweispaltig, zu 38 — 40 zeilen in der kolumne. Der rand 
ist rechts oben und unten abgerissen ; auf dem rande von A 
finden sich schriftspuren in Spiegelschrift, die jedoch nicht mehr 
leserlich sind. Die anfangsbuchstaben der zeilen sind rot ge- 
tupft, die initialen schmucklos mit derselben tinte gezeichnet,, 
wie die übrige schrift. Das blatt stammt aus v. d. Hagens 
besitz und ist mit y bezeichnet (Lachmann, Ausgabe ^ 
8. XXXVII). 

Erhalten sind: Aa 32, 3—33, 10 

b 33, 11—34, 20 
Ba 34, 21—35, 30 
b 36, 1—37, 10 (unlesbar). 

43. Wolfram von Eschenbach, Willehalm. 

Ein pergamentblatt des 13. oder 14. Jahrhunderts in fol.^ 
mit zwei spalten zu 45 zeilen auf der seite, aus Gräters, später 
Köpkes besitz. Auf A b sind zwei bilder mit den Überschriften : 
Hie stridit der MarJcys mit dem Tcvnige Fauemeiz und Hie 
verloys der Markys sine v: itehene man*^ das bild auf Bb hat 
keine Überschrift \ sie ist fprtgeschnitten : die bilder verringern 
die zahl der zeilen in den betreffenden spalten. Die initialen 
sind rot in gewöhnlicher art; die anfangsbuchstaben rot g^ 
tupft und zwischen senkrechten strichen herausgerückt. 
Erhalten, doch nicht durchaus lesbar sind auf 

Aa Willehalm 52, 5—53, 17 

Ab 53, 21—54, 16 

Ba 54, 19-56, 1 

Bb 56, 3—57, 6. 

Das fragment beginnt: \der den] vater, der den. bruoder 

und schliefst mit den Worten: daz Tcvnige wol ze riten zam. 

Bei Lachmann (Wolfram* s. XXXVI— XXXVII) heifst es v; 

es ist ein stück jener Bamberger hs., von der vier doppelblätter 



J 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. QQ 

ehemals an Büsching geschickt und dann verschollen waren. 
Diese sind jetzt als Ms. Germ. fol. 746 in Berlin verwahrt^), 
und zwar enthält dort blatt 4 und 3 ein fragment aus Ulrich 
T. d. Türlin, das Singer neuerdings mit ß bezeichnet (CCIV, 
19 — CCIX, 28 und CCXVIII, 17-CCXXIII, 12), blatt 6 
Wolframs Willehalm 461, 19 — 467, 8 (also den schlufs des 
Wolframschen teiles; vgl. Lachmanns Wolfram* s. XXXVII) 
und blatt 5. 8. 2. 1. 7. Stücke aus Ulrich von Türheims 
„Starkem Rennewart", die nach E. Lohmeyers ermittelungen 
in der KaÄseler hs. blatt 174 d 19— 176 a 17; 289 d 3— 290d 
17; 290d 18-292a 14; 299a 10— 300b 17; 300b 18— 301c 
16 entsprechen. 

44. Wolfram von Eschenbach, WlHehalm. 

Ein pergamentblatt des 14. Jahrhunderts in gröfstem fol., 
zweispaltig, ursprünglich 62 zeilen auf der spalte. Der text 
ist unten um je 11 verse beschnitten. Auf seite B ist die 
Schrift durch schmutz und nässe so verdorben, dafs nicht alles 
^u lesen war. Die anfangsbuchstaben der zeilen sind auffällig 
weit abgerückt und rot getupft, ebenso wie grofse buchstaben 
im text ; die initialen sind rot. Über B a steht quer die zahl 
1575 und die worte: Bedient Register Ben{?) Vachensüeg:: 

Das bruchstück stammt aus Pfeiffers besitz. 

Erhalten sind: Aa 92, 27—94, 17 

b 94, 28-96, 18 

B a 96, 29—98, 19 

b 98, 30—100, 20. 

Abdruck bei Pfeiffer, Quellenmaterial 2, 88 — 90. 

Kollation: 93, 2 gedaht 20 [duj in der lücke 94, 4 an 30 in 
vor van ausgestrichen 95, 9 Vnuerzagäeich 21 Umt 97, 28 Wer 29 der 
plam 99, 15 chemnaiien. 



*) Vgl. auch Ulrich v. d. Türlin, Willehalm, hrsg. von S. Singer 
1892, S.VIL 



70 Willy Scheel. 

45, Wolfram von Eschenbacli, WUlehalm. 

Ein pergamentdoppelblatt des 13./14. Jahrhunderts in fol.^ 
zweispaltig, mit 42 — 44 zeilen auf der kolumne; das zweite 
blatt ist stark beschädigt. — Die initialen sind schmucklos 
rot gezeichnet, ebenso sind die anfangsbuchstaben getupft. — 
Die blätter stellen s. 27 — 30 der ehemaligen hs. dar; sie 
waren das innerste doppelblatt der läge. — Sie stammen aus 
V. d. Hagens besitz, der sie an Lachmann geliehen hatte. 
Bei Lachmann (ausgäbe s. XXXVI) sind sie mit u bezeichnet» 
Erhalten sind: 

Blatt 1 Aa 144, 19—146, 2 
b 146, 3—147, 16 
Ba 147, 17—148, 29 
b 148, 30—150, 12 (nur z. t. lesbar). 

Blatt 2 Ca 150, 13-151, 21 *) 
b 151, 22—153, 4 
Da 153, 5—154, 16 
b 154, 17—155, 28. 
Zu bemerken ist noch, dafs eine band des 17. Jahrhundert* 
an den rändern einige jetzt nicht mehr lesbare werte ein- 
getragen hat. Das fragment ist, wie knicke und färbung noch 
erkennen lassen, als einband eines buches in 8® verwandt ge-^ 
wesen. 

46. TVolfpam von Eschenbach, W^illehalm. 

Zwei pergamentblättchen des 14. Jahrhunderts, die mit 
den längsseiten aneinander zu legen sind, um 

1. die Versschlüsse Lachm. 357, 29—360, 11 

2. die versanfänge „ 360, 20—362, 23 

zu erhalten. Ermittelt von Gr. Leue, der noch bemerkt, dafs 
der text zu einer kürzenden bearbeitung des Willehalm zu 
gehören schiene, wie sie in die Weltchronik Rudolfs von 



1) 151, 23. 24 (Lachm.) stehn in tt vor 21. 22. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente« 71 

Ems aufgenommen worden wäre. (Vgl. Lachmann, ausgäbe 
s. XXXVn unter x.) — Unbekannt. 

Soweit meine ermittelungen, die zu einem sicheren resultat 
geführt haben. Unter der grofsen menge der fragmente haben 
sich einige gefunden, die ich bis jetzt nicht näher habe be- 
stimmen können, und da die zeit drängte, habe ich sie ohne 
weitere verweise im folgenden zusammengestellt. 



47. Athenop? 

Ein doppelblatt des 14./15. Jahrhunderts in 4^, zweispaltig, 
42 Zeilen der spalte erhalten. Die initialen sind rot, die an- 
fangsbuchstaben weit abgerückt. 

Erhalten sind: 

Aa beg. hi seide K cö dit vant v'staen 
sohl. Oriande van rosefloer 

Dat ne sal nem* me athenor 

D b schl. Athenor dede varinc 

I astromien dit v'staen 

En hiet h5 datti soude gaen 

Nachts besien an die sterre 

En datti soe diepe läse en so v'rS 

In sine hoeJce dat hHe ö dochte. 



48. Marienleben (?) 

Ein stark beschnittenes, in der mitte durchgerissenes 
pergamentdoppelblatt des 14. Jahrhunderts, ursprünglich in 4^, 
zweispaltig, ca. 22 zeilen auf jeder spalte erhalten. Initialen 
und Überschriften sind rot, die anfangsbuchstaben rot getupft. 
Namen : Prophet, Jeremias, Messias. Die beiden hälften passen 
genau aneinander. 

Erhalten sind: 

A a beg gebet enph .... 

di svnne vnd der mone 
Sint sin vndirtane 
b beg. daz eyn reyne mait gebar 



72 • Willy Scheel. 

B a beg Sint aUe tzucht ensprvngen 

b beg. W mochte adames vbir tryte 

C a beg. D* engil bleip do vfivorsvnt 

b beg. Messias si noch Ä . . . . 

D a beg ; : fvre 

b beg. vor : erl : : bt vntz : d : : nder 

sohl. Ich habe keynB vride schilt. 

Die Schilderung des weihnachtsevangeliums (B b) weicht 

von der sonst üblichen bedeutend ab: 

jn eyn' krippe man den vant 
do stvnd eyn esel ochse öbe 
den di engil mit irme lohe 
den hurtin kvnit machtin 
di ires vyhes dez nacktes wacihtB 
vn sprochi vreuuet vch dor tzv 
wen wir hotschaflB vch nv 
daz der w'lte irloser crist 
tzv hethleem geborn ist . . . 



49. Marlenlied (?) 

Ein papierblatt des 14./1 5. Jahrhunderts und dazu gehörige 

dünne fidibusstreifen, arg verstümmelt und zerschnitten. Der 

text des blattes beginnt: 

Als maVa die mait reyne 
Waz mit irme kinde alley . . 
Sufse rede sie ane vinc 
Die wil ich uch sagen hie 
Manchirhande frage sie begonde 
Mit orme kinde die he konde 
Sie bescheiden harte wol 
Wanne er toas aller wysheit vol. 



60, Ulplch von Tüphelm, AVlUelialm (?) 

Blattrest einer papierhandschrift des 15. oder 16. Jahr- 
hunderts, eine spalte zu 49 zeilen (ob mehrspaltig, ist nicht 
zu sehen) ; die rückseite ist merkwürdigerweise nur mit wenigen 
Zeilen beschrieben, sonst leer. Ist von der kgl. Universitäts- 
bibliothek im jähre 1893 der kgl. bibliothek überwiesen und 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 73 

als ein stück aus Ulrich von Türheims Willehalm bezeichnet 
worden. Ich habe es bis jetzt darin nicht finden können; 
auch erregt die fast leere zweite seite bedenken; wir müfsten 
es, denn mit versen zu thun haben, die von einem leser Tür- 
heims besonders ansprechend gefunden und daher auf ein 
blatt oder in ein buch notiert worden sind. Vielleicht hat 
dieses blatt mit nr. 51, 1 einen Zusammenhang, das der 
accessionsnummer nach ebenfalls 1893 an die kgl. bibliothek 
gekommen ist. 
Es beginnt: 

Bie dem hörne stunde em haume 

Des name ich viel eben gaume 

Ein frauwe dar widder saefse 

Der liep vil schoene vmbfangen waefs 

Mit hlauwen Jdedern färbe 

Do ich der zartenn wart geware 

Vnd niemani. meher bie jre 

Zue hant wart ich gedencJcen mir 

Wie ich mit listen zue jre kerne . . . 

Der ritter nähert sich, beginnt ein gespräch und gewinnt 
schliefslich ihre liebe. 

Schlufs (seite B): 

Myne freude was doe erwecket 

Vnd zue stvndt myne vngemach 

Was mir zue leide je geschacli 

Gar lutzel das myn hertze bedacht 

Dan aUer wonsche was voVnbracht 

Ane jrem leibe nach mans (nemants verschrieben) gelust 

Hier bricht das stück ab. 



51. Varia. 

1) Ein papierblatt des 15./16. Jahrhunderts, auf jeder seite 
eine spalte enthaltend, an dem rande beschnitten und 
zerfetzt, scheint zu einer hs. volkstümlicher lieder und 
balladen gehört zu haben, aus der vielleicht auch das 
fragment nr. 50 stammt; allerdings gehört die schrift 
nicht einem Schreiber an. Als beispiel seien die schluDs- 



74 Willy Scheel. 

verse von seite A abgedruckt; die verse sind nicht ab- 
gesetzt : 

Der mynnen füre \ halt mich entzündet^ wan ich ane jm \ 
(sie) gedenckCy das hertze myne ist gare | vertvunt^ ich ml 
von jme nit wencken | Solt ich emberen sin garCy vnuerflossen 
Ifin dem hertzenn myne dundkt er \ mich woele ein Keiser synn | . . . 

2) 19 fidibusstreifen des 15. Jahrhunderts, sehr verstümmelt^ 
z. t, überhaupt unleserlich. Die namen AlexandeTj CdS- 
Sander, Macedonierh führen zu der annähme, dafs wir 
eine prosaische chronik der Alexandergeschichte vor uns 
haben. 

3) Unterer teil eines papierblattes des 17. Jahrhunderts, eine 
chronikartige aufzählung von kriegsbegebenheiten ent- 
haltend, die sich vielleicht auf den dreifsigjährigen krieg 
beziehen. Die einzelnen angaben sind numeriert (2. 8. 
4. 5. 6. 10. 11). Name: Spangenierg. 



Texte. 



1. Gpegropius Magrnus, Dialog:!^). 

Blatt 1 A = Dial. 4, 36 (Migne 77, s. 382). 



er de lichte scharp 
heü ind kortheit 
des Ordens tzo lide 
Dan de scharpheit 
ind ewicheit der py 
nen der hellen Als 
Job sait So we vor 
tet den ryff vp in 
sal vollen der snee. 
Ouch säet sente gre 
gorius dat eyn mo 
ynch was de petrus 
heyschs geboren vis 
deme conynckriche 
van yrlant myt gr 
oisser cranckheit 
hewmgen wart 
Also dat hey starff 
ind wart weder 
gesamt zo syme li 
Cham ind sa>ckte dat 
hei vnzeUiche pine 
ind stede der vlam 
men geseen hadde 
ind hei ouch etzliche 



vursten ind meich (!) 
nche mynschen der 
werlt yn der vlam 
men sach hangen 
Dis mynsche wart 
geleit zo den pinen 
also dat hei daryn 
geworpen so^uldje w 
erden Do sach [h]ey 
da hy eme eyne mit 
wyssem gecleit . die 
he dat benam ind sa 
chte eme Ganck hie 
vis ind gedencke we 
dir her na steit zo le 
uen. Do her weder zo 
eme seluer gecomen 
was . ind in groisser 
cranckheit ind vorU 
also vntwachde va/n 
dem droyme des ewi 
chen dodes . sachte hei 
offenbairlich . ället 
dat eme gesehen was 
ind dar na dede hey 



*) Vgl. oben nr. 6. 



76 



Willy Scheel. 



Blatt 1 B. 



.... werden den 
,., ey van der . . . 
... er pynen tzo ge 
twongen wirt Als 
da: säet Johannes 
. . . dem boiche der 
he [Lücke] Hchkeü In dem 
d [Lücke] n so soillen de 
broidere soichen den 
doit . . iner (?) neit vm 
den ind hegeren zo 
a . . . en ind der doit 
sal van yn vleyn I 

y as der prophe 

. . . . t Ich sal 8 . . . se 
. . . volck myt mir 
w ,,, de.n . , dranck 
gr . , , wdUet der 
goiden De gedenck 
,. g .,se der bitterheü 
i . . ,pynen dede eyns 
eynen wngeluickde 
mi . . veüden vp geuo 
d , . . was gayn in 



En do my 

was samenly .,. ch 
deren tzo eme . eynB 
toysen man eme zo 
roden weder vis tzo 
gaen . ee hey profess 
se dede, Eh sachte zo 
eme . dM bis leckerli 
ch vp genoedet (?) ind 
du en saJt desen twa 
nck ind scharpheit 
des Ordens neit lide 
moegen. Der Jongi 
linck sachte davon 
byn ich in desen orde 
gecomme . wät ich 
mich lecker kenne 
Ind geyne scharph 
eit liden en mach 
ind ich dachte dat de 
Schärpe pynen der 
hellen also vnuerd 
rechliche synt Dar 
vmb so haen ich ler 



Blatt 2 A = Dial. 4, 38 ( 



rech . . van synre se 
len selicheit, Do dis 
lach vp syme leuen 
versamenden sich de 
broedere by eme yn 
yrme gebede ind 
alle zo hantz wart 
der seiche roiffende 
Also dat hei all yr 
gebet verstwde ind 
sprach . gaet en we 
dl gaet enwech vä 
myr ich byn gegeui 
deme d/rachen zo ve 
rslinden . de myn ho 
yft in syme monde 



= S. Gregor. Magni Vita Auct Joa. Diacono 38) 
Migne 75, 79; 77, 393. 

de broedere . wat is 
dai du sprichs . zei 
chen dich myt dem 
zeichen des cruces 
Hey antworde mit 
groisseme geruchte 
Ich soulde mich gerne 
tzeichenen vuer idi 
en mOfCh, Want ich 
werden myt den seh 
wyben des drachen 
sere gestechen ind ge 
quellet, Do de broe 
dere dat hoirten vei 
len sy neder zo der 
erden mit ernstlich 






Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 



77 



hait Ind vmh vrre 
ywt gegenwordich 
eit enmach hd^) mych ne 
ä wessen . gaet en 
toech laist in doen 
: at hey doch doe sdl 
Op ., . t ich neit me 
gepinigtt en wer 
de Do antworden 



Blatt 2 B aus Dial. 4, 

ge : : ind also : : : : : 
en wech Ouch säet 
Sent: Gregorius dat 
eyn moynch was in 
eyme cloister dat ge 
heischen was conga 
laron der lieilech 
ind goit geacht w 
as vnder den myn 
sehen mer aUo in 
wart hey neit geuo 
nden mir gode wa 
nt als de broeder 
waenden dat hey 
mit in vastde plach 
hey heymjelichen zo 
essen Dis quam ou 
eh zo deme ende syns 
leuens ind dede alle 
de broedere zo eme 
roiffen ind sachte l 
Siet ich byn gegene 
deme drachen zo ve 
rslynden de mit sy 
me Sterze myne 



me gebede vmb in 
zo verloesen, ÄIU zo 
hantz reiffe der sei 
che mynsche myt 
luder stymmen, loff 
haue got. Want der 
drache de mich ge 
nomtn hatte zo ver 
slyndeti ys myt 
vrme gebede ver : : 

38 in fine (Migne 77, S. 394). 

beyn ind v 

hait zo sam . . gebon 
den E^ hait syn hoy 
ft in mynen mont 
gesteehen mi : m . ... 
geist dryn ge : : : : v . .. 
myme licham : do 

dat gesprochen 

sonder merren gaff 
hez vp synen : eis : 

Ind moegen 

wort des ver : : gende 

sunders als I 

säet Hey hait : ra : 

gegessen m 

den gdich eyn . . . 
hen Dit is de . .. 

ind de rode 

senJte Johanne : . . 

schrifl in dei' 

der heymlichcn . . 
hait seuen hör . . . 
zeyn hoynre . . . 
groisse stryt .... 
was in dem : : mede 
michael de vn : de : nd 



1) hei steht am Rande und ist hierher verwiesen. 



78 Willj Scheel. 

2. Hugro von Trlmbepgr, register einer papierhs. des 

Renners *). 

Seite A. 

Von deme haume der vorwicze I 

Von hosin hern die ander rede XV 

Von gebur luden XX TT 

Von halb edel luden XXVI 

Von Cime rabin vnd eime phawen XXIX 

Von allen phaffin gemeinlichin XXXIX 

Von eime fasse vnd eime räbin XLl 

Ein mere wo man funde de groste dor XLIII 

Von eime toolffe fosse vnd eime esel LVII 

Von cappitel brudem LXV 

Von eime dorrechten prelaten LXVII 

Von der gidekeit II distincco LXXI 

Ein mere von einre frauwe bichte 

Die eine slehin afs LXXIIII 

Von bosin mrtenLXXXIII 

Von eime bispile LXXXVI 

Von der ameifsin vnd dem heimeige LXXXVIII 

Von den Beubern CVII 

Abir von Beubern vnd mordem CXVI 

Ein schon Exempel CXVI 

Von schillknechten 

Ein m£re von Beübem CXVII 

Von den Btchtern III distincco CXXII 

Von zivein mülen CXXVIII 

Ein m£re von swein knechten CX XXIII 

Ein tcare mere C XXXVIII 

Distincco qtiarto von frafse CXLVIU 

Von drin eseln CLV 

Von den sunden CLVI 

Von der natem CLVIII 

Ein were von drunkenheit CLX 

Ein mere von eime prelaten vnd geburn CLXX 

abir ein wäre mere CLXXI 

Seite B. 

Ein mere von eime luderer CLXXVI 
Von worffzabel spil CLXXVUI 
Von manchirleie dorheit CLXXIX 



*) Vgl. oben nr. 10. Die hs. hatte 396 bll., ebenso wie die Berliner hs. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 79 

Von jswein Kemppin CLXXXl 

Quinta distinccö vö vnkuscheit CL XXXIII 

Ein sunderliche rede vö vnkuscheit CLXXXUII 

Ein mere von eime tcibe vh manne CLXXXIX 

Ein mere von toibe smucken CLXXXXI 

Diz ist von danczin CLXXXXIII 

Von den kinden CLXXXXV 

Von den meiden CLXXXXVI 

Von kloster nonnen CLXXXXVUI 

Ein mere von eime manne 

der sin frauwin beslofs CG 

Wie liep gode reine frauwe sin CCIII 

Von mannes hegerde CO XV 

Von zome vnd nid€ CCXVI 

Ein mere von eime bachin CCXX 

Ein mere von kong allexander 

Vnd von einre junfrauwin CG XXVI 

Von zwein geuadern CCXXIX 

Aber ein wäre mere CCXXXII 

Diz ist von der logen CCXXXUI 

Von eime mwnche CCXLUI 

Septima distinccö von lasheit CCXLVll 

Von allen erczäen CCLX 

Ein glichnisse CCLXIII 

Von deme fursteine CCLXXXXV 

Von deme kemmel tier CCLXXXXVI 

Von den phennigen CCLXXXXV III 

Von deme lewin CCCIII 

Abir von deme lewin CCCIII 

Von deme helffande CCCIlll 

Seite C. 

Von deme lebarte CCCIIII 

Von deme wiesiniier CCCV 

Von deme panttiere CCCV 

Von deme einhome CCCVl 

Von deme bern CCCVI 

Von deme fusse CCCVI 

Von deme griffin CCCVII 

Von deme biebir vnd dem otter CCCVII 

Von deme vogel Karidime CCCX 

Von der nachtegallen CCCX 

Von der fledermuse 

Von der wesiln CCCX VII 

Von manchirleie bornen CCCXVIII 



80 Willy Scheel. 

Von deme balsemen CCCXX 

Von der frihät CCCXXU 

Von der zeugen CCCXX VIII 

Von de sehs werke der harmherczkeit CCC XXVII 

Eine mere von eime düf.e CCCLIII 

Von den fv/nff vocalibus CCCLVI 

Von mancherliie spräche CCCLVII 

Von der Romer gewonheü CCCLXV 

Ein mere von vier epten CCCLXVIII 

Ein mer vö eime vnstede klosterman L CCCLXIX 

Ein mere von eime eivhome vnd 

eime manne CCCLXXX 

Wie der son nit volgen wolde dem fater CCCLXXXII 

Ein glicfmisse von deme tode 

Wie er kint hub CCCLXXXIII 

Ein mere von eime begebin dinstman CCCLXXXV 

Von evne Konge der hatte vier sone CCCLXXXXII 

Von dem jungesten dage CCCLXXXXIIII 

Von gekriide worcz stein vn worc CCCLXXXXVI 



3. Johann von Würzbupg:, Wilhelm von Österreich^). 

Der folgende abdruck unseres fragments giebt ein getreues 

abbild des originales ; zur vergleichung habe ich die Liegnitzer 

hs. herangezogen, die, am anfang verstümmelt, mit Ba unseres 

doppelblattes einsetzt. Ich habe sie in dem sehr genauen 

auszuge Wilhelm Grimms (Ms. Germ. fol. 927) und einer 

vollständigen neuen abschrift unbekannter band (Ms. Germ. 

fol. 779) benutzen können^), die sich gegenseitig ergänzten. 

(Doppelblatt Aa) die min h^ze dicke vol 

freuden hat geuollet 
Sit daz mich hat becoUet 
Nu d* tot mit listen hie 
5 So geruche got beschirme sie 
alsus ma/n von Ryale 
hört vil d^ quäle 



^) Vgl. oben nr. 11. 

*) Vgl. auch Ms. Germ. fol. 670 und 928, abschriften weiterer bruch- 
stücke, die zu den bis jetzt bekannten hss. und fragmenten (Goedeke, 
Mittelalter s. 865; Grundrisz s. 258; Z.d.A. 27, 91—96 u. Germ. 37, 39—44) 
hinzuzufügen sind. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 81 

je stvaster^) v^ ie harter 

er sprach vil reine zarter 
10 Sufze lip gephinet 

der suzzer schin d^ schinet 

jn mi/nen äugen heitter 

zu hant da wart eyn*leiter 

Geleinet ober sich empor 
15 Da sprach d* ktming melchimor 

Ga/ng her abe du herre wert 

Sehen dich min herze gert 

vfi sage vns nuwe mere 

zu hant der iu/nge achbere 
20 Getorst die wort nit über gen 

Man sag in von dem stule sten 

An d^ leiteten sprossen 

Nieman gesach von schössen 

Die ime sa snelliz geverte 
25 Als da der seszel leerte 

Mit ile zu der erden nider 

An sine rechte stat hin wider 

Da vor ei' gestanden was 

Den Mning wundert harte daz 
30 Für alle wumderliche ging 

Byal d* edele ivmgeling 

was kumme ab d* linden 

Mit Worten gar geswlde 

hiez er in wilküme sin 
(Ab) 35 d» kimng vh die küningin 

v/h alliz ir gesinde ga/r 

Da neig er zuchtenkliche dar 

vfi danket in mit worte doch 

Da sprach d' kuning von marroch 
40 Sagit ir mir we ir siet 

Daz ir so ho gefriet 

Hie schinet von gebwrte 

ey herre min a/ntworte 

hat keyne rede mit gelimpf 
45 Ich tveiz wol daz uwer schimpf 

Mich also hohe rümet 

Mich hat vnheil vertümet 

Des ich bin keyner eren wert 



1 



) st erst angesetzt, jedoch dann getilgt; die schriftzüge scheinen nur 



ganz zart vor. 
. Festschrift. 



82 Willy Scheel. 

Min lip sich keynes lohes gert 

50 Der ez tele iz w : : : w^ spot 
jch eyn armer erleidet tot 
vn bin von frigia her gesant 
Zu uch herre in daz lant 
des hon ich eyne eit gesware 

55 für war : : : were da : v^lom 
Ich teere : : : anden geriten 

. . . hette ich dt : : va/rt 

Da d* kuning ge 

horte im 

60 So uch 

da sprach er zu dem, 

S : sag ich 

da sprach er h^re 

warten wider 

65 vch söl toesen 

von dem ku/nnge von frigia 
da sprach d^ k : : : g ze im sa 
Bistu d> hoden einer 
(B a) davon mir deheiner 

70 Nie liebende wart gelazen 
des muzen sin vorwazen 
die ich (!) her gesendet haben 
des din itmger lip bragraben (!) 
von minen schulden werde sol 

16 des bin ich vngemutes vol 
durch dines libes wölgestaU 
vn vmm£ di wirde mxinifalt 
do von dir ist irschinet 
da wart zuhant gewevnet 

80 vil trahen heiz gesalzen 
die man vz äugen walzen 
Sach vb^ roseleche vel 
manig lieh varwe hei 
wart von iam^ missevar 

85 da wart ein iemerliche schar 
von der frauwen mwnden 
da sie den kuning kvmden 
horten worte noch sine sit 



Vers 58 — 68 sind ganz verblasst. 72 vor ieh ein schräger strich, vielleicht 
die ungeschickte besseriin? in veh, die nicht sah, dass die anrede „du** im 
folgenden wiederkehrt. 81 hier beginnt die Liegnitzer hs. 82 roal&chte L. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 83 

6r sprach du müst an eyn toit 
90 ha/ngen of mine trwwe 

doch müz din dot mir nüwe 

vmmer me zu herzen g^ 

Biz daz der Icunng walwan 

Sin leben git vmme dine tot 
95 Sa zuhant er da gebot 

Daz man den iwnge tete fhr 

aiso daz er den lip ver khr 

ey lieber herre sprach ryal 

Sit daz ich a/ne allen val 
100 vch des dodes schuldich bin 

vn sol da heinen sin 

han zu mime lebene 
(B a) So sint mir heire gegebene 

eyn gäbe d» ich ger 
105 Do sprach der küning ich bin wer 

Swestu mütes daz sol wessen 

an alleyiie din genesin 

des maxMu nich von mir gehabe 

So müz ich werde hie begrabe 
110 des mach leider sin keyn rat 

So bit ich herre daz ir lat 

Mich legen vnder eynes sarkes stH 

daz dar vf w^de gehauwen rein 

Mit d» urkvmde buchstaben 
115 lesdich vfi wol erhaben 

Aglye ach vmm^r we 

jch gesehen dich nimmer mc 

herre ktmng sit ich üch nit me sol lebB 

So heyzet armen luten geben 
120 Waz ich habe hi an mir 

jch man uch herre ml daz ir 

eyner bete geweren mich 

lieber herre alsus han ich 

disser bete hi begert 
125 auch heizet aglye de name wH 

zu mir legen in daz graf 

aller miner freuden staf 

So ml ich dir nit liegen 

nicht wol mir stu/nde triegen 



97 uerliir L. 98 seit L. 112 einen atark/h L. 114 mit urkund der buch- 
Haben L. 120 hi ist darüber geschrieben. 129 Nit wol stund mir kriegen L. 



84 Willy Scheel. 

130 da von soUu sin gewis 
Mit wort ich gebut is 
daz iz erge nach diner ger 
Gnade her^ min sprach er 

135 So sterb ich des die (I) gerner vil 
SU mich eyn vngetruwes spil 
hat in den dot gegeben 

(C a) ^^ 9^^ ^^ '^f ''**^ leben 

der die mich in sele minnet 

140 jr herze ist sa wol besinm>et (!) 
vngeme sie mich sterben wetz 
Da wurden aber traehne heyz 
Geiveinet van den mben 
vfi von magede Üben 

145 die da zu helfe waren 
Büeliche gebaren 
Sach man ir da wol hundert 
Gemeileich vngestmdert 
Sach man sie alle ruuyig gar 

150 du der sa licht gevar 

was, daz nicht verwe erlachs (I) 
vü der grimme tod so rasch 
Sin lieben solt v^derben 
er sprach solt ir mich erben 

155 vch mochte käme of mine tot 
Gewesen so sin rechte not 
An den meren da die clage 
erging nach abenture sage 
da quamen d<ir gerithen 

160 die zwene die strithen 

Mit im helten vmme gemagt (!) 
da wart dem kuning alrest gesagt 
daz der iunge m^re 
jm hette sin dienere 

165 erslagen vfi die magt erlost 
alrest in da den zornes rost 
der ktmng wart empflemet 
Sin h^ze wart ergraemm>et 
of den iungen bitterlich 

170 er sprach iz hait d^ tubel dich 
zu schaden h^ getragen mir 



135 dester L. 136 epn fehlt L. 137 ergeben L. 140 die hs. schreibt 
öfter bei nn einen grundstrich zuviel. 142 ezeher L. 150 Dm er so Li. 151 sein 
varb nit L. 154 die bs. hat vor solt das wort ich ausgestrichen. 161 lies di 
magt. 166 da in des czomes rost L. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 85 

C b) daz alle die weit stunde cm dir 

So wer verloren din genesin 

da sprach der itmge vz erlesen 
175 Ir hat getrauwet mir gnhg 

vfi daz mich noch keyner sUg 

jch han des lebes (!) mich erwegen 

Solt ich strites geyn üch pflegen 

vwer eyner Uz mich gan 
180 da/nne dez ich dar zu han de wan 

Daz ich erlich wurde begraben 

ez were eyn vechten a/ne gehabe 

daz ich düch lege werlich dot 

Sit mines dodes is heyn berot 
185 So mag ich doch wol frauwe mich 

daz [Lücke] ach . . lesterliche 

den dot erworben 

ez ist dur ip erstorben 

Manig w : : derlicher lip 
190 Als bin ich durch eyn wip 

jn den dot da her geriten 

jch mag auch nit wal wid^ üw^ sitS 

da von sal ich mich sin erwege 

zu hant dar wart die iüge dege 
195 Gebunden als eyn velscher dif 

Owe sprach er h^ze lif 

Eeyne frucht aglye 

Wer sal zu dir amye 

Sprechen wandeis ane magit 
200 owe daz iz dir it werde gesagit 

Daz ich sa lesterlichen hie 

Sterben müz vfi ich doch nie 

Gewarp nach keynem lastet 

dar wart aber faster 
205 Geweine dan vor geschmh 
Q)j^\ Manig reyne frauwe sprach 

Mähmet vü iupiter 

Terfiant vfi bilwer 

Mochtet ir wenden 
210 Des (!) vmhilche sehenden 

daz man[n] am. disme mäne begat 



175 getroet L. 180 TFan L. 181 ich steht in hs. hinter wurde, ist aber 
durch zeichen an seine richtige stelle gesetzt; L Bas ieh erlich werd, 189 stoUzer L. 
190 Also L. 193 Da uoft so han ieh mich sein erwege L. 194 Hinter zu in der 
hs. ein durchstrichenes lo. 196 (rot) Sie wurden Wilhelm die hend gebunden 
vnd soU sterben L. 205 Qeweynt L. 207 Ey machmet L. 



86 Willy Scheel. 

der schände nie getrihen hat 

das vns zeugen sin gestalt 

da wart d^ iunge degen halt 
215 faste gekropstozet 

da van rf» iamer grozet 

aber an den wiben 

Nu wü ich lan hlihen 

die rede da mit sage 
220 vü Icund : : nu 

Wer ich d : : [Lücke] : : : : : : ; : eyn hur 

jch wölt f : : : : : : : e natur 

wwnderliche me : 

ob si des sittens w : : | 

225 des ich an sie wenent bin \ 

Swa beit mut : : : : : : : 

An zweyn sich h : : : : : eynet 1 

rf» ieweders : : : net 

des and^ vfi ni : : : : : me 
230 Ob god dem ein : : : : :t we 

Das iz das an ,. ,, indert sieht 

v9i sie die : : : : : geschit 

Eyn ander beide : : : entwert 

ob des gemute : : : ; t w^de v^sert 
^35 die h^zen liebe : : : üm£r le : : 

Ja de minne : : : he gef : e : : 

hat mich d : : vnder scheide 

Swes h^z : : : : : : lei : en 

Swebte in des : : mers flüt , 

240 Sin getruwes h^ze gut 
(Db) ktmdet ime die pine 

Daz in dem herze sine 

jamers vil of quiUet 

Ez heuwet vn billet 
245 vz herzen manig valtig leit 

daz bezüget vn seit 

die minne wandeis frie 

van sicia aglye 

Nu allis liebes fugerin 
250 Minne süzze hmngin 

wiltu mir eliche sage 

Mnden von der grosen clare (!) 



213 czeigt L. 219 nnit hs. ; mit dag L. 221 gebur L. 229 Das L. 231 Da» 
eins das ander nicht ensicht L. 235 So Mzen liebe L. 236 die nun L. 
238 Weihes h. L. 247 die nun L. 251 etlieh L. 252 elag L. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 



87 



(Einzelbl. Aa) 



die lief noch liebe han getan 
uoiszen of den wan 

255 : : : : ; ; ort ich gerne sagen 

: : : sprach diz groste dage 
: geschach van luiten 
wil ich dir hetuten 
: : sages aiich da von 

260 ; : : han den site vn hin gewon 
: ch d^ besten achte 
t ich edel vn geslachte 
w : : : vfi auch erkenne 
d^ selben zwei ich nenne 

265 die wandeis frie 
: : : : : niginne nglye 
die : : : : t sich in iamers gelme 
N : : : eyne den Wildelhelme 
N : : : : t in dem brünne 

270 Lebten ie in wunne 

Di : : : daz hoit vor ändert sich 
also da,z die quäl ich 
A : : : heymelichen saz 
Sie sprach owe herre waz 

275 Du mir iamers fugest 
Vnde huffest vn rügest 
Of mich daz dller groste leit 
Min herze wil in bitterkeit 
Niemen ein geuelle 

280 Owe sprach gelle 
Schoner lieber truter 
Din getruwes herze luter 
Hette mich so zart 
Nu wetz daz du hart 

285 Mich arnest vf (?' ferte din 
Min herze kündet mir die pin 
Di du von minen schulde hast 
Owe dot daz du mich last 
leben eyne stunde 

290 Nu was ich doch von gründe 
des h^zen sin truttinne 
Owe suzze minne 
Sal ich sin halben mangel 
So lit des iamers angel 



265 hie die L. 268 den man L. 274 Die L. 279 Nemen L. 280 so die 
hs.; L geselle, 281 Schönster liebster L. 284 tcei/s ich L. 



88 Willy Scheel. 

295 verborgen in den wünnen 
Dar ich mich soU künnen 
Mit im sunder sorgen 
Da von so muz ich worgen 
In den freuden minen 
300 Owe vü solt ich dinen 
lip gesehen nummer ms 
So muz ich han eyn Werdens we 
zu nemende alle tage tegelich 
Qual iamer leide vn ich 
305 In ein summe sint geschrihen 
In dlleme (!) liebe mich vor triben 
hat der küning von frigia 
Einzelbl. A b) • och weisze wol dar er nvt da 

: : gen sol dar min gelust 
310 : yal lit in miner brüst 
In mangualder zerte 
Ist dort sin leben herte 
Als ist auch hie daz mine 
Owe ujie gerne ich sine 
315 Jugent bi mir hette 
In sinem herze stete 
Waz ich eyn zarte wimüge 
Sin togenthafte zwnge 
Den frawen ie das beste sprach 
320 Owe wie rechte gerne ich sach 
Den zarten mannes lieb 
Mines herzen lieit (!) vertrieb 
was er vn min lucerne 
Ich sag en (!) also gerne 
325 Das mich des nith duckte 
Das schöner ie geluchte 
Vf erden weder genz noch diz 
: : : : : t d* kuning sin gewis 
: an frigia mirme 
330 S : moch (!) ich mich gewinne 
Wol : umen vn se geschege daz 
vfi solt mir auch sin gehaz 
alle die den ez vorqueme 
Daz ich den weszel neme 
335 den künng rmime diesen 



296 Das ich mich nit solt L. 299 An den L. 302 werndea L. 308 Doch 
mit nicht er da L. 309 Ligen; mit gelust L. 310 Myal L. 320 ich in L. 321 
SinenL,, 324 in L. 328 Nu wmd L. 329 miner minn L. 330 So moc/U 
ich mich vngewinn L. 331 Wol rumen L. 



Die Berliner Sammelmappe deutscher fragmente. 89 

ey must vf eyn wisen 

Ich werden ane heuwet 

Sit mich der küning be[be]reuhet 

hat er haz den (ostenj vründe min 
840 So müz auch er ane sin 

Der truischaft min zu male 
(Einzelbl. B a) Also saz sie in der quäle 

Sie quelt sich müh grozzer dar (!) 

hie mit ich abe sumes war (!) 
345 Wider Teere gen marroch 

ad Byal gewangen noch 

an disem meren wart verteilet 

Byal vfi da bi geseilet 

viit eyner wit vmme sine nag 
350 Do sprach eyn furste von baldag 

herre is dwncket mich nit gut 

das ir an disme manne tut 

So vbel daz ist nit min rat 

ist daz iz uch vbel gat 
355 So wirt vwer spotten 

des bobestes gebotten 

Solt ir daz vmme lügen 

So tatet ir mit fugen 

Diesen iungen herren 
360 Nu was mag üch gewerren 

Daz ir zu ime sendet vor 

Da sprach d> kunng melch : : : : 

Ir habet mir geraten wol 

Da von ich uch völgen sol 
365 vfi wil daz uermiden nicht 

zu hant eynen boten schic. . . 

vfi liez bereite im die pfert 

Auch rüste sich manig d&ge wH 

vf die ruweliche ban 
370 hie mit kert der küning dan 

Mit einer groselicher schar 

Sins geuangen Uz er neme war 

Da wart gefurit wnmrdeklich 



336 E must vf einer wisen L. 338 Das zweite be war ausradiert, scheint 
aber noch durch. 339 Das eingeklammerte ist in der hs. darüber geschrieben; 
L. Hat der höchsten f roden min ; unsere hs. bessert also, lässt «aber dabei falsches 
stehen! 343 kor L. 344 Sie mit ich von disem sum var L. 345 Wider hin L. 
355 So Wirt man ew^ spotten L. 357 ir dor vmb lügen L. 358 mir L. 366 Die 
letzten buchstaben unleserlich; Zu hant nach eynem boten er schickt L. 
371 grozzen L. 372 hiez L. 



90 Willy Scheel. 

zu haidach in die stat rieh 

375 die heizet in arabisch mech 
dar inne^ d> Jcwnlg sadolech 
Einzelbl. B b) en schone bethus hat gemacht 

daz der hitnel hat bedacht 
jn mahmetis ere 

380 Den kuning sag mä leere 
Gen den selben tempel 
von rotten grozze trempel 
hört man mit brach da vor 
vor dem palas melchimor 

385 er beszet noch Jcuninglich^ art 
kalif d' babest gefurit wart 
Gen dem kvmnge melchimor 
Sin gevangene stunt davor 
dem palas sere gebunden 

390 d^ babest da zu stunden 

eyntpflg den Jcüning noch sine site 
Gnade herre ich teil uch bittn 
Sprach d* babest Jcalif 
uW sin d^ ducket mich beswif 

395 Mit zorne was ist üch gesehen 
Sagz mirs ich uch dar vm spehe 
vm vns^en got mahmet 
dem wil ich dün ein sulch gebet 
Mit miner cantnie 

400 Das sin helfe bie 

Vch Tcreftekliche vnrdet schin 
Du/rch den last des zornes pi 
Sit daz sin lip hie ruwe hat 
Swebende in dem tempel stat 

405 Das graf vü d' geweite sin 
Swaz ie de edelin sarradn 
Gote gewunnen die sint nich 
Gen mahmet den mä hie bi vns sich 
Sweben in den lüften 

410 Sin helfliges guften 

han ander gote zustoret 



375 arabischer L. 376 ladoleek L. 377 £in schönes L. 378 Das dann L. 
379 eren L. 380 Hinter sag der hs. kere ausgestrichen. 381 Gen detnsselöen L. 
385 Erbeizzet L. 396 Saget mirs kan ich dor vmb spehen L. 397 Vmb L. 
399 canoney L. 402 lat L. 405 von dem L. 407. 408 L. nicht : sieht; vgl. 
366. Oder ob dialektisch? 



IV. 

In dulci iubilo. 

Ein jubiläumsbeitrag aus der geschichte der 

lateinisch-deutschen mischpoesie 

von 

Johannes Bolte. 



Eine eigentümliche und auf den ersten blick befremdende 
erscheinung in der geschichte der poetischen form ist die ein- 
mischung lateinischer worte und sätze, die uns in der geist- 
lichen und weltlichen lyrik Deutschlands seit dem 10. Jahr- 
hundert häufig entgegentritt, und deren bekanntestes beispiel 
in dem schönen weihnachtsliede ""In dulci iubilo, nun singet 
und seid froh' vorliegt. Die gründe dieser von strengen 
sprachmeistern als barbarei gescholtenen sitte sind, wie schon 
Wilhelm Wackernagel und Hoffmann von Fallersleben erkannt 
haben, mehrfache. Der geistliche dichter des mittelalters, der 
sich auf seine gelehrsamkeit etwas zu gute that, hielt die ein- 
gelegten fremdwörter für eine besondere zierde seiner rede *) ; 
gern fügte er auch, wenn er kirchliche texte verdeutschte, 
die worte des Originals seiner paraphrase oder glosse ein. 
Mehrfach war es ferner während des 15. Jahrhunderts ge- 
brauch, dafs klerus und volk beim gottesdienste im vortrage 



^) MüUenhoff-Scherer, Denkmäler zu nr. 18. Piper, Die geistliche 
dichtung des mittelalters 1, 11. Junghans, Die mischprosa Willirams 
(Berliner diss. 1893). 



92 Johannes Bolte, 

lateinischer Sequenzen und deutscher zeilen abwechselte^), wie 
auch in der lutherischen kirche bisweilen die gemeinde die 
vom chore vorgetragene lateinische Strophe in deutscher fassung 
wiederholte^). Der weltlichen dichtung aber erwuchs in der 
Verbindung der feierlichen kirchensprache mit unheiligen 
Worten und gedanken ein wirksames und schon von den 
Vaganten gern benutztes mittel, komische eflfekte zu erzielen®). 
In solchen kecken, oft ausgelassenen parodien werden die 
jedem vertrauten klänge der messe mit Schilderungen eines 
heiteren trinkgelages, leichtfertigen Venusdienstes, hartherziger 
Wucherei oder mit erbitterten angriffen auf religiöse und poli- 
tische gegner verwoben. Endlich begnügen sich auch ver- 
schiedene dichter, auf parodische anspielungen verzichtend, 
mit dem kontraste zwischen den fremdartig klingenden latei- 
nischen Worten und der Volkssprache, der in der macaronischen 
poesie noch verschärft wird durch die anhängung lateinischer 
flexionsendungen an deutsche wortstämme. 

Auf den folgenden blättern sollen aus den auf deutschem 
und niederländischem boden während des 16. — 19. Jahrhunderts 
erwachsenen erzeugnissen der profanen mischpoesie einige 
unedierte proben ausgehoben werden. Möge sie der verehrte 
Jubilar als eine bescheidene zugäbe zu der vor ihm auf- 
getischten lanx satura mit wohlwollender nachsieht aufnehmen ! 
Das beigegebene register verzeichnet ausser den von Hoffmann 
von Fallersleben vor 42 jähren in seinem büchlein 'In dulci 
jubilo' zusammengebrachten liedern alles, was ich bei rascher 
Umschau an nachtragen erreichen konnte. Absichtlich aus- 
geschlossen jedoch habe ich die hexametrischen kalenderverse, 



^) Bäumker, Das katholisch-deutsche kirchenlied 1, 539. 626. 2, 12. 
Vjschr. f. musikwissensch. 4, 194 nr. 16. 

^) Seinecker 1564 bei Ph. Wackemagel, Das deutsche kirchenlied 
4, nr. 321 f. Liliencron, Liturgisch-musikal. gesch. der ev. gottesdienste 
1893 s. 16, 18 u. ö. 

^) Novati, Studi critici e letterari 1889 p. 177—310 ^La parodia 
Sacra neue letterature moderne\ 



In dulci iubilo. 93 

Vokabularien , zeitsatiren und schreiberwitze dieser form ^), 
ferner neuere gedichte, die wie Goethes Ergo bibamus nur 
als refrain ein paar lateinische worte enthalten^), oder die 
zwischen die Strophen eines lateinischen poems vollständige 
deutsche Strophen gleichen oder kontrastierenden inhalts ein- 
sehalten®). Dafs dieselbe einmischung lateinischer worte auch 
in der französischen, italienischen, spanischen, englischen, 
schwedischen, böhmischen, polnischen, bretonischen und irischen 
poesie begegnet, sei hier wenigstens in kürze erwähnt*). 

1) Hoflfmann, In dulci jubilo s. 20 und Mein leben 2, 243 (1868). 
W. Wackernagel, Kleinere Schriften 2, 205. 0. Schade, Weimar, jahrb. 
2, 409. Goedeke, Grundrifs ^ 2, 511. Ferner z. b. Ztschr. für gesch. 
Schlesw.- Holst. 4, 395. Anz. f. k. d. d. vorzeit 1873, 304. 1874, 148. 
1875, 183. 1880, 174. 1881, 240. Germania 36, 179. Zs. f. d. alt. 27, 42. 
32, 445. 34, 51. Zs. f. d. phil. 11, 319. Alemannia 17, 257. Monatsschrift 
für rhein.-westfal. gesch. 1875, 580. 

2) Viele Studentenlieder. Eichendorff, Werke 1, 284 (1864). Geibel, 
*Ein lustger musikante». Jul. Wolff, Der wilde Jäger 1877 s. 56; Singuf 
1881 8. 116. 139. 160. 188. — Hoffmann, Nid. geistl. lieder 1854 nr. 6. 9. 

13. 19. 88 98. Bäumker, KL. 1, 319. 412. Vjschr. 4, 195. 306. 311. 320. 

3) Scheffel, Frau Aventiure 1876 s. 109. Dahn, Gedichte, 2. samml. 
1873 8. 216. 241. 577. Baumbach, Lieder eines fahrenden gesellen 
1881 8 92. Weinkauff, Almania 2, 182 (1885) S.-B. d. Wiener ak. 54, 324. 

^) Französisch: E. Du M^ril, Po^sies populaires latines ant. au 
12. si^cle 1843 p. 96. 100; P. pop. du moyen äge 1847 p. 207. Wright, 
Anecdota litt. 1844 p. 43. P. Paris, Mscr^ frauQ. de la bibl. du roi 1, 
308 (1836). Leroux de Lincy, Chants historiques fran^ais 1, VH (1841). 
Nisard, Hist. des livres pop. ^ 1, 293. 312. Barbazan-M6on, Fabliaux 
et contes 4, 99. 106. 441. 445. 485. Montaiglon, Recueil de po^sies fran9. 
des 15. et 16. si^cles 1, 150. 9, 191 ff. 254. 276. 11, 253. 13, 186. 0. 
Basselin, Vaux-de-vire ed. P. L. Jacob 1858 p. 83. Bartsch, Ztschr. f. 
roman. phil. 8, 537 und Jahrb. f. roman. litt. 12, 1 (provenzal.). Hoff- 
mann 1854 nr. 57 «= Grässe, Bierstudien 1874 s. 150. Novati, Studi 
p. 199 u. ö. — Italienisch: Du M^ril 1843 p. 101. Novati p. 207. 
305 u.ö. — Spanisch: Novati p. 197. 201. 204. 219. — Englisch: 
Weinhold, Weihnachtsspiele 1853 s. 381. Böddeker, Jahrb. f. rom. litt. 

14, 354. 356. Breul, Engl. stud. 14, 401 ff. — Schwedisch: Arwidsson, 
Svenska fomsänger 3, 104 = Visböcker utg. af Noreen och Schuck 1, 
79 (1884). — Böhmisch: Feifalik, Sitzgsber. d. Wiener akad. 39, 696. 
716. 720. Jireöek, Dgjiny literatury öeske 1, 2, 5 (1875). — Polnisch: 
Brückner, Abh. d. Krakauer akad. 22, 59 (1893). — Bretonisch: Novati 
p. 261. — Irisch: Hoffmann 1854 s. IIL 



94 Johannes Bolte, 

1. Nonnenklagre. 

Monicelle incarcerate 
Syn wy gheweest ouer mennich jaer, 
Wt te comen hebben wy groet vaer 
Ad seculum in veritate. 

1. Simplices adhuc domicdle, 

Seer scoen in onsen ionghen tyden, 

Fade fuimus monicelle 

Wt bedroch, dy ons benyeden; 

0ns maghe preeckden tallen tyden 

Depingendo nobis infernum^ 

Vt nunc essemus in eternum 

Et in äbysso inserate, 

Monicelle incarcerate etc. 

2. Patres nostri manducauerunty 

EUic weet wel, soe wat ick meyne, 
Mundana nobis negaueru/nt 
Dyckwels syck van Venus fonteyne, 
AI warui suuer ende reyne, 
Cupido tarnen nos inuenit, 
Qui nostra corda interemit 
Grudeiis teli daritate. 

Monicelle incarcerate etc. 

3. Cor nobile et feminüe 

Heeffc veel ghepens in synen synne, 
Ardenter amat et non vile, 
Des dyckwel vynt seer cleyn ghewynne. 
Waer wy daer wt! wy syn daer ynne, 
Sic nos Cupido semper tenet, 
Claustralis viia nosque tedet, 
Feruet Venus exuiscerate. 
Monicelle incarcerate etc. 

4. Farentes nostri nos fugarunt, 

AI war wy gheweest haer vianden, 
Sorores nostras, quas dotarunt 
Met hären stat in hulix banden. 
Des moeghen wy wel slaen ons banden. 
Prudentes tenere puelle, 
Sic nos ut ipse sumus belle, 
Sed nie magis fortunate, 
Monicelle incarcerate etc. 



In dulci iubilo. 95 

5. Yna semper in graui luctu, 

Dy ander in feeste, in vrouden. 
Ämoy germa[na] viuit in frudu. 
Och god, dat men oit ghevonden 
Cioesters, des wy ons nv berouden. 
Quanta suh nostra tumicella 
Begnat inuidie proceUa! 
Nichil hont ex caritate. 

Monicelle incarcerate etc. 

6. 8i per sortem nohis directam 
Syn wy beghinen totter kerken, 
Quis cogitasset tantam sedam 
Onder papen ende clercken! 

AI syn wy cuis, men wylt ons mercken 
Cum pastore d capellano, 
Cum fadore d ortulano, 
Gelosia cum castitate. 

Monicelle incarcerate etc. 

7. Ceca^ fällax, surda et dura 

Is ons fortuin in desen leuen, 
Semper ridens, numquam secura, 
Aldus dan hebwy ons vergbeuen, 
Ons leuen toch hebwy begheuen, 
VeUe nostrum nolleque iacety 
Nunc ahbatisse quando placet. 
Numquam sumus in Ubertate. 
Monicelle incarcerate etc. 

8. Si parentes nostri antiqui 
Myts haer stout oft negligencie 
Erant pauperes avt mendici, 
Laet hen doen dy penitencie! 
Want warechtich [is] dy sentencie: 
Qui deliquitj sit castigatus 
Innocensque sit liberatus. 

Sic nos iniuste condempnate. 
Monicelle incarcerate etc. 

9. Inuentor claustri inimicus 

Moyst hy wael syn van scoenen vrouwen. 
Aut erat inops aut mendicus, 
Ick hoep, hy maechs hem wel berouwen. 
Want dy werelt wyluy gam bouwen 



96 Johannes Bolte, 

Et res amando [?] nosirum tempus. 
Sit adolescens heneventus 
Bemota tiostra castitaie! 
MoniceUe incarcerate etc. 

10. lam iam omni cum remedio 

Dy werelt wyllen wy versuyken, 
Vilem artem sine tedio 
Lyuer toch solden wy ghebruyken 
Dan totten cloester, totten buycken 
Beuerti, et in miseria 
Dimittamus monasteria 
Gaudendo in calamiiate! 
MoniceUe incarcerate etc. 

11. CecCy daude et gybbose 

Dj suUen in haer cloester blyuen, 
CuruCf glauce et herniose, 

Versust [versuft?], verrumpen, swert van lyuen, 
Oich dy syn seer quade wyuen, 
Iste in claustro Stent detente, 
Et graciose sint redempte, 
Mundo, Veneri dedicate, 
MoniceUe incarcerate etc. 

12. Si mors repente nos non premit, 
Onsen tyd süllen wy verbalen, 
Nunc cor non languet neque gemit, 
0ns lyefkens moyttent al betalen. 
Nw laet ons dan al sonder dualen 
luhilare nunc cum Venere, 

Cum Bacclio atque cum Cerere! 
Nunc erimus in libertate, 
MoniceUe incarcerate etc. 

Finis. 

Aus der 1520 — 1530 geschriebenen Brüsseler foliohandschrift nr. 10 941, 
bl. 188 b : Latnentatio monialium scripta per M, Wüboräum Mathei anno X Ve. quarto. 



2\ Tplnksppucll (niederdeutsch). 

1. Venitey [gy] leuen gesellen, aen sorgen! 
De werdt wil vns borgen 
Den auendt als den morgen 
Salutari nostro^ 



In dulci iubilo. 97 

Darümm scbölln gy nicht syn vortzaget; 
De werdt hefft eine schöne maget. 
De hefft my n echten thogesaget 

In confessione; 
Vnd kan se vns nicht all bestan, 
Se will ein hülprin tho sick han. 

luhilemvis ei! 



2, Quoniam vnd ifft wy erfören, 
Dat wy de wörpel worden rören, 
Wat hülp vnse flökent vnde sweren 

Super omnes deos, 
Wat hülpe vnse flökent vnde scheldent, 
Den wyn möten wy vorgelden. 
Daran gewinnen wy seiden 

Omnes fines terrae; 
De werdt nimpt an nene mest noch schwerdt, 
Ydt sy denn des geldes dremal werdt, 

Ipse conspicit. 



8. QiAoniam de werdt hefft sick geschicket, 
Den disch hefft he angerichtet, 
Damp gesettet gl^ß vnd kröß wol geputzet, 

Fundaverunt manus eiuSy 
Mit fröuden will wy supen, 
De wyn springt vth den druuen, 
De vns hefft gegfuen 

Dominus deus noster. 
De werdt drecht en vp in krnken vnd flaschen, 
He weth wol geldt in vnsen tasschen, 

Oves pascue eius. 



4. Hodie van my schölln gj nicht wencken, 
Kröse vull wil ick yuw inschencken, 
Dat gy deste bett mögen s wencken 

In corda vestra. 
Ick weth gude wörst vnd ein swynebraden, 
Darup mach vns ein stolt drunck geraden, 
Als vnse Öldern daden, 

Patres vestri, 
Idt was vnder en keiner allein, 
Se drüncken bett vp den drüdden stein 

Opera mea. 

Festsohrift. 






> j 



98 Johannes Bolte, 

5. Quadrag'mta, veer vnd veertich buren de seten in einer zecbe 
Vnd deden vel gl^ß vnd kröse thobreken, 

Dat ick thom lesten wardt sprfken: 

Hi errant corde, 
Do hadd ick glück vnd heil vmme se vorscbüt, 
Se worden my mynen kop ernitten. 
Do wünscht ick en den ritten 

In ira mea, 
Do sprangen se up mit grotem schal 
[Vnd Jagden my in den peerdestal] 

In requiem meam. 

6. Gloria, inn dem stall wart ick beslaten 
Van densüluen drüncken apen. 

Do kollatzde ick de nacht by den rossen 

Spiritvi sanctOy 
Do klammerd ick vp wol an den wenden 
Vnd vel wedder vp myne lenden. 
Dat se de dtivel sehende 

Et nunc et semper, 
Dat erer nein by den ehren bliff, 
Dat men se vth dem lande vordriff 
Mit all eren kindern vnd wyff 

In secuta seculorum, 

Ver schöne le | de, Vam Slömer. Dat ander, Ve- | nite gy leuen Ge- 
sellen ane sorgen. | Dat drüdde. Van söuen Stalbro- | dern. Dat veerde, Van 
den acbtein | eigendömmen der Drenc- | kers. 4 bl. 8^. o. o. u. j. (Berlin Yd 
9509; vgl. Jahrb. f. nd. Sprachforschung 19, 168), 

Das stück beruht auf einer hochdeutschen vorläge, die uns in zwei 
fliegenden blättern aus der mitte des 16. Jahrhunderts erhalten ist, a) Ein 
hübsches liede, Wo soll ich mich hin keren. Ich thummes brüederlein. Ein 
ander lied, Venite jr lieben gesellen one sorgen (4 bl. 8^ o. o. u. j. Berlin 
Yd 9496). — b) Ein hübsches liede, Venite, jr lieben gesellen one sorgen etc. 
Nürmberg, Georg Wächter. 4 bl. 8® (Berlin Yd 9489j ; abgedruckt von Hoff- 
mann V. F., Weimar, jahrb. 6, 51. Beachtenswert sind einige lesarten von 
a, wo b und die nd. Übertragung zusammenstimmen: 2, 1 erfrüren (b: er- 
füren); 5, 6 mein grynd erschitten (von erscheiten = zerscheitem, während 
die lesart ernitten in b von dem verbum nieten, nd niten = schlagen, stossen 
abzuleiten ist). 

Die ersten zeilen unseres liedes hat auch Georg Forster 1540 in einem 
vierstimmigen quodlibet (Teutsche liedlein 2, nr. 3) verwertet: 'Kumbt her 
on alle sorgen, Der wirt der will vns borgen Den abent als den morgen 
Salutari noatro^. 

Eine ältere hochdeutsche fassung, die Schletter nach einer Leipziger 
handschrift des 15. Jahrhunderts im Berichte der deutschen gesellschaft in 
Leipzig 1842 s. 62 veröffentlicht hat, stimmt nur mit str. 1, 1—4; 2, 1—11; 
4, 5 — 8; 5, 1—2 überein. Auch ist sie in anderer strophenform geschrieben; 
der abgesang enthält nicht drei, sondern gleich den stollen vier verse mit 
dreifachem reime. Unserer str. 2, 9-11 entsprechen also dort die verse: 



In dulci iubilo. 99 

^Dem wirt ist sein mut verkert, | Er nympt vns rock, mantel vnd Hwert, | 
Sint sie nicht des geldes wert, I Ipae cotupieit,^ 

Das mutwillige zecherlied parodiert den als anfang des breviers all- 
bekannten 94. psalm: ^Venite^ extUtemtit äomino^^ indem es zwischen die bei 
-der kirchlichen Verlesung hervorgehobenen worte einen ausgelassen profanen 
text einschaltet. Dergleichen Verhöhnungen desselben kirchlichen lese- 
abschnittes sind in grofser zahl vorhanden : zwei andere schlemmerlieder bei 
Hoffmann, In dulci jubilo nr. 31 — 82, zwei ähnliche unedierte stücke einer 
Wiener handschrift des 16. Jahrhunderts (nr. 4117), zwei schmutzige liebes- 
scenen zwischen mönch und nonne in den Münchener handschriften Cgm 879 
und Clm 15602. In anderen fällen ist auch das voraufgehende invitatorium 
mit eingeflochten, so in dem durchweg lateinischen gedichte, das Feifalik 
in den Sitzungsberichten der Wiener . akademie 86, 174 nach einer Prager 
aufzeichnung des 15. Jahrhunderts abgedruckt hat: ^Circumdederunt me luaorea 
^ bibuli, iatronea pincerne circumdederunt me^, femer in einem aus Brabant 
stammenden protestantischen libell wider die römische kirche, von dem ein 
nd. nachdruck um 1585 erschienen ist: ^De dudesche vigilie'^), in dem das 
Yenite mit dem invitatorio anhebt: ^Circumdederunt m« mönnicke vnd papen, 
nunnen, canoniken circumdederunt me. VenitCj leuen gesellenn van dem 
Bömschen don.' Hier ist die psalmstelle 17, 5: ^Cireumdedetunt me dolorce 
mortis j dolores infemi circumdederunt me^ nachgeahmt; dagegen wird auf das 
im brevier der Franziskaner verwandte invitatorium ^Adoremue dominum^ qui 
Jeeit noa^ angespielt in einem launigen französischen mischliede: ^Venite^ 
potemua. Venite, mes gentes tetines' (Novati, Studi critici e letterari 1889 
s. 802). — Entfernter steht eine französische dichtung von 1581 (Montaiglon, 
Becueil de poösies fran^aises des XV. et XVI. si^cles 11, 2ö8; vgl. 12, 41) 
und ein nur mit der anfangszeile hergehöriges lateinisch-niederdeutsches lied 
des 15. Jahrhunderts: ^Venite, myne gesellen, et audite^ (Bartsch, Nd. jahrb. 
11, 187). 

2^ Trinksppuell (niederländisch). 

1. VenitCj ghy lieve ghesellen sonder zorghen, 
De waerd die wil ons borghen 

Den avond als den morghen 

Sälutari nostro, 
En weest daeromme niet vertsaeght; 
Want de waerd heeft een so schoonen maeght^ 
Sj hevet my laetstmael toegesaget 

In confessione. 
Ende kan sy ons niet al bystaen, 
So wil sy een hulpster tot haer haen: 

luhilemus ei. 

2. Quoniam ende oft wy vervoeren, 
Dat wy de teerlingh wouden roeren, 
Wat holp ons vloecken en sweeren 

Super omnes deos? 



1) Berlin Yd 7822, 5. Mitgeteilt von Hoffmann von Fallersleben, Weimar, iahrb. 
6, 43-51. — Vermutlich ist dies der 1546 von der LOwener theologischen fakult&t 
verbotene traktat <£en nieuwe zuverlicke vigilie int duytsche, met den Pater noster> 
(Beusch, Die Indices librorum prohibitorum 18S6 s. 41). 



100 Johannes Bolte, 

Wat holp ons vloecken en scheiden? 
Den wijn moeten wy noch verghelden, 
Wy en ghewinnen daer aen seiden 

Omnes fines terrae. 
Ons waerd neemt aen gheen mes noch sweert, 
Ten zy dan driemael het gheld weert: 

Ipse compicH, 

3. Quoniam de waerd heeft hem gheschicket, 
Hy heeft de tafel aengherichtet, 

Met glasen en kroesen ghestichtet, 

Fimdaverunt manus eius, 
Seer vreuchdelick willen wy zuypen, 
Den wijn komt wt de druyven druypen, 
Die ons hier, heeft gegeven 

Dominus deus noster. 
Ons waerd draeght op in kruyckeu en in vlesschen^ 
Hy weet wel gheld in onse tesschen, 

Oues pascue eins, 

4. Hodie van my en sult ghy niet wencken, 
Kroesen vol wil ic u in schencken^ 

So meught ghy dies te beter swencken 

In corda vestra, 
Ic weet goede worsten van een swijne gebraden, 
Eenen goeden dronc machmen daer op geraden, 
Als onse ouders daden, 

Patres vestri, 
Ten was onder hun geene voor hem alleen, 
Sy droncken al heen op den derden steen 

Opera mea, 

5. Quadragifita, vier ende veertich boeren 
Zaten der aen eenen vollen kroes in roeren 
Ende deden veel kannen ende glasen breken, 
Also dat ic op't leste ging spreken: 

Hi errant corde. 
Ic hadde gheluc, verstaet wel ditte, 
Sy wouden my op mijnen kop sitten, 
Ic wenschte hen doe de ritten 

In ira mea, 
Sy spronghen doen op met groot geschal 
En jaeghden my int paerden stal 

In requiem meam. 



W « t I 



k 



fc. 



In dulci iubilo. 



101 



6. Gloria in den stal werde ic besloten 

Vande droncken apen, theeft my verdroten, 
Ic logeerde die nacht byde rossen 

Spifitui sancto. 
Ic klaverde op al aen de wanden 
Ende viel doe weer neder op mijne lenden. 
Dat haer alle de dujvel sehende 

Et nunc et semper, 
Gheener en moet by't sijne blyven, 
Ja men behöortse wt den lande te dryven 
Met al haer kinderen ende wijven 

In secula seculorum. 

AMEN. 



Aus der viele interessante ältere dichtungen vereinigenden sammlang: 

Veelderhand$ QeneuchHeke dichten, Tafel-apeien ende Refereynen. Antwerpen, 

Jan van Ghelen 1600, Bl. H^ja: <Der Dronckaerts Liedt, sötte Benedictie 

-ende Gratias\ — Vgl. über dies buch Bolte und Seelmann, Niederdeutsche 

Schauspiele älterer zeit 1895 s. *6. 

Der niederländische text ist aus der niederdeutschen fassung (freilich 
AUS einem anderen drucke als dem unter nr. 2 a wiedergegebenen, in str. 5, 10 
unvollständigen flugblatte) geflossen, nicht aus dem hochdeutschen originale, 
-da die worte ^ vande droneken apen^ in str. 6, 2 mit dem nd. übereinstimmen, 
während es im hd. liede ^von denselben trunken foesen* heifst. 



3. Des scUemmers tischgrebet. 

a) De sötte Benedictie. 



1. God wilt al seynen 

Voor buylen, voor bleynen, 
Groot ende kleynen, 
Kort en lanck, 
Stoel en banck, 
Werc en danc, 
Keden en sanc, 
Kreupel en manc, 
Sotten en sottinnen^ 
Dicke en dinnen. 
Mager en vet, 
Zo mach ic bet 
Zeggen aldiis: 
Btnedmie dominus. 



2. Meyskens, knechtkens, 
Tuytkens, vlechtkens 
Ende alle gerechtkens, 
Orangiekens, 
Lamoenkens, 
Wy compangjoenkens 
Zijns alle verdoenkens 
Sottekens, keykens, 
Leckerkens, leykens, 
Vlaeykens, pasteykens, 
Poeder en bus : 
Benedicite dominus. 



102 



Johannes Bolte, 



3. God seyne hier wijn, 
Verjuys en azijn^ 
Galentijne, 
Moataert, 

Goed vleys en taert, 
Twelck wel invaert 
Ende alle druc spaert. 
Ooc waert verklaert, 



Datmen elcken stelde 

Na sijnen gelde: 

Want boer Jan Kruysken 

Ruymt t' onsent thuysken 

God seynt koc en krauwel^ 

Harst en spauwel 

Ende andere dingen dns: 

BevedJcite domimts. 



F I N I S, 



b) De sötte Gratias. 



1, Om dat hier goede collatie was 
En ic wel gestelt was, 
Gespelt was, getelt was 
Voor een bancketken 

Aen een besletken, 
Daer't jonc wijf Betken, 
Maepken, Coletken 
Fraey sood oft briedt, 
Ic dancx haer niet, 
Anders waert outragie, 
Sy maect lecker pottagie, 
Sy is geerne vro. 
Also ons collatie was: 
Benedicamus domino, 
Deo gratias. 

2. Die dese spijse kochte 
Ende thuys brochte, 
Die ic wel mochte, 
Ende den dranc haelde, 
Die door mijn keelken daelde 
En so putte en paelde, 
Dat ic luttel betaelde: 
Een fijne verstaelde 
Vergulde naelde 

Wensch ic hem, haec vast 
Meerder dan kraec mast. 
Noch meer tsijnder baten, 
Alle die daer zaten, 
Droncken of aten 
Oft blyde ghelaten, 
God behoedse voor gaten, 

F I N 



Ja willense soo 

Het bagijnkens temtatie was r 

Benedicamus domino 

Deo gratias. 

3. Lof hebbe ons beere, 
Want ic leere, 
Dat elc hem keere 
Te bidden seer 
Voor backer en brouwer, 
Voor vischer ende voor vlees-- 

houwer 
Ende voor kern-melc-kouwer 
Ende voor den Kijnschen 

Keulen aer : 
Voor al dat sied of braed 
Oft hongher verslaet : 
My wel verstaet, 
Drinckt, eer ghy gaet. 
So hebt ghy aflaet 
' Van al u misdaet. 
AI segh ic 't rondeken, 
Elc spoel sijn mondeken 
Fris als een koster 
Mit een Pater noster. 
So sullen wy zegghen : Imus^ 

deo. 
Want hier goede recreatie- 

was, 
Benedicamus domino^ 
Deo gratias. 

I S. 



In (lulci iubilo. 103 

Aus der s. 101 erwähnten Antwerpener Sammlung von 1600, Bl. Hyjb. — 
Nie. Grjse (Leien Bibel. Rostock 1604. 2, Bl. Kiiija) erzählt: <Etlike ander 
brasser vnd slömer vnder en vangen an eine zechebröderlike maltydt mit 
erem hethhongerigem Benedicite: Dat ja dith, dat ys dat, dat js dröge, 
dat ys nath: Dominus benedieatl Tastet tho vnd ethet wat, vnd grypet 
hastigen in dat vath ! De wat krycht, de hefft wat' nnd erwähnt noch andere 
parodien des Magnificat und des Si bona. Das hier parodierte tischgebet 
lautet: ^Benedieüe over all, God segnet dat hir ys und komen schal, Idt sy 
dmge, fliehte ofite nat, Dtu» benedicat^ (Weinkauif, Monatsschr. f. rhein.-westfäl. 
gesch. 1875, 589; vgl. Anz. f. k. d. d. vorzeit 1877, 192. 1879, 288). — In 
dem unten s. 109 angeführten flugblatte von 1613 steht ein ähnliches Gratias: 
* Singen wir aufs hertzen grund: Hetten wir der kesten ein pfund, Marcipan 
vnd spanischen wein. Warme weck vnd butter drein, Fisch zu morgen vnd 
Vögel zu nacht (Hübsche mägdlein, hab gut acht), So singen wir letz das 
Oratüis^, — Str. 2, 11 kraec = grosses kauffarteischiff. 

4. Der frauen Pater nostep. 

Als dese vrouwen gaen ter kercken, 
Om te hooren god es wercken, 
Dan beginnen sy sonder letten 
Haer kapken wtermaten net te setten. 
5 Als sy dan komen inder kercken, 
Zoo besien sy papen ende klercken, 
Dan beginnen sy te lesen. 
Nu hoort doch, hoe dat sal wesen! 

Pater noster^ qui es in cclis, 
10 Ondanc moet hebben Beatris, 

Dat sy heeft soo goede kleederen an. 

Waer mijn man als menich ander man, 

Hy soudese my oock wel doen maken. 

Maer ick en kander niet aen gheraken. 
15 Hierom blijf ick also dom. 

Sanctificetur nomen tuum! 

Mijn man moet wel zijn een catijf, 

Dat hy dus bout sijn goede wijf. 

Want also wel soudt voeghen my 
20 Als eenighe vrouwe, die hier zy. 

Maer wat kan icker doen om? 
Ädveniat regnum tuiim! 

Dat hy my dus qualicken hout, 

God gheve hem droefheyt menicbfout, 
25 Om dat hy my niet en houd wat bat. 

Want hy seer geeme vergadert scbat. 

Dat is de oorsaec, dat ic dus armelic ga. 
Fiat volunias tua — 

Voorwaer ic salt wel anders maken, 
30 Ic sal wel op de solder gheraken, 



104 Jobannes ßolte, 

Daer gerst ende haver op leyt, 
AI börste mijn man van quaetheyt^ 
Ic sals wel 800 veel verkoopen, 
Dat ic my wel met silver sal knoopen^ 
35 AI waer den catijf noch so erra. 
Sicut in celo et in terra. 

Ick hebber noch beter in mijn kiste^ 
Dat ic hem onthielt met liste, 
Ic sal daer schicken ghelt af te maken 
40 Zo haest als icker toe kan gheraken^ 
Dat ick de luyden mocht behaghen, 
Wanneer sy my dan wel besaghen 
Achter, voor ende al om. 

Fanem nostrum quotidianum — 

45 Dat ic hadde goede kleederen aen, 
So mocht ick frisselick heenen gaen, 
Twee propere wtgesneden schoen, 
Eenen breeden timp aen mijn caproen, 
Ende twee smalle platijnen, 

50 Zoo soud 'ic noch veel fraeyer schijnen, 
Als ick dan noch hadde mee. 
Ba nöhis hodie! 

Eenen fraeyen lustigen kransse, 
Daer mede soude ic gaen ten dansse. 

55 Al8 mj dan de lieden saghen, 

Zoud' ic alle jonghe gesellen behagen: 
Elck soude ghelijck ick willen doen. 
Nu wil ic my daer toe gaen spoen, 
Ist datter in[t]huys noch koren is. 

60 S dimitte nohis — 

Wanneer de paep van preken scheyt af, 
Zoo help my god en *t heyligh graf; 
Waer dese misse slechts ghedaen, 
Zoo zoud^c aen de merct gaen, 
65 Dat ick wat sinlicx voor my kochte 
Ende ooc mijn soete lief wat brochte, 
Want mijn man is te Pra. 
Debita nostra! 

Hy en komt niet thiiys in acht daghen. 
70 Dat mach mijn hert seer wel behaghen, 
Want hier entusschen sal ick wel 
Tgoet verkoopen met haesten snel 
Ende koopen daer om na mijn ghevoegh 
En houden nochtans gheldts genoegh, 



In dulci iubilo. 105 

75 Daer mede sal ick gaen te wijn, 
Aldaer de jonghe ghesellen zijn, 
Eer mijn man sal komen thujs. 

Sicut et nos dimittimus — 
Wat wil icker meer af zegghen? 
SO Mijn man sal eren ende egghen 
Ende selve gaen inde ploegh, 
Want daer toe is hy goet ghenoegh 
Ende daer toe streckt al sijn begheeren, 
Ick sal dan doen sonder cesseeren 
85 Ghelijk als voren, dat is gewis. 
DebUorüms nostris. 
Wat soude ick doen met erve oft goet! 
Want ick immer sterven moet. 
Ick wilder mijn gerief af hebben 
90 Zonder eenigh tegen seggen 

En zijn dan blijder als ick oyt was. 

Et ne fios inducas — 
Gevader, en ist niet waer? 
Lieve gevader, ja 'tis klaer, 
95 Wat soudt ghy doen met erf of schat, 
Daer u niet af en waer te bat? 
Ghy zijt noch jongk^ ghy meucbt verwerven 
Vele goeds, eer ghy sult sterven. 
Och wou de paep toch haesten hem. 
100 In temtationem ! 

Aldub maken sie groot geschal. 
Dan roept de koster over al: 
Ghy vrouwen, ghy maeckt soo grooten gheluyt, 
Beydt toch, tot dat de misse is wt! 
105 Ghevader, de paep zegent hem. 

Sed lihera nos a malo! Amen, 
Nu zegent hj ons allen, 
Laet ons nu op onse knien vallen! 
Wj zijn nu alle wel gezegent. 
110 Gevader, en weet ghy niet, oft regent? 
Ich en hebbe geen omme-kleedt. 

Aldus staen sy op gereedt, 
Met soo danigen innicheyt 
Hebben sy haer ghebedt geseyt. 
115 Als sy dan komen wt de kerck „ gaen, 
Zoo vangen sy alsulcken werck „ aen, 
Dat den man mach vreesen, als de vrou komt t'huys, 
Want vrouwen Pater noster lesen is eens mans kruys. 

F I N I S. 



106 Johannes Bolte, 

Ans der oben s. 101 erwähnten Antwerpener Sammlung von 1600, bl. Cüija: 
^Der Yronwen Pater noster'. Vielleicht identisch mit dem 1570 in Ant- 
werpen verbotenen *Pater noster int sötte' (Rensch, Die Indices libr. prohib. 
1886 8. 312). Vgl. Kalff, Geschiedenis der nederl. letterknnde in de 16. eenw 
1, 178 (1889). — Ein in Köln befindliches bruchstück eines einzeldmckes 
ans dem anfange des 16. Jahrhunderts hat Hoffmann t. F. (In dnld jnbilo 
1854 nr. 38; vgl. Kalff, Het lied 1884 s. 511) veröffentHcht; es enthält die 
verse 28 — 76 mit folgenden Varianten: 

29 Voorwaer] Entrouwen — 31 f. Daer op licht hier ende gherst. AI 
sonts mijn man hebben berst — 35 erre — 37 hebs — mijnder kist — 
38 mit nanwen list — 39 £. Entrouwen ic salder ghelt of maken, Constic 
enichsins gheraken — 42 Ende si mi dan saghen — 49 platinen smale — 
50 f. So waer ic frisch altemaele, Noch so mostic hebben mee — 53 Dat is 
enen rasse [!] — 55 Dan souden die — 56 — 58 Hoe mach elken die behaghen. 
Die daer so firischeliken steet! Ic salt hebben, ist lief of leet — 59 Ist] 
Op — 61 Die paep en comter huden af — 63 Waer nu dese misse ghe- 
daen — 65 Datj Daer — voor my fehlt — 66 Ende ooc] Dat ic — 70 hert 
seer] hertken — 71 hier inbinnen — 75 ic mede sal — 76 Daer die schone. 
Das hübsch abgerundete genrebild der eitlen und leichtfertigen frau, 
der in der kirche beim gebete fortwährend unheilige gedanken durch den 
köpf ziehen, ragt unter den zahlreichen glossierungen und parodierungen des 
Vaterunsers erheblich hervor. Es mag auch zu dem viel breiter ausgeführten 
englischen gedichte John Awdeleys ^Proude wyues Fater notUr^ von 1560 
(Hazlitt, Bemains of the early populary poetry 4, 147; vgl. B. Lanehams 
Letter ed. by Fumivall 1890 p. CXIY) anlafs gegeben haben. Aus spaterer zeit 
vergleiche ich das gebet der ^gleifsnerischen narrin' bei Conlin (Die thorheit 
der 25 narrinnen 2, 203. 1711): ^Gep-ütst stist du Maria, will gern sehen, 
wann der maister Paul mein rock wird fertig machen. Jht hiat voüsr 
gnaden, der schindt>bub der paschi wird ja die labett-kartten nicht ver- 
gessen. Der herr sei mit dir, ich muis dem gutscher sagen, dafs er nach- 
mittag bey Zeiten einspannet' etc. Ähnlich Abr. a Sancta Clara, Sämtl. 
werke 1837 11, 441. Das schwatzen in der messe wird schon im 15. Jahr- 
hundert bildlich gegeifselt (Schreiber, Manuel de Tamateur de la gravure au 
15 si^cle 3, 201. 1893). 

Über das patemoster des Wucherers (Barbazan-Meon , Fabliaux 4, 99. 
Pfeiffer, Altdeutsches Übungsbuch 1866 s. 171), der verliebten (A. Keller, Alt- 
deutsche gedichte 2, 7. 1855. Zingerle, Germ. 14, 405X der unkeuschen^ 
des Schlemmers, des Vogelstellers, der von kriegsnot bedrängten bauem 
(Werner, Yjsschr. f. litteraturgesch . 5, 1) n. s. w. vgl. meine bemerkung in 
der Ztschr. f. vergl. litteraturgesch. 7, 463, wo ich als quelle zu dem ab- 
gedruckten meisterliede Bebeis Facetiae 2, 137 ^De quodam aueupe^ nach- 
zutragen bitte. 



5. Martinsfest. 

In Martini festo 
Soln wir alle frölich sein 
Cordeque non mesto 
Trincken den külen wein, 
Als sie ist per getitem 
Gens Vögel vnd enten, 
Wol gekocht vnd gemacht, 
Rogans bratne ganz. 



In dulci iubilo. 



107 



Hie est Mariinus, 
10 Vir divinus, 

Gar ein milter man, 
Beschert vns die guten kaphan, 
Kaphan, awerhan, haußhan, haselhan, rephan, schnegens, 
wilt gens, kocht gens, bratne genß vnd allerley genß. 

G. Forster, Teutsche liedlein 2, nr. 71 (1540) mit vierstimmiger melodie« 



6. TrinkUed. 



1. Änno fit hoc memoriäle 
Canamus cum leticia: 
lam exortum est in vite 
Que formatur rite, 

2. Est cell ros duldssimus, 
Liquorque suauissimiis, 
Miris modis est prohatumy 
CeUtus hoc est sihi datuniy 

3. Attestatur Boitius: 
Ac perseuerat sohrimy 
Asserunt nam liberales: 
Duos quartas commensäleSf 

4. Mustum honum cum svaui 
Tunc intendunt garrulari^ 
Eya, dicufit amäbiles, 
Mappas cum tiostris pepulis 

5. Potus fertur sacerdotum. 

Est hunc clerus bibens potum, 
Ipsos facit disputare 
Miseros facit abundare, 

6. Mentes cmidorum releuafj 
Quicumque potes[t]j hie bibat, 
In vino si sird athomi, 
Odor fragrans moet syn dairby, 



vande grote mildicheit, 

got sy loff in ewicheit! 

eyn dresteyn [?] edel ende klaer^ 

scriuen dye meisters openbaer. 

als ons scriff dye psalmist, 
ment vynt oeck [niet], dat also is. 
mechtich is hy van duegden, 
hi brengt onß veel genoechte. 

Wyen drynckt ter goyder wyß 
den sal men geuen groten pryß. 
soe comt dan mer coel darby 
si spreckt : laet ons drynck[en] dril 

gaen drynken allen wyue, 
men sold dar boeck aefF schry uen, 
naebers, laet ons vercopen 
ende totten wynhuis lopen! 

dat water is der gansen dranck^ 
darom is haer bade! kranck. 
hoich vander dryueldicheit, 
nochtans ist oen onbereit. 

hy wirckt alleyn in luyden, 
so wyen can becruyden. 
vers, sterck ende wael geurist, 
so en is hy nyet verdrist. 



Mit maeten willen wy dryncken den edelen rynschen wyn 
En altijt gots gedencken: gelaeft so moet hy sin. 

Vinum dat festum^ frigus conuertit in estum, 
Letificat mesitum, miserum quoque reddit honestum. 
Vina välent fanth ceruisia laute cubanti,, 
Föns valet orantij sed inedo [i/nedia?] basia danti. 

Ans einer Brüsseler liederhandschrift des 16. Jahrhunderts (Mscr. II 
144. 169 hl. S^) bl. 39 a: 'De vino\ 



108 Johannes ßolte, 

7. Der Schlemmer in nöten, 

1. Ein mutter hat ein fUvum, 
Der tranck gern cerevisiam. 
Das labet jhn sein corculum. 
Wenn durstig war sein lahivm. 

2. Er ging wol ins hospitium^ 
Sprach: Wirth, habt jhr cerevisiam? 
Der wirth bracht jhra ein candarum, 
Draus tranck er cerevisiam. 

3. Das hier macht jhm bald ehrium. 
Der wirth macht jhm sein symbölum^ 
Er sucht in seinen marsupium^ 
Fand darin kein pecuniam, 

4. Er bat dem wirth vmb mutuum^ 
Sprach : Dheim hab ich viel aureum ; 
Habt mit mir patientiam^ 

Biß ich kom in domum meam! 

5. Der wirth stalt sich sehr iratumj 
Sprach: Hast jetzt nicht viel argentum, 
So gib mir her dein pallium, 

Oder zahl mir mein symbolum! 

6. Hiemit warff er den mißerum 
Vnd stieß jhn auff die plateam. 

Der arme schelm gieng in sein domum 
Vnd legt sich in sein ledulum. 

7. Da fieng er an sein somnium 
Vnd schlieff ad diem medium. 
Sein mutter erwüscht ein baculum 
Vnd trieb jhm aus sein somnium. 

8. Sie sprach zu jhrem herrn filium: 
Wo habet jhr ewer pällium? 

Ach wehe, sprach er, me miserum^ 
Ich hab jetzt den Corndium. 

9. Das hier [ist wahrlich] sehr bonumj 
Drumb versoff ich mein pallium. 
Erbarmt euch vber me miserum 
Vnd thut weg ewern baculum! 



In dulci iubilo. 109 

10. So gehets noch zu in hoc mundo, 
Wenn einer wil ohn argento 
Ins bierhauß gehn. Drumb äbstine, 
Bath ich dir, adolescentüle. 

Vier Weltliche Lieder: | Das Erste: Vinum quae pars? | Yerstehesta 
das? 2c. I Das Ander: Ein Mutter Let | ein Filium &c. | Das Dritte: Gott 
bhüt dich Hertz- | gen zu aller Stund. Im Thon: Wie | wird mir denn ge- 
schehen? I □ I Das Vierdte: Ach Liebgen, schetz- | gen, ach En^elein. Im 
Thon: Einiges | Lieb, getrewes Hertz. | 4 bl. 8® o. o. und j. [um 1600]. 
Berlin Yd 7852, 24. — Eine andre von B. R. M. unterzeichnete bearbeitung, 
die denselben stoff weitläufiger zu 27 Strophen ausspinnt, ist in einem 
fliegenden blatte: *Zwey schöne newe Lieder. Das Erste. Von einem Filio, 
der sehr Ocium geliebet etc. Das Ander, Das letzte Gratias etc. Getruckt 
im Jahr 1613> (Berlin Ye 1174; nach Weller, Annalen 1, 275 ein Baseler 
druck) erhalten. Anfang : *Ein mutter hatte ein ßlium, | Dem liebet sehr das 
ocium, I Vnd tranck gern vinum Etapanieum, j Gieng alle tag ins hospttium^. 



8. AVeingpufs. 

Vinum honum et suave, 

Virtutes sunt tibi darae. 

Dem hertzen gibts ein krafft. 

Tu cor et guUur recrcas, 
5 Wannst wacker gehst hinein^ 

Et vocem aptas musico, 

Singt frisch mit freyem muth. 

Amicos facis plurimos 

Beym schlaiFtninck in gemein^ 
10 Pulü'mar praehes Icctulo, 

Wann gläser nicht sein klein. 

Bihamus cum laetitia! 

Nun, weinlein, geh herein! 

Sic peUitur tristitia, 
15 Denn trauren ist nit fein. 

Musikalischer zeitvertreiber 1609 nr. 38. — Nur mit der ersten zeile 
stimmt ein bekannter älterer weingrufs überein (Wattenbach, Anz. f. k. d. 
d. Vorzeit 1868, 185. Ztschr. f. d. altert. 15, 505. Novati, Studi critici 
1889 s. 294). 

9. Lob des Avassers. 

Aqua bona, sive cocta sive cruda, 
Erhelt den menschen beim verstand* 
Adimples et corpusculum, 
Die wasserschnallen sindt gemein, 



110 Johannes Bolte, 

5 Et cornix ex hoc potitat 

Vnd lebt gleichwol vil hundert jar. 
Ex vino forti ffimhtm, 
Vnd hast kein artzney zu der hand, 
Potato saJtem sedulo, 
10 Trincks nur gar auß mit freyem muth! 
Die kunst ist fix und ist gerecht 
So wol beym herren als beym knecht. 

MusikaliRcher zeitvertreiber 1609 nr. 39. — V. 4 wasserschnallen == 
Wassersuppe (Schmeller). 



lO. Der llndwupm zu Steier. 

1. Proh stiperos^ proh inferos! 
Was hab ich neus gehört 

Von einem wurm, war nicht lang 
Zu Steyer an ein gewisen ort. 
Ach gott, hülfF ihnen auß der noth! 
Sie kümmern sich sonst gar zu todt 
Traurig. 

2. Ein seltzam gschrey alda erschalt 
In einem brunnen tieff. 

Civcs^ rogate coelites, 
Thut nicht mehr, ob ihr schliefft, 
Schreit Jesuita alsobald, 
Merckt allzumahl, ihr jung und alt, 
Fleissig! 

3. Nee parva sunt pericula, 
Glaubt mir in dieser stund. 
Der brun ist tieff und alt darzu. 
Wann ihr wolt haben euer gsund, 
Spert ihn gar bald zu seinen rächen 
Feyret weder bey tag noch nacht 

Hurtig ! 

4. Der wurm muß getödtet sein 
Gedenckt nur auff ein weiß, 
Omnes adeste pariter^ 
Wendet an all euren fleiß! 
Zuvor rufft an den höchsten gott. 
Das er nur helff auß dieser not 

Gtittig ! 



In dulci iubilo. m 

5. Vnd da es für die herren kam, 
Giengens gar bald zu rat, 

Ne vermis omnes perderety 
Wie ihm zu helffen war. 
Ein ieder öffnet sein gemüth. 
Das hertz war ihnen allen betrtlbt 
Hefftig. 

6. Der wurm noch mehr wUthen thet. 
Proh vos Styriacos, 

Geht, fragt den Jesuiter umb rath 
Ob er nicht sieht im glaß, 
Wie doch die sach zu greiffen an, 
Das sein gifft schadet keinem mann 
Traurig ! 

7. Herr Jacob sich nicht lang besuhn, 
Sagt ihnen alsobald, 

Venturum se quam breviter 
In selbst eigner gestalt, 
Zusehen, wie wurm sey. 
Auf das nicht etwan gscheh ein leidt 
Kläglich. 

8. Vnd als er kaum verrichtet het 
Kramen animi, 

Sein perspectiv er zu sich nahm, 
Zum brunnen hinaus geht, 
Ach gott, steh ihm hej in der noth. 
Damit ihm dieser wurm nicht tödt 
Schädlich ! 

9. Vnd da er nun zum brunnen kam, 
War alles wohl bereit, 

Föns tedus quoque undique 
Mit lauter alt teppich. 
Das perspectiv stegt er hinein, 
Tranck lieber auß ein gläßlein wein 
Lustig. 

10. Der brun ihm aber wahr zu tieff. 
Drum kunt er sehen nichts. 
Ah lupiter, quid latet hie? 
Mit lauter stimme er rufft, 
Wer ist nun da, der sich nab wag? 
Ein gut trinckgeld er darvon trag 
Hierbey. 



112 Johannes Bolte, 

11. Ein gfangener umb das leben lag, 
Der kam ihnen auch in sinn, 

In foniem si descenderet. 
Das leben sehen cktens ihm. 
Der läpp war aber Schreckens voll, 
Drum er hinab nicht steigen wolt, 
Forcht sich. 

12. Weiter fragt man an alle ort, 
Ob doch vorhanden wer, 
Vitae qui esset prodigus, 

Der solt kommen hieher. 
Umbsonst ers nicht verrichten solt, 
Viel Thaller man ihm gebn wolt 
Gar gern. 

13. Secht, einer, so gestiegen ist 
Der brunnen noch viel mehr, 
Cui Bachus dedit animum, 
Der kam lustig daher: 

*Den brun,' er sagt, 4ch steigen will; 
Betrübt euch doch nicht gar zuviel ! 
Wolauf!' 

14. Ein schwerd und kühriß bringenß ihm, 
Damit er sich erwehr; 

Ad hidam sed hie impiger 
Warff alles diß daher. 
Da fragt der Jesuiter nach, 
Ob er nicht hab sein beicht gemacht 
Fleissig. 

15. Ein kertzenliecht sie an ein strick 
Im brunnen hinab lahn, 

Ät vermis hie famelieus 
Kunt nicht davon abiahn, 
Erdapt und fraß es also gschwindt, 
Als ob ihms hat außgelescht der wind 
Hurtig. 

16. Ach gott, wer nur mein leichter da, 
Das mensch gar bitter schreit. 
Irarum estu fluctuans, 

Fängt an ein grossen streit: 
Den leichter man ihr zahlen solt, 
Zween groschen sie ietzt haben wolt 
Geschwind. 



In dulci iubilo. 113 

17. Auß Steyer ein burger, so nicht schlecht. 
Kam auch ins narren schifiP 
Draconem völem cemere 

Mit seinem perspectiv. 
Der sagt, wie das er durch sein glaß 
Gesehen het 6 äugen groß 
Feurig. 

18. Der schrecken noch viel gröser war, 
Wüsten nicht, wie er gespitzt, 
Styriacis iam singulis 

Verdämten all ihre witz. 
Wo dennoch weren die herren gscheid, 
Wer nit so groß das gmeine läidt: 
Au weh. 

19. Gleichwohl es endlich bschlossen war, 
Das dieser tapffer heldt 

Dictum proharet opere^ 
Wie ers zuvor gewölt. 
Gott geb ihm nur das glück darzu, 
Das sie kommen in ihre ruh. 
Wie vor. 

20. En heros hie magnamimus 
Wagt sich frisch an dem strick. 
Kehrt ietzt nur allen fleiß daran, 
Das er nicht dran erstick! 

Sonst wer er gantz und gar verhaust. 
Wo mtisten nacher die Steyrer auß 
Traurig! 

21. Vnd da er halb in brunnen kam 
Miles hie impigerj 

. Schreit ihm der Jesuiter nach: 
Kindt gottes, wan dus siehst. 
Nur tapffer dran, du feuermann! 
Bey gott tregstu den lohn darvon 
Beherzt. 

22. Nachdem er gar hinunter kam 
Aptus ad prelium, 

Kein wurm er nicht sehen kan. 
Nichts gifftiges war alda 
Der wegen er sich wohl besun. 
Schaut in den brunnen umb und umb 
Fleissig. 

Festschrift. 8 



114 Johannes Bolte, 

23. Endlich sah er in einem loch 
Ein grosse alte katz, 

Qitae cum fame perierat, 
Gab ihm gar keinen kratz, 
Die nahm er bei der kappen her, 
Anders sach er in brunn nichts mehr, 
Ward froh. 

24. Er rufft, man solt ihm ziehen auf, 
Er hab ihn schon erdapt 
Ve}inemque vellet promere, 

Secht zu, was für ein läpp! 
Jetzt kommt er mit der katz daher, 
Alß ob er het erlegt ein beer 
Tapffer. 

25i Da dieß der pater Jacob sah 
Sampt andern herrn mehr, 
Humi flectentes genua 
Allsamt fein nach und nach 
Gehens heim schamroth in ihr hauß. 
Lacht ein fantast den andern auß. 
Lachts mit! 

26. Wer ist, der uns diß Liedt gemacht. 
Von neuen gsungen hat? 
Den wurm hat er gar wohl betracht, 
Ist noch nicht gar zu math, 
Fervet in suo cerebro, 
Ist nicht zu Steyer, doch änderst wo. 
Gute nacht. 

Aus einer Weimarer meistersängerhandschriffc (Ms. quart 581, hinter 
der komodie vom krokodil im predigerkloster; vgl. Alemannia 22, 161): 
^Quodlibetieum vermieulatum in gratiam Styrenaium compositum^}). Vorauf geht 
noch ein prosaischer bericht, datiert aus Steyer, 16. juny 1641 : 

In festo corporis Christi, oder wie etliche sagen, in octaua infra 
oetaua hat einer aufs der zunfft seinen krantz in einen brunnen gehenckt, 
das er ihme soll Msch bleiben; so ist nun aber vorigs tags ein katz im 
ienigen brunnen gefallen oder geworflfen worden, welche vor hunger den 
krantz aller weggebissen, und als iener seinen krantz herauf wolte ziehen, 
hat sich die katz an zernagten krantz angehalten, aber bald widerumb 
zurück gefallen, alfs das iener germerckt, das ein lebendiges thier im brunnen 
war, alfsbald zu dem rath geloffen und es angedeut, welche alsbald darüber 
geschlossen, wie diesem zuhelfen. In dem so haben sie den brunnen gantz 
überdeckt, allein ein einziges kleines ort offen gelassen, mit dem perfpectiu 



1) Über ähnliche spottlieder auf mifslungene Jagden vgl. Alemannia 22, 161 f.; 
auch Ztschr. f. litteraturgesch. 7, 466 u. Monatsbl. f. pommersche gesch. 1894, 136. 151. 



In dulci iubilo. 115 

liinnunter geschaut, in dem nun die katz fiich mächtig grofs reprefentirt, 
haben sie es für ein lindtwurm angeschaut, und alfsbald das geschrey in 
der gantzen statt worden, das ein giffiiges thier alda wohnete, wie diesen 
zuhelfen, widerumb in rath gangen, unter welchen einer gesagt, man soll 
den brunnen mit steinen anfüllen, aber alfsbaldt andre contrari gewesen, das 
nemlich dieses thier die statt möchte untergraben, wie dan einen gedunckt 
hat, sein haufs sincke schon, indem das es zu nachts in der wand ein 
klufft bekommen. Letzlich hielten sie ein procession zu demselbigen brunnen. 
Ein Jesuiter von Steyer aufs dem colegio gienge mit und liefs ein inschlit 
liecht hinunter, welches die katz von hunger geschwind verzehrt. Nach 
dem so hat der Jesuiter das thier bey allen heyligen beschworen und ein 
geweichte wachskärtzen hinunter gelassen. Die katz, die weilns von natur 
kein wachs nit essen, solchs bleiben liefs, als dann die leuth gesagt, das 
das vergifite thier die beschwerung gefürchtet. So haben auch alle 
schwangere frauen und junge kinder 5 meilen hinwegfliehen müssen wegen 
defs giffts. So hatten sie auch eine malefiz persohn, welchen sie das leben 
schencken wollen, wofern er sich hinunter wage und schaue, wafs das für 
ein thier were, welcher geantwort, er wolle lieber durch das schwerdt 
sterben als von einem so vergifften thier zerrissen werden. Bestellten defs- 
wegen ein brunnen meister, welcher sich verwarth imd gantz verharnischt 
und mit waffen hinnunter stieg. Als er sah, das es nur ein katz war, welche 
sie für ein lindtwurm angesehen, fexiret und narret sie noch mehr und hub 
ein geschrey an, das bei 500 menschen zusammen kommen, das ein gefehr- 
liches thier wer, schrie defswegen aufs dem brunnen, das er das thier um- 
gebracht hette. Und alsobald namen sie ein dickes seil, daran 30 starcke 
männer gezogen, daran es die katz, sambt einen grossen stein gebunden. 
Alfs aber die katz halben theil heroben, fiel der stein zurück hinab. Da 
schrie er, man solte geschwind ziehen, es wer schon halben theil zurück 
gefallen. Alfs es aber recht an tag kommen, zogen sie ein katz herauf. 
Mit solchem werck haben sie 12 tag zugebracht. 



11. Passauer studentenleben. 

1. Bey einem wirth ohngefähr 
Potam cerevisiam 

Mit andern gesellen mehr. 
Hie vidimus astutiam, 
Hie vidimm faUaeiam^ 
Rath lieber: wer ist der? 

2. Der wirth hat wein vnd hier, 
Est studiosis commodum, 
Gehen alle tag dafür, 

Sie petunt eerevisiam ; 

Tune aquam miscent plurimam, 

Drey maß schenckt er für vier. 



3. Begehren sie einen wein, 

Aneillam voeat dominus: > 

'Gehe, Apel, vnnd schenck ein! 



3, 8 Apel, ApoUonia. 

8 



116 Johannes Bolte, 

Sunt ebrij^ quid volumus? 
Vinum miscere possumus, 
Apel, gouß Wasser drein!"* 

4. Einmal hett der wirth gast, 
Hospes quaerebat charttdas, 
Zum spilen er sich rist, 
Fraudem convivae nesciunt, 
Sed Studiosi praesciunt, 

Sie können seine list. 

5. Einmal, da war es spath, 
Nee Studiosi aheunt, 

Vnnd neun geschlagen hat, 
Videte eloquentiam, 
Videte linguae copiam^ 
Der wirth ein predig thet: 

6. 'Ihr lieben herm mein, 
lam surgite, jam surgite! 
Es hat geschlagen neun, 
Ahite quaeso prospere 
Hoc constituto tempore^ 
Kherts morgen bey mir ein!' 

7. '^Kans dann nicht änderst sein, 
Yalete parum, studia, 

Gib gern den willen darein. 
Non possum intermittere, 
Amori meo dicere, 
Der allerliebsten mein. 

8. "Wer ich einmal hinauß 
Ex isto carhonariOj 

Auß dem khoUbrenner-hauß, 
Pulcherrimis est pulchrior, 
Formosis est formosior — 
Auß dem khollbrenner-hauß." 

9. 'Ihr lieben herrn, zahlts auß, 
Trcmsite rwrsus, hospites, 
Zum hauß, zum hauß hinauß! 
Non paterer hie comiteSy 

Non paterer hie principes : 
Ich bin der herr im hauß.' 



In dulci iubilo. 117 

10. Wer diß lied hat erdacht, 
Ämavit ÄpoUoniam 

Vniid hat jhr offt eins bracht. 
Välete nuna, charissimij 
ValelCy dilectissimi, 
Ade zu giietter nacht! » 

11. Wer jhm geholflPen hat, 
Vocatus est Sangelius 
Vnnd hat es wol erdacht, 
Passamj se häbuit^ 

Ad studia incübuit 

Bey tag vnnd auch bey nacht. 

ENDE. 

Ein schönes Ne- | wes Lied h quodam Studioso, | der eine Jangkfraw 
nomine ApoU \ loniam lieb gehabt, bei Bier vnnd | Wein zusammen eomponirtj 
4 0- I mnibus Studiosi» zum Valete in | Druck verfertigt. | □ | Gredruckt im 
1642. Jahr, | 4 bl. 8<> o. o. — Berlin Ye 1591. 



12. Ein runda. 

1. Potans: Loeti sodäles, trinckt wacker fort! 

Proficiens: Seyd personales an diesem orth! 

Ambo: Dis gläßlein rundo, 

Last nichts in fundo! 
Eundisch runda, juch holla falla. 

2. Potans: Das bring ich dir, mein lieber compan. 

Proficiens: Hab danck, hab danck, mein Florian! 

Chorus: Setz an vnd trincke. 
Dem gläßlein wincke, 
Setz an vnd sauffe 
Oder entlauffe! 
Kundisch etc. 

S. Potans: Es ist recht aus, impicite! 

Proficiens: Ist etwas drin, animadvertite ! 

Ambo: Recht judiciret 

Vnd fuchsschwäntzieret ! 
Rundisch etc. 



Jlg Johannes Bolte, 

4. Chorus: Es ist rein aus, laetamini^ 

So lebt in schmaus, gratuLamini! 
SiQ nos oportet, 
So lang das hier werht. 
Bundisch etc. 

Aus dem liederbuche^ des Leipziger Studenten Christian Clodius v. j^ 
1669 (Berliner Mgo. 231) s. 86. Eine dreistimmige melodie ist beigegeben. 
Vgl. Niessen, Vjsschr. f. musikwiss. 7, 587. — Eine ältere auizeichnnng, die 
Frischbier in der Zs. f. d. phil. 9, 214 mitteilt, beginnt: ^Zaeti bursalesy 
trincket frisch fort*. 

13. Fastnaclit im kloster. 

1. Gcmdeamus sodi, letamini sodäles! 
Nunc est tempm otii et dies hachanales. 
Noster äbhas imt ex: vivat prior, vivat grex, 
Totalis, totalis claustralisl 

2. Frater coquvnarius mox ivit ad prioris, 
Bogans cibus varivs a domino curatoris. 
Qui dedit licentiam, vt faceret operam 
Coquendiy lardendi, hradendi, 

3. Qua/ndo iam reverterat totaliter l§tatus^ 

Pot en panne ceperat et non longe moratus 

Fecit omne, quod poterat, vlayden, toerten en gebraden 

Porcorumj ovorum, hovorum. 

4. Monachi interea cena^cyHam parahant, 
Vinum et servitiam in mensibus ponäbant, 
Sdvos, vitroSj pocula tot, quot necessaria 
Convims, convivis, convivis. 

5. Epulare cepera/nt de hespero in forma, 
Limonardum hiherant, clamäba/nt absque norma, 
Dulcia dbaria, vinum in pluralia 

Fotäbant, cantabant, saltäbant. 

6. Iam erat convivium propemodum finitum, 
Et mox interUidium a multis est initum, 
Exuerunt tunicam et iverunt simul dam 
Ornatum, ornatum, omatum. 

7. Vnus muysevallum had, et alius het eene cat; 
Daer de katte innesat et caudam m^nu tenebat^ 
Draeden semper rontendon, want hy oock een lieken songh 
Äd liram, ad liram, ad liram. 



In dulci iubilo. 119 

8. Noch quamp daer een ander geck monstri instar getreden, 
Maculatus van den dreck van boven tot beneden, 
Quoniam cedderat retro intus met het gat 

In mostaert, in mostaert, in mostaert. 

9. Ältus vnf4S artifeXj vt se dicebat esse, 

Becepit quinque vel sex met eene kopere flesse, 
Quoniam hie dicehaty quod aquam vomere potrat 
Vatiorum multorum colorum, 

10. Hie aseendit eathedram cum poculo aquarum 

Et elamavit ad seetam: Heus heus, aliquid rarum! 
Statim omnes congregant, sed aquam aecvpiebant 
Beeepti^ deeepti, decepti. 

11. Time clamor exortus est et risus sine fine, 

Want sy waeren nat als mest, dus achter opgesiene^ 
Et clam^ant overluydt: ""0 fraudator^ o gy guyt, 
nequam, o nequam^ o nequam!"" 

12. TJnus senex viderat hee omnia a longo^ 

Fre ridendo eieverat zulx stercus e profundOy 
Nam f^tehat instar sus et ahibat nolens plus 
Videre, ridere, ridere, 

18. Vespertinum aderat et tempus completorum, 
Nullus ire volebat ad templum et ad chorum; 
Nam deum laudaverant et horas impleuerant 
Saltcmdo, eantandoj clamando. 

14. Ähbas domum ventum est et venit ad eulinam 
Et intravit caveam vinique officinam, 

VM seri/us [?] iacehat ronchendo infra het vat, 
Gheel droncken, beschoncken en droncken. 

15. Statim refectorium ingredidit iratus 
Videns vndique circum multos inebriatos, 
Vnusquisque fugiehat, iedereen sach naer een gat 
Aent loopen, aent loopen, aent loopen. 

16. Peyst eens, hoe den rest er lagh van potten ende glasen, 
En hoe abbas stont en sach^ hoe hy moest staen en rasen. 
Niemant bleef dar langer op, iedereen speelde rosop 

Ad ceUam, ad eeUam^ ad eellam. 

Aus einer um 1700 entstandenen hsl. niederländischen liedersammlung 
der Brüsseler bibliothek (mscr. H 127. 84 bl. 16% bl. 4 a. — Zu str. 9—10 
vgl. G. Hirth, Kulturgeschichtliches bilderbuch 5, nr. 2644. 



120 Johannes Bolte, 

14. Beim rebensaft. 

1. Canta/mtis nunquam vacui, 
Ihr lieben herrn und brüder; 
Qttapropter wunc assidui 
Ertönen lasst die lieder! 
Nam lagena etiam plena 
Vini est apposita: 

Est in fundis sitis, undis 
Aquae non composita. 

2. Ma, sociorum optime, 
Du süsser lust geselle, 
Vinum, dodorum maxime, 
Erweis dein kraft zur stelle ! 
Q^am nitesciSj quam splendesds 
Vitreo in corpore! 

Quam refhUges, quam permulces 
Mentes iam in pectorel 

3. Betinniant nunc pocula^ 

Zu grüssen uns beim weine; 
Sonemus cantu iubila 
In unsrer froh'n gemeine, 
Quod in vita^ quae est ita, 
Ädhuc sumus stabiles; 
Quodque vitis quodque sitis 
Semper pigent pariles. 

4. Abis? Bedibis sciUcet, 

Viel lieber herr und bruder, 
Potemus ut videlicet 
, Seiband des weins ein fuder ; 
Cumque adibis dumque bibis, 
Gratus semper aderis; 
Dumque vitis dumque sitis 
Vigenty et amaberis. 

Gedichtet 1870 von Franz Hermann Genthe (geb. 1838 zu Eisleben, 
gest. 1886 zu Hamburg) für das lehrerkollegium des Berliner gymnasiums 
zum grauen kloster, komponiert von Heinrich Bellermann : Zwei lieder beim 
weine zu singen, op. 37. 



In dulci iubilo. 121 



Verzeichnis 



lateinlseli-cLeutscher und latelnlscli-nieder- 
ländlsclieF misclilieder. 



Die oben mitgeteilten texte sind durch ein vorgesetztes Sternchen bezeichnet. 

AdCf du schnöde tveU (18. jahrh.). — Ditfiirth, Deutsche volks- und 

gesellschaftslieder 1872 nr. 200. 
Aide, aide, vos sponse rein (Heinr. v. Laufenberg 1436). — Phil. Wacker- 
nagel, Das deutsche kirchenlied 2, nr. 783. 
*Äls dese vrouwen gaen ter kercken (um 1500). — Oben nr. 4. 
Als ich den ersten hecher trank (W. Wackemagel 1845). — Hofi&nann 

von Fallersleben, In dulci jubilo 1854 nr. 56. 
Als man schreip der gnaden jar (1397). — Hoffinann 1854 nr. 18. Tentzel, 

Curieuse bibliothec 1704, s. 344. 
Also spricht die weit: hie et haec ein ofengahel (1669). — Berliner 

Mgo. 231, s. 88 mit melodie; vgl. Niessen, Vjschr. f. musikwiss. 

7, 648. 
Amabilis puella (15. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 30. 
Anibo appropinquamus iam (1675). — Der viesierliche exorcist 1675, 

s. 30; vgl. R. Köhler, Anzeiger f. d. alt. 6, 272. 
Amen stramen, der blind schlttg den lahmen (um 1600). — Weimar, jahrb. 

3, 131 nr. 48. Zs. f. d. phil. 15, 53. 
*Anno ß hoc memoriale (16. jahrh.). — Oben nr. 6. 
*Äqua bona, sive cocta sive cruda (1609). — Oben nr. 9. 
AseRtUus de mola (1400). — Hoffmann 1854 nr. 34. 
Audi , quid oräanx factum est (17. jahrh.). — Bolte, Tijdschr. voor nl. 

taal- en letter künde 14, 230. 
Audientes audiant (Carmina Burana). — Hoffmann 1854 nr. 6. 
Audite mi/rabilia, die ick u seggen sal (17. jahrh.). — Brüsseler hs. 

15665, 8. 72. 
Ave, ich grüez dich, swester Anne (14. jahrh.). — Zingerle, Germania 

14, 407. 



122 Johannes Bolte, 

Ave Maria, glossiert. — Hoffinann 1854 nr.^ — 12 u. s. 7. Wackemagel, 
Kirchenlied 2, nr. 770. 771. 774—776. 1026. Bäumker, Vjschr. f. 
musikwiss. 4, 299 nr. 61. Erlösung ed. Bartsch s. 196. 225. Blom- 
maert, Oudvlaemsche gedichten 2, 57. Brandes, Nd. jahrb. 13, 118. 
Bruder Hansens Marienlieder hsg. v. MinzloflF s. 1. Schröder, Zs. f. 
d. alt. 25, 127. 

Ave Maria, maghet pia (15. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 27. Bäumker, 
Vierteljschr. f. musikwiss. 4, 306 nr. 70. 

Ave maris Stella (H. v. Laufenberg). — Hoffinann 1854 nr. 21. Wacker- 
nagel, KL. 2, nr. 778. — Eine ältere nachbildung derselben hymne 
bei Müllenhoff-Scherer, Denkmäler nr. 41: ^Ave, du vü sckoeniu maris 
Stella^ (12. jahrh.). Genter hs. von 1517 (Griselidis en liederen) 
bl. 34 b. 

Ave virgo et mater (15. jahrh.). — Wackemagel, KL. 2, nr. 1443. 

*JBey einem wirth öhngefähr (1642). — Oben nr. 11. 
Bonjour, honjour, monsieur (1668). — Hoffinann, Weimar, jahrb. 6, 54 
und Gesellschaftslieder 1, 348 nr. 246 (1860). Grässe, Bierstudien 
1874 s. 161. 

*Cantafnus numquam vacui (F. H. Genthe 1870). — Oben nr. 14. 
Ceciderunt in profundum (W. Wackemagel). — Hoffinann 1854 nr. 54. 

Wackemagel, Gedichte 1873 s. 130. 
Celum, terra, maria und alle creatur (um 1500). — Hoffinann 1854 nr. 35. 

Geffken, Bilder katechismus 1855 s. 3. 
Circumdederunt me mönnicke vnd papen (um 1535). — Hoffinann, Weimar. 

jahrb. 6, 43. Vgl. oben s. 99. 
Credo in deum, is myn gheloeue. — Genter hs. von 1517, bl. 45a. 

Da« war ein wunder inter nos mortales (16. jahrh.) — Wiener hs. 11 551, 

bl. 183 a. 
Dem frauenvolJc zum edlen lob (1737). — Hoffinann v. F., Weimar, 

jahrb. 4, 160 u. Wagners Archiv f. d. gesch. dtsch. spräche 1, 480. 

Lindner, Gesch. d. dtschn. liedes im 18. jahrh. 1871, beilage s. 98. 
Der weintrunh erhält (Hagedorn 1729). — Hoffinann 1854 nr. 50. 

Melodie von A. Methfessel 1818. 
Detis in adiutorium meum intende (15. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 29. 

Keller, Erzählungen aus altdeutschen handschriften 1855 s. 390. 
Disce, hone clerice, virgines amare (um 1500). t— Hoffinann 1854 nr. 40. 

Nugae venales 1689 s. 281; besser bei Zarncke, Die deutschen Uni- 
versitäten 1, 85 (1857). Vgl. die Lübecker hs. 152, bl. 242b: <Stud€, 

hone clerice, virgines amare^, 
Ditat herus, qui sol verus in wu/nder mannichvolden (15. jahrh.). — Gr. 

Schmidt, Niederdeutsches jahrb. 2, 28 (1876). 
Do fraig amors (Oswald v. Wolkenstein). — 0. v. Wolkenstein, Gedichte 

ed. B. Weber 1847 s. 162 (in sieben sprachen). 



In dulci iubilo. 12S 

Do huop er uf unde tranc (Hoffinann v. F. 1873). — Hoffinann v. F., 
Gesammelte werke 6, 287 (1892). 

Dominum pastorem (1603). — Hoffinann 1854 nr. 46 und Gesellschafts- 
lieder 2, 93 nr. 305. Weinkauff, Almania 2, 140 (1885). 

£!in ju/ngfrau zart gehronet wart (Muskatblut). — Hoffinann 1854 nr. 19» 

Wackemagel, KL. 2, nr. 653. 
Ein Jcind geborn zu Bethlehem (1609). — Bäumker, Kirchenlied 1, 325. 
JEin leint ze tröste ist uns gesant (14. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 13» 

Wackemagel, KL. 2, nr. 449. 
Ein mägdlein ging im grä/nen waM (WolflF). — Jul. Wolff, Singuf 

1881 s. 174. 
*Ein muUer hat ein filium (um 1600). — Oben nr. 7. 
Ein verbum honum et suave (15. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 23» 

Wackemagel KL. 2, nr. 782. 
Erant et duae bellulae (17. jahrh.). — Morhof, Unterricht v. d. teutschen 

spräche 1682 s. 361. 
Es ging ein münch den herg hinan (um 1600). — Hoffinann, Weimar. 

Jahrb. 3, 128 nr. 10; Eitner, Das deutsche lied 2, 272; Zs. f. d, phil. 

15, 51. — Anders im Berliner Mgo. 231, s. 68: '-Es ging ein mönch 

ins oberland\ Berliner Mgq. 722, s. 153: ^Es kam ein mü/nch aus^ 

Ungerland^. 
Es ist wol "kein bessers leben (18. jahrh.). - Ditfurth 1872 nr. 180. 
Et pertransivit clericus (Hoffinann von Fallersleben 1872). — Eine zeit- 

gemäfse umdichtung von ^Pertransivit clericus^; Hoffinann v. F., Ge- 
sammelte werke 5, 192 (1891). 
Ex sinu m^atris parvtdus (1533). — Bäumker, Vjschr. f. musikwiss. 4,. 

319 nr. 86. 

FitU voluntas tua, — Vgl. oben s. 103, v. 28 nebst der anm. 
Eloret Silva undique (Carmina Burana). — Hoffinann 1854 nr. 5. 
Fratres eocuUate (1737). — Hoffinann 1854 nr. 48 a und Wagners Archiv 

f. d. gesch. dtsch. spräche 1, 479. Lindner, Gesch. des d. liedes,. 

beil. s. 93. 

OaudeamuSf laet ons blye (C. Plempius). — Morhof, Unterricht von 

der teutschen spräche 1682 s. 583. 
*Ga/udeximus socii, letamini sodales (17. jahrh.). — Oben nr. 13. 
Gens sine capite (13. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 7. 
Glickh zue^ glickh zuy enterbtes kind (1681). — Bolte, Jahrb. f. gesch. 

Elsass-Lothr. 6, 76 (1891). 
Gloria patri, lob tmd er (H. Sachs 1514). — H. Sachs, Dichtungen 1, 5^ 

ed. Goedeke. 
God gruess uch, rose van Jhericho (15. jahrh.). — Vgl. Ztschr. f. deutsche 

Phil. 21, 139. 



124 Johannes Bolte, 

*God wilt cU seynen (16. jahrh.). — Oben nr. 3a. 
Gracias agimus tibi (15. jahrh.). — Bolte, Ztschr. f. d. phil. 21, 153. 

Her Pder Wyse (1333). — Hoffinann 1854 nr. 16. 
Hm Martis cdea (1639). — Ditfurth 1872 nr. 75 und Volkslieder des 
dreifsigjähr. krieges 1882 nr. 120. Erk-Böhme, Deutscher liederhort 

2, 123 nr. 314. Flieg, blatt in Maltzahns Bücherschatz 1875 s. 317, 
nr. 789. Leyer-Matzs correspondenzgeist 1668 s. 70 , nr. 109. Ale- 
mannia 11, 207. 

Hie, haec, hoc (C. Lemke). — Lemke, Lieder u. gedieh te 1861 s. 34. 
Hie iacet herr Johann de präst (15. jahrh.). — Pyl, Gesch. des Cister- 

cienserklosters Eldena 1881 s. 163. 
Hie lit ein vürste lohelich (1380). — Hoffinann 1854 nr. 17. 
Hie mercket der spünczirerin gehett (15. jahrh.). — Keller, Altdeutsche 

gedichte 2, 7 (1855). 
Hier zitten wy in ghria (um 1700). — Hoffinann 1854 nr. 51. Kalff, 

Het lied 1884 s. 476. 't Groot Hoorns, Enkhuyzer, Alkmaarder liede- 

boek 2, 196. Thirsis Minnewit 1, 30. 
Hochuterkorn jwncfrauwe fyn, Maria fons sinceris (15. jahrh.). — Schmidt, 

Nd. Jahrb. 2, 28. 
Hodie sie triumphirn (16. jahrh.). — Hesse, Ztschr. f. dtsch. alt. 8, 337. 

Ein flieg, blatt in Berlin Ye 3081. 
Hört's einer jetzt zum ersten mal (W. Wackernagel). — Hoffinann 1854 

nr. 55. Wackemagel, Gedichte 1873 s. 129. 
Hört zu, hört mirabilia (1621). — Weller, Annalen 1, 122. 2, 521. 
Hymnum sonori cantici (1669). — Den roomschen Uylenspiegel 1671 s. 427. 

Ich was ein kint so wol getan (Carmina Burana). — Hoffinann 1854 nr. 2. 

Je n'ayme pas (Const. Huygens 1625). — Huygens, Gedichten ed. J. A. 
Worp 2, 111 (1893): 011a podrida; französisch, niederländisch, ita- 
lienisch, spanisch, lateinisch, deutsch, englisch, griechisch. 

Jesu, dulds memoria (14. jahrh.). — Wackemagel, KL. 2, nr. 489. 

In dulci juhilo (15. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 14. 15. flölscher, Nd. 
geistl. lieder 1854 s. VI. Wackemagel, KL. 2, nr. 640—647. 3, nr. 1074. 
Jellinghaus, Nd. jahrb. 7, 1. Bäumker, KL. 1, 308 u. Vjs. f. musik- 
wiss. 4, 301 nr. 63. Böhme, Altdeutsches liederbuch nr. 528. Erk- 
Böhme, Liederhort 3, 636 nr. 1929. Liliencron, Deutsches leben im 
volksliede 1885 nr. 21. Dreves, Kirchenmusikal. Jahrbuch 3, 38 
(1888).. — Eine durchweg lateinische fassung bei Bolte, Zs. f. dtsch. 
phil. 21, 141. — Weltliche parodien: a) um 1524: Wackernagel, KL. 

3, nr. 467, 3. — b) 1563: ebd. 4, nr. 302. — c) 1621: Opel-Cohn, Der 
dreifsigjähr. krieg 1862 s. 91 = Ditfurth, Volkslieder des dreifsig- 
jähr. krieges nr. 19. — d) 1630 : Ditfurth ebd. nr. 54. — e) Auf dr. 
M. Hoe: Berliner Mgf. 754, bl. 101a. — f) 1687: Musikalischer 
leuthe «piegel nr. 6 = Alemannia 8, 74 {Ach höret neue tounder). — 
g) Studentenlied des 18. jahrh. bei Hoffinann 1854 nr. 49. 






In dulci iubilo. 125 

In hoc festo hl^delijcke (um 1609). — Jansen, Tijdschrift voor Noord- 

Nederlands muziekgeschiedenis 4, 140. 
Jn iUo tempore sedehat dominus Martinus (1621). — Hoffmann 1854 nr. 48 

und Gesellschaftslieder 1, 372 nr. 261. Mittler, Volkslieder nr. 1381. 
*In Martini festo (1540). — Oben nr. 5. 
Institor amabilem (15. jahrh.). — Wattenbach, Germania 17, 187. — Vgl. 

das durchweg lateinische lied: ^JRusticus amabilem^ bei Erk-Böhme, 

Liederhort 1, 505 nr. 158a. 
lo triumphe, io^ io (17. jahrh.). — 't Groot Hooms etc. liedeboek 2, 43. 

Anders: Den roomschen Uylenspiegel 1671 s. 642. — Noch anders: 

Henr. Bruno, Mengel-moes 1666 s. 202 (Cantio nuptialis). 
Jtmgfrau atiserkorn (1628). — Kehrein, Kirchenlieder 2, 112. Bäumker, 

KL. 2, 128. 

^k was gisfren hraef in floribus (H. Bruno). — Bruno, Mengel-moes 
1666 s. 177. 

Laeti hwrsales (vor 1650). — Frischbier, Zs. f. d. phil. 9, 214. 
*Laeti sodales (1669). — Oben nr. 12. 

LepuSy ein hase sedehat, er sass. — Leipziger kommersbuch ^^ s. 180 
(1869). 

Lieh macht ca£C08, pauperes, inermes (1588). — Hoflftnann, Gesellschafts- 
lieder 1, 169 nr. 115. 

Lugdtmi stttduit quidampsaltista(ll, jahrh.). — Nugae venales 1689 s. 272. 

Lustig, liehen domini (1669). — Berliner Mgo. 231, s. 64. Niessen, 
Vjschr. f. musikwiss. 7, 643. 

Magnificatf glossiert (16. jahrh.). — Blommaert, Politieke balladen, 
liederen en spotged. der 16. eeuw 1847 s. 113. Bartsch, Germania 
20, 3. 

Maria geboren hat Bmanuel (1608). — Bäumker, KL. 1, 301. 

Mensch gottes söhn geboren ist (1623). — Bäumker, KL. 1, 318 nr. 54. 

Mente tota nu gar schwn (15. jahrh.). — Wattenbach, Germania 17, 190. 
*Monicelle incarcerate (1504). — Oben nr. 1. 

Mulier mxüa herba (1599). — Hoffinann, Gesellschaftslieder 2, 125 nr. 322. 

MuUis annis iam peractis (17. jahrh.). — Schola curiositatis 2, 361. 

Narrat omnis homo (1733). — Lindner, Gesch. d. d. liedes, beil. s. 21. 
Na/rrate sodales, wer zu unß Jcompt herein (11', — 18. jahrh.). — Alemannia 

12, 66. 
Narraverimt patres et nos narravimus (17. — 18. jahrh.). — Alemannia 

12, 68. 
Ne se dicat Studiosus (18. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 191. 
Nein und ja (15. jahrh.). — Greiff, Germania 17, 433. 
Nitimur in vetitum (J. F. v. Kurz um 1760). — E. Schmidt, Zs. d. v. f. 

Volkskunde 5, 359. 



126 Johannes Bolte, 

-No8 Studiosi, genaemt Studenten (1708). — Liederhdschr. nr. 16061 der 

Antwerpener stadtbibliothek. 
Nu histu Jcahmen, lux optatissima certe (1650). — Krause, Korrepondenzbl. 

des nd. Vereins 11, 49 (1886). 
^t* lotet ons singen, Jiet is tijt (um 1609). — Jansen, Tijdschr. voor Noord- 

Nederlands muziekgesch. 4, 189. 
Nu zu disen Zeiten (1540). — Hofimann 1854 nr. 43 u. Gresellschaftslieder 

1, 368 nr. 257. 
Ntm lasst uns singen, dann es ist zeit (1609). — Kehrein, Kathol. kirchen- 

lieder 1, 73. 210. Bäumker, KL. 1, 145. A. Hartmann, Oberbayr. 

archiv 34, 81 (1875). 
Nunc almus assis fUius (10. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 1. Müllenhoff- 

Scherer, Denkmäler ' nr. 18. Seelmann, Jahrb. f. nd. sprachforsch. 

12, 75. 

O Jesu, vita anime (15. jahrh.). — Hoffmann 1854 nr. 25. Wackemagel, 
KL. 2, nr. 812. 

O quam pulchrum vinum in cölore (1632). — Hoffioiann, Gesellschafts- 
lieder 1, 347 nr. 245. 

O Thwregum Rome regum (Hemmerlin 1456). — Reber, Felix Hemmerlin 
1846 s. 480. 

virgo Katerina, o eddele zute bort (15. jahrh.). — Lübben, Nd. jahrb. 

7, 84 V. 33. 

virgo, vite via (15. jahrh.). — Kömer, Marianischer liederkranz 1841 s.264. 
*0m daJt hier goede collatie was (16. jahrh.> — Oben nr. 3b. 

Omnes nu laet ons gode loven (15. jahrh.). — Hoffmann 1854 nr. 26; 
melodie bei Bäumker, Vjs. f. musikwiss. 4, 303 nr. 64. 

Omnes, omnes erramus (Hofimann von Fallersleben 1835). — Hoffinann 
1854 nr. 53 und Gesammelte werke 3, 219 (1891). Angeregt wurde 
der dichter wohl durch die Ergötzliche burger-lust 1, nr. 65 (1659) 
u. J. P. de Memel, Lustige gesellschaft 1660 nr. 334. 

Omnis mundus ist verfieret (um 1524). — Wackernagel, KL. 2, nr. 467, 4. 

Omnis mundus thut sere wueten (16. jahrh.). — Hesse, Zs. f. dtsch. alt. 

8, 338. Ein druckblatt des 16. jahrh. in Berlin Ye 3081. 

Pater noster^ vater mtn (14. jahrh.). — Zingerle, Germania 14, 405. 

Pertransivit clericus (1506). — Hofimann 1854 nr. 38. Zamcke, Die d. 
Universitäten 1, 88. Keil, Studentenlieder s. 69. Nugae venales 1689 
s. 280. Berliner Mgo. 231, s. 86 (Clodius' liederbuch 1669-, vgl. 
Niessen, Vjschr. f. musikwiss. 7, 585) und Mgo. 204, nr. B5 (Nlelzex 
1808). — Eine schwedische parodie "^Pertransiit Matzfeldius^ (1645) 
steht bei Hylt^n-Cavallius och Stephens, Sveriges hiBtorisksL och 
politiska visor 1, 321 nr. 44 (1853). Vgl. noch oben: 'Et pertransivit 
clericus^. 



f 



In dulci iubilo. 127 

JPoca, poca [? pota] vmum (17. jahrh.). — Scheltema, Nederlandsche 
liederen uit vroegeren tijd 1885 s. 214; vgl. Tijdschr. v. nl. taalk. 

14, 227. 

I^antifids eximii m sant Mertens ere (15. jahrh.) — iHoffinann 1854 nr. 36. 
PrestU nohis emicuit (15. jahrh.). — Wattenbach, Germania 17, 186. 

J. Werner, Anzeiger f. deutsches altertum 15, 142. 
PrestUem scmctissimum veneremwr (1540). — Hofiinann 1854 nr. 42 und 

Gesellschaftslieder 1, 370 nr. 259. Mittler nr. 1382. Böhme, Altd. 

liederbuch nr. 353. Goedeke-Tittmann , Liederbuch a. d. 16. jahrh. 

1867 s. 174. 
Frima decUnaeio am morgen in tabema (1475). — Wattenbach, Anz. f. 

k. d. dtschn. vorzeit 1879, 100. Ähnlich im Archiv f. litteraturgesch. 

15, 209. 453. Vgl. unten : « Wd uf, ir gesellen\ 

Proficiat, proficiat, eß kam ein hirsch gesprungen (17. — 18. jahrh.). — 

Alemannia 9, 173. 
*Proh superoSj proh inferos (1641). — Oben nr. 10. 
Ptter natvbs ist uns gar schon (Heinr. v. Laufenberg). — Hoffinann 1854 

nr. 20. Wackemagel, KL. 2, nr, 777. Vgl. Erk-Böhme, Liederhort 

3, 639 nr. 1930. Bäumker, KL. 1, 325 nr. 64—65. 
Pulchrae virgunculae tanquam ruhecüUie (1669). — Berliner Mgo. 231, s. 4 

mit melodie. Niessen, Vjs. f. musikwiss. 7, 634. 655. 

Quaiis est vita auf der weit (1698). — Abr. a. S. Clara, Etwas für alle 

1711 2, 169. Karajan, Abr. a S. Clara 1867 s. 120. 
Qu^ndoqtie narriren kan niemand damniren (1733). — Lindner, Gesch. 

d. dtschn. liedes, beil. s. 1. 
Qui Jesum Christum novit tvol (N. Seinecker 1563). — Wackemagel, 

KL. 4, nr. 312. 
Quicungue velit amare (um 1500). — Hoffinann 1854 nr. 39. Zarncke, 

Die deutschen Universitäten 1, 84 (1857). 

Meffina celi, terre et maris (15. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 24. 

Wackemagel, KL. 2, nr. 780—781. 
Bequiem wir singen gerne (1592). — Stöbers Alsatia n. f. 1860 s. 120. 
■Bea? Fridericus primus (1631). — Weller, Lieder des dreifsigjähr. krieges 

1855 s. 238. 

StMive^ his gruest, sancta parens (H. v. Laufenberg). — Hoffinann 1854 
nr. 22. Wackemagel, KL. 2, nr. 779. 

Salve parvule Jesu, Undelein fein (1639). — Bäumker, KL. 3, 27. 

Salve regina, Mnegin Maria (1447). — Hoffinann 1854 nr. 8 nach Haupt, 
Altdeutsehe blätter 1, 78. — Andre glossenlieder bei Wackemagel, 
KL. 2, nr. 772—773. 801—802. 1262. 1407. Keller , Altdeutsche ge- 
dichte 1846 s. 245. Mone, Lat. hymnen 2, 203 nr. 487—495. Ale- 
mannia 2, 223. 

^2ve sancta dies (1478). — Bartsch, Jahrb. d. nd. Vereins 5, 50. 



128 Johannes Bolte, 

Salvete hospiteSy estote hilares (1733). — Lindner, Gesch. d. d. liedes, 

beil. s. 40. 
Scüote, Christiani (15. jahrh.). — J. Werner, Anzeiger f. d. altert. 15, 143. 
Sequimini, o socii (1604). — Hoffmann 1854 nr. 47 u. Gesellschaftslieder 

1, 283 nr. 206. Mittler nr. 1369. — Anders Gesellschaftslieder 1, 288 

nr. 211 V. j. 1574. 
Sic vivamus wir Studenten (18. jahrh.). — Keil, Studentenlieder des 17. 

und 18. jahrh. s. 155. Berliner Mgo. 204 nr. 10. 
So trinken mr laetifice (Hoffmann von Fallersleben 1829). — Hoflfoaann 

1854 nr. 52 und Gesammelte werke 3, 215. 
Stdbat mater glossiert (14. jahrh.). — Van den Berg in: Nieuwe werken 

van de maatschappij der ndl. letterkunde te Leiden 5, 2, 89 (1841). 
Standet auf, standet auf, ir hiider aUe (16. jahrh.). — Hofiinann 1854 

nr. 41 und Gesellschaftslieder 1, 333 nr. 241. 
Stetü puella rufa tunica (Carmina Burana). — Hofimann 1854 nr. 4. 
Studiosus fu>eratj der ging offt aus hey nacht (1669). — Berliner Mgo. 

231, s. 10. 

Tapferer heldenmuth (18. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 186. 

Tempus adest, gruonot gras (11. jahrh.). — Jaff6, Ztschr. f. d. altert. 14, 

494. Breul, ebd. 30, 190; vgl. MüUenUoff- Scherer, Denkmäler» 

s. 327 = 8 2, 104. 106. 

Vah hominis vita fumesta (18. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 168. 

Vd reden is nicht gudt (16. jahrh.). — Rimbökelin v. 3628 ed. Seelmann 

1885. 
^Vemte, ghy lieve ghesellen sonder zorghen (16. jahrh.). — Oben nr. 2b. 
^Venitef [gy] leven gesellen, aen sorgen (16. jahrh.). — Oben nr. 2a. 
Venite, ir lieben gesellen, one sorgen (um 1560). — Hoffmann, Weimar. 

Jahrbuch 6, 51. Vgl. oben s. 98. 
Venite, leven gesellen van dem römschen dön (um 1535). — Hoffmann, 

Weimar. Jahrbuch 6, 43. Vgl. oben s. 99. 
Venite, liehin gesellen, lat von sweren sorgen (15. jahrh.). — Schletter, Be- 
richt der deutschen gesellsch. in Leipzig 1842, 62. 
Venite, lieber bruder mein (15. jahrh.). — München, Cod. germ. 379, 

bl. 152b und Cod. lat. 15602, bl. 119 (mönch und nonne). 
Venite, myne gesellen, et audite (15. jahrh.). — Bartsch, Jahrb. des nd. 

Vereins 11, 137. 
Venite und hört, was ich euch ml sa^ew (16. jahrh.). — Wiener hs. 4117, 

bl. 203 a. 
Venite, tms gesellen besweret sorgen (15. jahrh.). — Hoffmann 1854 nr, 32. 
Venite, yr lieben gesellen an allen sorg (16. jahrh.). — Wiener hs. 4117, 

bl. 205 a. 
*Vinum bonum et su^ave (1609). — Oben nr. 8. 
Vinum bonum, vinum bonum (16. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 179. 



In dulci iubilo. 129 

Vinum du edler safft, was hastu vor ein hrafft (17.-18. jahrh.). — Ale- 
mannia 9, 164. 

Vinum quae pars (1558). — Lindener, Katzipori s. 188 ed. Lichtenstein, 
Fischart, Geschichtklitterung 1575 s. 135 ed. Aisleben. Fliegendes 
blatt um 1600 (Berlin Yd 7852, 24) u. ö. Hoffinann 1854 nr. 44 u. 
Gesellschaftslieder 1, 343 nr. 243. Mittler nr. 1347. — Eine auf 
16 Strophen angeschwellte fassung bei M. Abele, Vivat Unordnung 
3, 208 (1671), der auch eine melodie beigegeben ist, beginnt: 
^Merckt ihr ollein, ihr brüder mein\ 

Vinum, wein, wie ich mein (18. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 198. 

Virgo quaedam nohilis (Carmina Burana). — Hoffmann 1854 nr. 3. 

Vocat haec vox omnem clerum (1535). — Facetiae vtcunque illiteratae 
1535 (Weller, Annalen der poet. nationallitteratur 1, 309). 

Vockcrod, tu scholae dux (J. Beer). — Joh. 13eer, ürsus vulpinatur 
(Weisseiifels 1697) s. 95. 

Wuff fang ich jäzt nu/r an (18. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 189. 

Was ist das leben doch (Erhardj. — J. ü. Erhard, Kosetum Parnassium 
s. 56 (Stuttg. 1674). 

Was ist melancholei (J. A. Poysel um 1690). — Ditfurth 1872 nr. 195; 
über den dichter vgl. Pfeiffer im Altenburger progr. 1889 (nr. 645). 

Wie schön leuchtet der morgenstei-n (Phil. Nicolai 1599). — Wackemagel, 
KL. 5 nr. 394. 

Wirty wis mvmder (15. jahrh.). — Hoffmann 1854 nr. 31. 

Wohlan, frisch auf, soUai (18. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 138. 

Wohlan, frisch auf, Student (18. jahrh.). — Ditfurth 1872 nr. 199. 

Wohlan, sa sa, wohlan (1669). — Berliner Mgo. 231, s. 116. 

Wolauf, ir brüder allzumal (1575). — Hoffinann 1854 nr. 45 und Gesell- 
schaftslieder 1, 346 nr. 244. Mittler nr. 1346. 

Wol uf, ir gesellen, in die tabem (15. jahrh.). — Hoffinann 1854 nr. 37 
u. Weimar, jahrb. 6, 53 (Wolauf, ir gesellen in großen ern). Watten- 
bach, Germania 17, 188 (Woyl uf, stiel in dye tabeme. 20 str.) u. An- 
zeiger f. künde der dtschn. vorzeit 1880 , 173 (WoU au ff schuler yn 
dy taffem), J. Werner, Anzeiger f. dtsch. altert. 15, 140. — Vgl. 
oben: ^ Prima declvnacio\ 



Festschrift. 



V. 



Schillers schrift vom ästhetischen Umgang. 



Von 

Paul Kaiser. 



Am 4. Oktober 1793 berichtet Schiller von Ludwigsburg 
aus an Körner: „Ich habe jetzt wieder eine kleine schrift, 
etwa wie anmut und würde angefangen, die mir oft viele 
freude macht. Sie handelt vom ästhetischen umgang." Er 
will in ihr, schreibt er an Göschen am 24. Oktober, „die ge- 
setze des guten tons aus prinzipien entwickeln", er denkt sie 
sich als „pendant" zu dem aufsatz „Über anmut und würde" 
(an Haug 30. 10. 93), er hat in ihr (an Garve 1. 10. 94) 
den versuch gemacht, „den grundsatz der Schönheit auf die 
gesellschaft anzuwenden, und den Umgang als ein objekt der 
schönen kunst zu betrachten", und ist auf diesem wege dazu 
geführt worden, „den sogenannten guten ton, wie ihn zeiten 
und Verhältnisse eingeführt haben, nach objektiven prinzipien 
des geschmacks zu beurteilen". Später erwähnt der dichter 
die schrift nicht wieder: er hat offenbar, was er im manuskript 
fertig hatte, für andere philosophische arbeiten verwendet. 
Wo haben wir die reste jener nicht herausgegebenen abhand- 
lung zu suchen? 

Unter den aufsätzen Schillers, auf die wir bei dem ver- 
such, diese frage zu beantworten, hingelenkt werden, deuten 



Schillers schrift vom ästhetischen umgang. 131 

zwei schon durch ihre Überschrift auf eine Verwandtschaft 
mit der verlorenen schrift hin, die abhandlungen „Über die 
gefahr ästhetischer sitten" und „Über den moralischen nutzen 
ästhetischer sitten** (Goedeke X, ss. 407—414, 415—424). Beide 
und dazu noch der aufsatz „Von den notwendigen grenzen 
des schönen besonders im Vortrag philosophischer Wahrheiten" 
(Goedeke s. 387 — 406) sind auch schon von der forschung als 
reste jener schrift angesehen worden (z. b. von Daniel Jacoby, 
Schnorrs archiv 1878 [VII] s. 120 ff., von Jonas, Schillers briefe 
III, s. 546 zu nr. 686). 

Der aufsatz „über den moralischen nutzen etc.", dessen 
Inhalt vortrefflich zu dem von Schiller angegebenen programm 
der schrift vom ästhetischen umgang pafst, fuhrt uns nun 
sofort auf die spur der briefe des dichters an den herzog von 
Augustenburg. Denn er ist fast identisch mit dem brief an 
den herzog vom 3. dezember 1793. Aber in dieser uns nur 
zum teil erhaltenen korrespondenz ist er nicht der einzige, 
der von dem „guten ton" und dem geselligen umgang handelt: 
ein brieffragment (Jonas III, s. 416 — 418) und der brief vom 
21. november 1793 nebst einschlufs behandeln oder berühren 
wenigstens denselben gegenständ. Nur auf diesen teil der 
briefe kann sich der dichter beziehen, wenn er an Körner am 
3. februar 1794 über den inhalt der briefe an den herzog schreibt: 
„Es lag mir daran, die schwankenden begriffe über das schöne 
der form und die grenzen seines gebrauchs im denken und 
handeln zu berichtigen." Diese werte machen es höchst 
wahrscheinlich, dafs auch die abhandlung „Von den notwen- 
digen grenzen des schönen" und der später von dem dichter mit 
ihr vereinigte aufsatz „Über die gefahr ästhetischer sitten", der 
nach des dichters zeugnis (an Körner 21. 12. 95) herbst 1793 
entstanden ist, ursprünglich zu diesem teile der Augustenburger 
briefe gehören. Vgl. auch Tomaschek s. 246. 

Es ist also sicher, dafs der dichter einen teil der briefe, 
und zwar vom november 1793 ab, der darstellung des schönen 
Umgangs widmete. Nach dem 30. Oktober gedenkt er vor- 



y^2 Paiil Kaiser. 

läufig nicht mehr einer beschäftigung mit der begonnenen 
selbständigen sehrift vom ästhetischen Umgang. Daher können 
wir mit grofser Wahrscheinlichkeit schliefsen, dafs jene sehrift 
vom november ab in die briefe an den herzog verschmolzen 
wurde und dort ihre fortsetzung fand. Tomascheks zweifelnde 
frage (s. 260), ob der aufsatz über den ästhetischen umgang 
in die briefe oder erst in deren spätere Überarbeitung für die 
hören verwoben worden sei, ist hiermit beantwortet. 

Nie war Schiller, wie er an Körner am 4. Oktober 179S 
schreibt, „reicher an entwürfen zu schriftstellerischen arbeiten "^ 
als damals. Aber alle diese entwürfe, scheint es, wurden 
durch die briefe an den herzog verdrängt. Ein „Traktat über 
das naive" wurde in aussieht genommen (an Körner 4. 10. 93)^ 
aber noch nicht ausgeführt ^ die geplante Überarbeitung von 
„Anmut und würde" (an Göschen 24. 10. 93) unterblieb; die 
angefangene sehrift vom ästhetischen umgang wurde für den 
Augustenburger briefwechsel verwertet; der entwurf für diese 
korrespondenz schwoll dem dichter ins riesengrofse, wie der 
brief an Körner vom 3. februar 1794 zeigt. In diesem briefe 
erhalten wir das letzte zeugnis Schillers für seine arbeit an 
dem Augustenburger briefwechsel : „Hier bin ich gerade jetzt^ 
und es wird mir gar schwer, über den begriff des genies mit 
mir einig zu werden." 

Kurze zeit darauf wird er über den begriff des genies 
mit sich einig: er lernt Goethe kennen. Der einflufs der be- 
kanntschaft mit Goethe macht sich sofort in der schrift- 
stellerischen thätigkeit Schillers geltend. Der plan der philo- 
sophischen arbeit, mit der er gerade beschäftigt ist, erfährt 
eine scharfe begrenzung: im Spätsommer 1794 revidiert der 
dichter den Augustenburger briefwechsel und gestaltet ihn zu 
dem ersten teil der „Briefe über die ästhetische erziehung" 
um. Die ästhetischen briefe 1, 2, 5 entwickeln sich aus dem 
brief an den herzog vom 18. jiüi 1793, brief 8 aus dem brief 
vom 11. november 1793; von den briefen 3, 4, 6, 7, 9 lassen 
sich nur wenig oder gar keine spuren in dem uns erhaltenen 



Schillers schrift vom ästhetischen Umgang. 133 

briefwechsel nachweisen. Dafs dem dichter auch bei bearbei- 
tung des zweiten und dritten teiles der ästhetischen briefe das 
Augustenburger manuskript vorgelegen hat, beweisen anklänge 
im 16. und im 23. bis 27. brief (Breul, Zs. f. d. a. 28, 
s. 358 ff.)' I^^s Vorhandensein von spuren der ehemaligen 
schrift vom ästhetischen umgang, die Jacoby a. a. o. im 26. 
und 27. brief entdeckt, ist somit erklärlich; auch im 10. und 
23. brief können einige stellen (Goedeke ss. 308, 18 ff. u. 356, 
30 ff.) auf den teil des briefwechsels zurückgehen, für den die 
schrift vom ästhetischen umgang benutzt worden war, oder 
den der dichter wenigstens in ihrem sinne geschrieben hatte, 

Spuren des Augustenburger manuskripts und besonders 
des teiles, in dem der schöne umgang behandelt worden war, 
lassen sich aber auch in dem ersten abschnitt der abhandlung 
„Über naive und sentimentalische dichtung" auffinden, die 
gleichzeitig mit der redaktion der ästhetischen briefe in angriff 
genommen wurde (an Körner 4. 9. 94). In dieser abhandlung 
(s. 437, 9 ff.) spricht der dichter im hinblick auf Goethe von 
dem genie, dessen wesen er, wie wir wissen, schon im februar 
1794 in den briefen an den herzog zu ergründen versucht 
hatte; und wie er an dieser stelle auf die betrachtung des 
gesellschaftlichen Umgangs geführt wird, so handelt er hier 
auch sonst von dem verhalten im geselligen leben (ss. 431, 19 ff., 
441, 17 ff.). Diese beobachtung leitet uns auf die quelle, aus 
der der dichter möglicherweise anregung zu der schrift vom 
ästhetischen umgang geschöpft hatte : in Kants kritik der Urteils- 
kraft, die er nach seinem eigenen zeugnis (s. 430 anmerkung) 
in diesem teile der abhandlung im sinne hat, findet man § 41, 
42, 53 und 54 mannigfache bemerkungen über das gesell- 
schaftliche leben. 

In der zeit nach dem zusammentreffen mit Goethe ist der 
dichter, wie ein jähr zuvor bei seinem aufenthalt in Schwaben, 
reich an schriftstellerischen entwürfen ; aber diese fliefsen jetzt 
nicht mehr zu einem fast ins unbegrenzte ausgedehnten plane 
ineinander, sie sondern sich vielmehr voneinander ab und ge- 



134 Paul Kaiser. 

winnen scharf bestimmte umrisse. Die ästhetischen briefe 
werden redigiert; der schon in Schwaben geplante „Traktat 
über das naive" wird jetzt erst begonnen (an Körner 4. 9. 94) ; 
gedanken über den schriftsteiler und sein publikum bewegen 
den dichter (an Körner 1. 9. 94, 12. 9. 94, 10. 11. 94, an 
Garve 1. 10. 94, 25. 1. 95); wieder wird eine Umarbeitung 
von „Anmut und würde" ins äuge gefafst (an Göschen 16. 6. 
94). Der teil der Augustenburger korrespondenz , der vom 
ästhetischen Umgang handelte, wird zur Verwendung für eine 
besondere abhandlung beiseite gelegt ; an ihn denkt der dichter, 
wenn er an Garve am 1. Oktober 1794 wieder von seiner be- 
schäftigung mit einer schrift vom ästhetischen Umgang be- 
richtet. Denn die stelle in der schrift, auf die er in diesem 
briefe anspielt, findet sich in der von uns in den Augusten- 
burger briefwechsel eingereihten schrift „Von den notwendigen 
grenzen des schönen" (s. 404). 

Während seiner arbeit an den ästhetischen briefen findet 
der dichter aber für das wesen des ästhetischen Umgangs eine 
wichtige formel: der ästhetische Umgang gehört zu der kunst 
des schönen Scheins. Von dieser kunst handelt er in den 
letzten ästhetischen briefen, und wenn er im 26. brief (s, 371) 
verspricht, von den notwendigen grenzen des schönen Scheins 
noch einmal insbesondere zu reden, so meint er nichts anderes, 
als den teil der Augustenburger briefe, den er Garve gegen- 
über als die schrift vom ästhetischen umgang bezeichnet. 
Wie er sich das Verhältnis dieser geplanten schrift über die 
grenzen des schönen Scheins zu den briefen über die ästhetische 
erziehung dachte, zeigt die schlufsanmerkung in den hören 
(s. 384). Von dem „Staat des schönen Scheins" hat der dichter 
in dem letzten brief gehandelt ; er fügt die bemerkung hinzu : 
„Da es einem guten staat an einer konstitution nicht fehlen 
darf, so kann man sie auch von dem ästhetischen fodern. 
Noch kenne ich keine dergleichen, und ich darf also hoffen, 
dafs ein erster versuch derselben, den ich dieser Zeitschrift 
bestimmt habe, mit nachsieht werde aufgenommen werden."